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08.11.2019

07:40

Reichenstudie

Deutschland hat neun Milliardäre weniger: Superreiche sind ein bisschen weniger reich

Von: Michael Brächer

Eine neue Studie aus der Schweiz zeigt: Nach Jahren des Wachstums ging die Zahl der Milliardäre im vergangenen Jahr zurück – auch in Deutschland.

Reiche: Warum die Superreichen ein bisschen weniger reich sind dpa

Yachtausstellung in Hainan

Die Zahl weiblicher Milliardäre wächst – vor allem in China.

Zürich Die Reichen werden immer reicher – diese ökonomische Binsenweisheit galt für Milliardäre jahrelang. Doch nach Jahren des Wachstums ist das Vermögen der Superreichen im vergangenen Jahr erstmals gesunken. Das zeigt der „Billionaire Report“, den die Schweizer Großbank UBS und die Beratungsfirma PwC am Freitag veröffentlicht haben.

Die Vermögen der Superreichen gingen demnach im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit fünf Jahren zurück, und zwar insgesamt um 388 Milliarden Dollar. Weltweit zählt die Studie rund 2100 Milliardäre, das sind 2,6 Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Milliardärsboom der vergangenen Jahre hat seine natürliche Korrektur erfahren“, sagt Josef Stadler, der bei der UBS das Geschäft mit den superreichen Kunden verantwortet.

Auch in Deutschland gibt es demnach weniger Superreiche: 2017 zählten die Studienmacher hierzulande noch 123 Milliardäre, 2018 waren es noch 114 – ein Rückgang von sieben Prozent.

Den Rückgang erklärt UBS-Banker Stadler mit der Unsicherheit an den Aktienmärkten angesichts des chinesisch-amerikanischen Handelskonflikts und des Brexits. Zudem lässt der starke Dollar die Reichen außerhalb der USA in der Statistik etwas weniger reich aussehen, denn die Studie vergleicht das Vermögen in der US-Währung.

Für den Rückgang der Milliardäre in Deutschland führt PwC-Experte Marcel Tschanz aber auch deutsche Besonderheiten an. So hätten die meisten deutschen Milliardäre ihr Vermögen im Konsumgüter- und Einzelhandelsgeschäft gemacht. „Und diese Branche zählt zu den Branchen, die im vergangenen Jahr am meisten gelitten haben“, sagt Tschanz.

Auch wenn die Gesamtzahl der Milliardäre in Deutschland sank, gab es der Studie zufolge im vergangenen Jahr vier neue Milliardäre in der Bundesrepublik. Konkrete Namen verraten die Studienmacher nicht. Ranglisten, etwa vom amerikanischen Forbes Magazine, nennen die Aldi-Erben Beate Heister und Karl Albrecht Junior sowie Lidl-Gründer Dieter Schwarz als die reichsten Deutschen.

Milliardäre sind meistens Männer – und die besseren Unternehmer

Noch sind die meisten Superreichen männlich: Die Studie zählt weltweit 223 Milliardärinnen, das entspricht einem Frauenanteil von lediglich elf Prozent. Doch die Frauen machen Boden gut. Die neuen Milliardärinnen seien Geschäftsfrauen und nicht etwa reiche Erbinnen, sagt UBS-Banker Stadler. Das gelte besonders für China, wo es die meisten neuen Milliardäre gibt: „In Asien sind heute mehr als die Hälfte der weiblichen Milliardäre Selfmade-Frauen.“

Grafik

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Auch wenn die Vermögen der Superreichen im vergangenen Jahr unterm Strich geschrumpft sind, sind Milliardäre mit ihren Unternehmen im langfristigen Schnitt erfolgreicher als andere Unternehmer. Dass lässt zumindest die Entwicklung von Aktienkursen und Unternehmensgewinnen vermuten.

Die Studienmacher verglichen etwa die langfristige Aktienkursentwicklung von Firmen, bei denen Milliardäre zu den Hauptaktionären zählen, mit der Kursentwicklung anderer Unternehmen. Das Ergebnis hat die Studienmacher überrascht: „Von Milliardären kontrollierte Unternehmen schnitten um ganze sieben Prozent besser ab“, sagt Stadler.

Diesen „Milliardärseffekt“ erklärt der Banker mit dem Investitionsverhalten der Superreichen. Diese hätten einen „smarten“ Appetit für Risiken und verfolgten eine langfristige Perspektive bei ihren Investitionen.

Chancen ungleich verteilt

Kritiker der sozialen Ungleichheit wie die Organisation Oxfam verweisen dagegen darauf, dass die Reichen die gesellschaftlichen Spielregeln zu ihren Gunsten beeinflussen können – um auf diese Weise noch mehr Vermögen anzuhäufen. Wer Geld hat, hat auch Einfluss, argumentieren die Kritiker. Ökonomen wie etwa Thomas Piketty verweisen zudem darauf, dass wohlhabende Menschen mit Kapitalanlagen höhere Renditen erzielen können als die Gesamtwirtschaft.

Die immer lauter werdende Diskussion um die globale Ungleichheit verfolgen auch die Vermögensverwalter der UBS, die mit den sogenannten „Ultra-High-Net-Worth“-Kunden lukratives Geschäft machen. Die Schweizer liefern sich dabei einen Wettstreit mit der heimischen Konkurrentin Credit Suisse, die ebenfalls im UNHW-Segment wachsen will.

„Viele Superreiche fühlen sich missverstanden“, sagt Stadler. Die Milliardäre seien durchaus für Chancengleichheit, wollten aber zugleich ihre Leistungen gewürdigt sehen. „Was Milliardäre nicht suchen, sind gleiche Ergebnisse. Was sie unterstützen, sind gleiche Chancen für alle“.

Kommentare (2)

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Herr J.-Fr. Pella

08.11.2019, 12:48 Uhr

Bevor die große Trauer ausbricht ob der weniger gewordenen Milliardäre in
Deutschland, sollte man auch diese Zahl nicht vergessen:
Nach den USA und China folgt an 3.Stelle
DEUTSCHLAND.
Dabei hat Deutschland innerhalb der EU einen Spitzenplatz bei der KINDERARMUT.
Viel Spaß beim feiern.

Herr Frank Krebs

08.11.2019, 16:13 Uhr

Das sind in der Tat "interessante" Neuigkeiten. Deutschlands Milliardäre erfüllen eine wichtige soziale Funktion. Sie geben vielen Menschen Arbeit und steuern große Unternehmen. Ausserdem sollte berücksichtigt werden, das 2018 ein schwieriges Börsenjahr war. In 2019 sieht das alles schon viel entspannter aus. Daher kann beruhigt von einer wieder gestiegenen Anzahl ausgegangen werden. In einem Jahr ist man halt Milliardär im nächsten wieder nicht. So What?

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