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04.01.2018

20:31

Richtlinie für Finanzinstrumente

Das müssen Sie über MiFID II wissen

Die ersten beiden Handelstage mit MiFID II sind erfolgreich überstanden. Hinter dem komplizierten Kürzel verbirgt sich eine Finanzmarktrichtlinie, die den Wertpapierhandel verändert – und mehr Schutz für Anleger bringen soll.

Es geht um Transparenz und fairen Handel: Um Licht in dunkle Marktbereiche zu bringen, wurde die zweite Fassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente eingeführt. AP

Darauf hat sich die europäische Finanzwelt vorbereitet

Es geht um Transparenz und fairen Handel: Um Licht in dunkle Marktbereiche zu bringen, wurde die zweite Fassung der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente eingeführt.

London Sieben Jahre hat es gedauert, bis die zweite Version der „Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente“ Form annahm – jetzt ist sie da. Am Mittwoch trat die Richtlinie in Kraft. Dabei ist der englische Titel „Markets in Financial Instruments Directive“, kurz MiFID II, nicht weniger sperrig als der Inhalt: 7.000 Seiten umfasst die neue Regelung mit all ihren Zusätzen. Das ist fünfmal länger als Tolstois Roman „Krieg und Frieden“ – und deutlich schlechter lesbar. In die Vorbereitung von MiFID II steckten Banken und Vermögensverwalter in der EU mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Doch was hat die neue Richtlinie gebracht? Die wichtigsten Änderungen knapp zusammengefasst.

Laut Regulierungsbehörden soll MiFID II das durch die globale Finanzkrise von 2008 getrübte Vertrauen auf den Finanzmärkten wiederherstellen – auch wenn die Branche monatelang versucht hat, Teile davon zu umgehen.

Ronan Brennan, Chief Product Officer in Dublin bei Compliance Solutions Strategies, sagt: „Es geht darum, Licht in bisher dunkle Marktbereiche zu bringen, Transparenz zu schaffen und den Investor zu jeder Zeit fair zu behandeln“. Brennan hilft Firmen, die mannigfaltigen Anforderungen von MiFID zu erfüllen. Schließlich hat die neue Richtlinie zahlreiche Auswirkungen auf das europäische Finanzwesen.

Fünf Fakten zum Start von MiFID II

MiFID II ist am Mittwoch gestartet

Der Bezeichnung als Urknall, der die die Finanzmärkte der Europäischen Union verändert, ist die Finanzmarktrichtlinie nicht gerecht geworden. Zu großen Störungen kam es an den ersten beiden Tagen nicht, da die Händler darauf warteten, wie der Umbruch sich auswirkt. Die fünf wichtigsten Fakten:

1. Es gab einige kleinere Störungen

Steven Maijoor, der Chef der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA, gab Entwarnung für die ersten beiden Handelstage Mittwoch und Donnerstag. Kleinere Schwierigkeiten gab es mit speziellen Codes, die bei jedem Handel mit einer Partei aus der Europäischen Union benötigt werden (Legal Entity Identifiers oder LEIs). Einige Firmen haben noch keine, dafür eine sechsmonatige Übergangsfrist von der EU erhalten. Die Frist könnte sich eher Fluch denn als Segen herausstellen: Einige Handelssysteme wurden bereits so programmiert, dass sie Nicht-LEI-Handelstransaktionen blockieren.

2. Volumina waren gering

Das Handelsvolumen war bei Aktien und anderen Anlageklassen gering und einige Händler waren nicht in der Lage, Preise für bestimmte Zinsswaps anzugeben. Mit Europas größten Aktien wurde rund 13 Prozent seltener gehandelt als in den letzten, bereits sehr ruhigen 30 Tagen. Zum Vergleich: In den USA verlief der Handel sehr lebhaft und wurde durch die MiFID-II-Einführung nicht beeinträchtigt.

