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08.07.2022

09:51

Richtig sparen

Sichere Anlage in unsicheren Zeiten: Wo Sparer die höchsten Zinsen für Tagesgeld und Festgeld erhalten

Von: Elisabeth Atzler, Anke Rezmer

PremiumNahezu im Wochenrhythmus passen Banken die Konditionen für Einlagen auf Tagesgeld oder Festgeldkonten an. Allerdings erfolgt dies auf einem nach wie vor niedrigen Niveau.

Tagesgeld und Festgeld Moment/Getty Images

Illustration mit 50-Euro-Banknoten

Banken und Sparkassen bleiben weiter geizig bei den Zinsen auf Tagesgeld und Festgeld.

Frankfurt Extreme Ausschläge an den Aktienmärkten, Energiekrise und Ukrainekrieg, immer größere Rezessionssorgen: Wer in dieser schwierigen Marktphase Teile seines Anlagekapitals sicher vor Wertschwankungen aufbewahren möchte, bekommt aktuell laufend bessere Angebote.

Infolge der Zinswende streichen immer mehr Banken und Sparkassen Strafzinsen und zahlen wieder etwas Zinsen für Geld auf Konten. „Nahezu wöchentlich verändern sich die Konditionen für Einlagen auf Konten massiv“, stellt Ania Scholz-Orfanidis vom Frankfurter Finanzdatenanbieter FMH-Finanzberatung fest.

So sind die Zinsen für Festgeld über ein Jahr bei den von FMH beobachteten Finanzhäusern binnen zwei Wochen im Durchschnitt um ein Viertel auf 0,46 Prozent gestiegen.

Etwas anders ist die Situation beim Tagesgeld, das bei Sparern extrem beliebt ist. Hier legten die Sätze im Schnitt sogar um 40 Prozent zu, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Der Durchschnittswert liegt nun bei mickrigen 0,07 Prozent. Expertin

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    Scholz-Orfanidis geht auch nicht davon aus, dass Sparer beim Tagesgeld bald deutlich messbare Zinserträge einstreichen können. Denn zunächst würden hier Negativzinsen abgeschafft und Freigrenzen erhöht, sagt die Expertin. Und das mache das Geld auf Konten für viele Sparer auch schon attraktiver.

    Tagesgeldkonto und Festgeld: Wie entwickeln sich die Zinsen?

    Die Zinswende durch die Europäische Zentralbank (EZB) steht schließlich unmittelbar bevor. Viele Beobachter gehen davon aus, dass die Notenbank den negativen Einlagenzins im Herbst zurücknimmt. Viele Banken passen ihre Konditionen entsprechend an diese Entwicklung an. „Das Zeitalter der Negativzinsen geht zu Ende“, meint denn auch Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich.

    Dieser Prozess wird sich aber noch lange hinziehen. Derzeit zählt Verivox noch rund 430 und damit ein Drittel der untersuchten Geldhäuser mit Negativzinsen für Privatkunden. Tatsächlich dürfte die Zahl noch höher liegen, weil nicht alle Konditionen im Internet frei zugänglich veröffentlicht werden.

    Der Blick auf die Menge an liquide geparktem Geld erklärt auch, warum Banken und Sparkassen so zögerlich sind mit der Anhebung der Tagesgeldzinsen: Ein solcher Schritt wäre ziemlich teuer. Denn insgesamt beläuft sich die Höhe des liquiden Vermögens deutscher Privathaushalte – also Bargeld, Tagesgeld sowie Kapital auf Girokonten – laut Bundesbank auf 2,1 Billionen Euro. Fest- oder Termingelder machen dagegen knapp 300 Milliarden Euro aus, weitere gut 550 Milliarden Euro liegen auf Sparkonten.

    Zinsen auf Festgeld interessanter als beim Tagesgeld

    So bleibt auch der Marktführer beim Tagesgeld, die Direktbank ING, geizig: Neuen Kunden und Bestandskunden zahlt die Direktbank 0,001 Prozent. Neue Kunden erhielten bis vor Kurzem gar kein Tagesgeldkonto.

    Einige Banken böten neuen Kunden immerhin wieder ein wenig Tagesgeldzinsen an, sagt Scholz-Orfanidis von FMH. So zahlt der deutsche Absatzfinanzierer Bank11 0,3 Prozent im Jahr, allerdings nur für drei Monate. Danach gibt es nur noch 0,05 Prozent. Den höchsten Tagesgeldsatz zahlt die estnische Bigbank mit 0,35 Prozent im Jahr. Hier müssen sich Sparer aber mit einem begrenzten gesetzlichen Einlagenschutz der EU von 100.000 Euro pro Person begnügen, den Estland garantiert.

