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14.09.2017

15:08 Uhr

Bitcoin

Bitcoin-Volatilität treibt Umsatz an schweizerischer Börse hoch

Anfang des Jahres wurde nur ein einziges Derivat an der Six gehandelt, jetzt machen 18 Prozent des gesamten Umsatzes Bitcoin-Produkte aus. Nun etabliert sich die Schweiz als Drehscheibe für digitale Währungen.

Der Umsatz des schweizerischen Börsenbetreiber mit Bitcoin-Produkten legte in den vergangenen beiden Wochen kräftig zu. Reuters

Börsenbetreiber Six Swiss

Der Umsatz des schweizerischen Börsenbetreiber mit Bitcoin-Produkten legte in den vergangenen beiden Wochen kräftig zu.

FrankfurtDer Umsatz des schweizerischen Börsenbetreibers Six Swiss Exchange mit Bitcoin-Produkten steigt rasant. In den vergangenen beiden Wochen hat er auf 184 Millionen Franken zugelegt. Das sind 18 Prozent des gesamten Umsatzes, den die Börse mit strukturierten Produkten macht. Anfang des Jahres, als lediglich ein einziges Derivat an der Six gehandelt wurde, hatte er noch bei nahezu Null gelegen, wie Daten des Börsenbetreibers zeigen, die von Bloomberg eingesehen wurden.

Die Schweiz etabliert sich als Drehscheibe für digitale Währungen, da das Interesse an Krypto-Währungen bei sehr vermögenden Kunden und institutionellen Anlegern steigt. Die Ethereum-Stiftung, die hinter der zweitgrößten Krypto-Währung steht, hat ihren Sitz in dem Land. Die Crypto Finance AG, geführt vom ehemaligen UBS-Banker Jan Brzezek, strebt derzeit ebenfalls nach einer Banklizenz und einer Zulassung für den Verkauf eines Krypto-Fonds an institutionelle Investoren.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Die seit Dezember angebotenen Futures der Cboe Global Markets Inc. und der CME tragen dazu bei, das "digital Geld" in den Mainstream zu bringen, da viele professionelle Anleger nicht bereit waren, Geschäfte auf den unregulierten Plattformen zu machen, auf denen Bitcoin derzeit gehandelt wird. Cboe und CME sind reguliert, was die Bedenken einiger Anleger abschwächen kann.

„Strukturierte Produkte mit Bitcoin als Basiswert haben in den vergangenen Wochen eine steigende Nachfrage verzeichnet und gehören zu den stärksten Umsatzträgern in dieser Produktkategorie“, teilte die Six in einer E-Mail mit.

Vor dem Hintergrund dass die 30-Tage-Volatilität bei Bitcoin auf das höchste Niveau seit Januar 2015 gestiegen ist, haben Händler reichlich Gelegenheit, Wetten mit Derivaten zu machen.

Vontobel und Leonteq gehören zu den Anbietern der strukturierten Produkte, die an der Six gehandelt werden. Die schweizerische Privatbank Vontobel bietet Partizipationszertifikate an, mit denen sich auf oder gegen die digitale Währung wetten lässt.

Hier geht es zur Seite mit dem Bitcoin-Kurs, hier können Sie aktuelle Wechselkurse berechnen.

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