3. Mehr steht an

Begrenzungen bei Dark Pools – private Handelsaktivitäten, die genutzt werden, um große Aktienaufträge zu verbergen, sodass Händler nicht gegen sie wetten können – werden erst nächste Woche in Gang kommen, wenn die meisten Händler aus dem Urlaub zurückkehren. Ob diese Handelsgeschäfte an transparente Börsenplätze umziehen, ist offen. Alternative Handelsplätze könnten versuchen, die Dark-Pool-Limits von MiFID zu umgehen.

4. Wettlauf nach unten

Mit MiFID II dürfen Investment-Research-Anbieter ihre Dienstleitung nicht mehr kostenfrei anbieten. Um Marktanteile zu verteidigen, reduzieren sie ihre Preise noch weiter, die sie von den Anlegern für den Bezug ihrer Publikationen oder für Gespräche mit ihren Analysten fordern. Beobachter, die einen Dumping-Wettlauf fürchteten, lagen falsch: Einige Hedgefonds sind offenbar gerne bereit, Banken sogar mehr zu zahlen, weil sie darauf spekulieren, dafür einen VIP-Service zu erhalten.

5. Derivatehandel erhält mehr Zeit

Britische Regulierer gewährten den Plattformen von Intercontinental Exchange und London Metal Exchange einen 30-monatigen Aufschub zur Erfüllung einer wichtigen MiFID-II-Anforderung, die der Zusammenarbeit zwischen Plattformen und Clearinghäusern dienen sollte. Dies folgte auf die Entscheidung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), eine ähnliche Ausnahmeregelung für die Eurex-Clearingstelle der Deutschen Börse AG zu gewähren.

Kostenpflichtiges Investment Research

Wichtigste Neuerung: Fondsmanager müssen fortan für Research-Leistungen von Banken und anderen Anbietern bezahlen. Sie können ihren Lieblingsanalysten nicht mehr kostenlos anrufen, um zu erfahren, welche Titel heiß sind oder wie sich die jüngste Wende der Brexit-Verhandlungen auf ihre Portfolios auswirken wird. Sie können möglicherweise nicht einmal mehr kostenlos auf die Research-Berichte der Banken zugreifen, die ihre E-Mail-Postfächer bisher täglich zu Hunderten überschwemmt haben.

Denn MiFID II zwingt Investmentbanken, Research- und Broker-Dienste separat in Rechnung zu stellen, um Interessenkonflikte zu vermeiden. Bisher wurden die Research-Kosten in die Gebühren eingebaut, die Vermögensverwalter für die Ausführung von Handelsgeschäften bezahlten. Das hatte die Aufsichtsbehörden beunruhigt, denn es war intransparent und sorgte für problematische Provisionsmodelle, bevorzugte zudem Banken, die den besten Zugang zum Handelsgeschäft boten.

Da Fondsmanager mit MiFID II wählerischer werden dürften, erwarten Experten, dass die Preise für Research-Dienstleistungen 2018 fallen werden – und einige Analysten ihre Jobs verlieren könnten.

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Erhöhte Börsen-Transparenz

MiFID II schränkt sogenannte Dark Pools ein: Im Gegensatz zu öffentlichen oder transparenten Märkten wie der London Stock Exchange oder der Deutschen Börse sind Dark Pools private Märkte, auf denen Anleger große Aktienpakete kaufen und verkaufen können, ohne vorher die Größe der Order oder den von ihnen gezahlten Preis offenzulegen.

Zwar erfüllen Dark Pools selbst in den Augen von Regulierern einen Zweck. So könnte ein Fondsmanager, der an einem öffentlichen Börsenplatz eine Order von zwei Millionen Aktien platzieren will, schnell Schiffbruch erleiden: Sobald Hochfrequenzhändler mit ihren Algorithmen die Order entdecken, könnten sie augenblicklich gegen sie handeln.

Die Börsen sehen die Dark Pools dennoch kritisch und beschweren sich seit Jahren, dass zu viel Handel in Dark Pools stattfindet, was den Anlegern die besten Preise vorenthält und ihnen saftige Handelsgebühren beschert. Daher legt MiFID II Grenzwerte fest: Nur acht Prozent des Marktvolumens eines Titels kann auf diese Weise den Besitzer wechseln.

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