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    Im Vergleich dazu deutlich interessanter werden die Zinsen für Festgeld. Die höchsten Zinsen zahlen ausländische Banken, teilweise ohne Filiale in Deutschland. Sie suchen hierzulande Kunden über Vermittlungsplattformen wie Zinspilot und Weltsparen.

    Das schwedische Finanz-Start-up Klarna etwa zahlt für Jahres-Festgeld circa 1,3 Prozent Zinsen. Bei Klarna müssen Sparer auch mit dem gesetzlichen Einlagenschutz der EU von 100.000 Euro pro Person leben, der vom Land Schweden garantiert wird.

    Pay Ray zahlt die besten Zinsen auf Festgeld

    Den besten Festgeldzins über zwölf Monate zahlt die Bank Pay Ray aus Litauen über den Vermittler Weltsparen. Hier liegt das Niveau bei 1,45 Prozent. Das Verrechnungskonto wird bei der Weltsparen-Mutter Raisin geführt. Den höchsten Zins über ein Jahr ohne Vermittler und Beschränkungen gibt es bei der Deutschen Pfandbriefbank über deren Onlineangebot PBB direkt mit 0,75 Prozent im Jahr. Dort bekommen Sparer den erweiterten Einlagenschutz des Bundesverbands deutscher Banken in Millionenhöhe.

    Über zwei Jahre zahlen Finanzhäuser inzwischen sogar bis zu 1,7 Prozent Zinsen pro Jahr: Diese Konditionen bietet Klarna. 1,62 Prozent Zinsen jährlich zahlt die französische Younited Credit, auch über Weltsparen. Mit erweitertem Einlagenschutz gibt es 1,25 Prozent bei PBB direkt.

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    Allerdings sollten Sparer überlegen, wie lange sie ihr liquides Kapital aktuell wirklich festlegen wollen. Denn die Zinsen dürften im Zuge der Leitzinsanhebungen weiter klettern. Bei der starken Bewegung vor allem bei Festgeldzinsen rät Scholz-Orfanidis von FMH dazu, Geld, das gerade nicht gebraucht wird, gestaffelt festzulegen und die Konditionen zu beobachten.

    Verbraucherschützer raten Sparern eher davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Denn es gibt bisher noch keine einheitliche oder gar gemeinsame Einlagensicherung in der EU. In Deutschland sagt die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken eine Rückzahlung bereits binnen sieben Tagen zu.

    Geld sparen: Wann sich Tagesgeld und Festgeld privat lohnen

    So kann es helfen, seinen Liquiditätsanteil kurzfristig auf einem solchen Konto zu parken und damit auch das eigene Depot zu stabilisieren. Üppige Zinsen streichen Anleger dort allerdings noch nicht ein: Und real – nach Abzug der Geldentwertung – verlieren sie bei einer Inflation in Deutschland von im Juni 7,6 Prozent stets Geld. Mehr als ein kurzfristiger Schutz gegen Kursverluste an der Börse kann das Kontensparen also nicht sein.

    Parallel dazu stellt sich die Frage, ob nicht doch irgendwann der Kampf um Einlagen wieder ausbricht. „Wir sind offen für neues Geld, und wir sind jetzt auch wieder dabei, Einlagen anzuwerben“, sagte Managerin Laura Wirtz von ING Deutschland diese Woche auf der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Retailbanking“.

    Sparkonto: Zinsen steigen wohl erst 2023 stärker

    Wie stark und wie schnell das geschehe, hänge vor allem davon ab, wie stark die EZB die Zinsen anhebe. Wirtz geht eher von moderaten Erhöhungen aus und glaubt deshalb nicht, „dass wir dieses Jahr schon positive Sparzinsen in der Masse sehen werden“.

    Auch Torsten Stuska vom Berater Moonroc geht davon aus, „dass die Zinsen auf Sparkonten erst mit größerer Zeitverzögerung steigen werden – womöglich im kommenden Jahr“. „Die meisten deutschen Banken haben vorerst genug Einlagen eingesammelt.“

    Bei Sparkassen gibt es indes Anzeichen, dass die Einlagen abschmelzen. Liane Buchholz, die Präsidentin des Sparkassenverbands Westfalen-Lippe, sagte kürzlich, dass wegen der hohen Inflation schon heute 40 Prozent der Sparkassenkunden kein Geld mehr sparen könnten. Der Anteil droht bis Jahresende noch einmal zu steigen.

    Erstpublikation: 07.07.22, 04:00 Uhr (aktualisiert: 07.07.22, 09:34 Uhr).

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