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03.09.2019

09:15

Devisen

Britisches Pfund rutscht auf niedrigsten Stand seit Anfang 2017

Von: Jan Mallien

Der Streit zwischen dem britischen Premier Johnson und dem Parlament sorgt zunehmend für Unsicherheit. Das Pfund reagiert und kostet weniger als 1,20 Dollar.

Seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 zeigt sich das britische Pfund schwach. dpa

Pfund

Seit dem Brexit-Votum im Juni 2016 zeigt sich das britische Pfund schwach.

Frankfurt Der Wechselkurs des britischen Pfund lässt sich derzeit vor allem von den Entwicklungen im Brexit steuern. Je höher Investoren die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexits einschätzen, desto niedriger der Kurs. Diesen Dienstag ist die britische Währung erstmals seit Januar 2017 unter die Marke von 1,20 US-Dollar gefallen.

Grund ist die anstehende Debatte im britischen Parlament. Dort will eine Gruppe von Abgeordneten eine abermalige Verschiebung des Brexit-Termins erzwingen, soweit keine Austrittsvereinbarung mit der Europäischen Union (EU) gefunden wird. Der britische Premierminister Boris Johnson hat für diesen Fall jedoch mit Neuwahlen am 14. Oktober gedroht.

Der konservative Regierungschef will das Land am 31. Oktober ohne Austrittsvertrag aus der EU führen, wenn die Europäer nicht den irischen Backstop aus dem Vertrag streichen. Die EU-27 lehnen dies ab. „Aus dem Votum am Dienstag ergeben sich unzählige Szenarien,“ sagt Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke. „Dadurch ist die Unsicherheit noch größer geworden.“

Möglich ist zum einen, dass das Votum scheitert, denn es gibt einige Hürden. So müssen die Gegner eines No-Deal-Brexits die Tagesordnung im britischen Parlament ändern, um ein Gesetz gegen einen EU-Austritt ohne Abkommen einzubringen.

Wenn das gelingt, muss eine Mehrheit dieses Abkommen unterstützen. Doch auch das ist nicht sicher. 15 bis 20 Abgeordnete der regierenden Tories haben angekündigt, dafür zu stimmen.

Sollten sich die Rebellen durchsetzen, dürfte der Gesetzentwurf an diesem Mittwoch durch das Unterhaus gehen. Aber auch dann ist nicht klar, wie es weiter geht. Die Regierung hat für den Fall eines Erfolges der Initiative mit Neuwahlen gedroht.

Devisenanalystin Praefcke hält den Prozess auch deshalb für so kompliziert, weil Großbritannien keine Verfassung hat. Daher sei die Rechtslage über die nächsten Schritte extrem unsicher. „Anders als in Deutschland gibt es keinen engen konstitutionellen Rahmen,“ sagt sie. In den nächsten Wochen dürfte es daher weitere starke Schwankungen der britischen Währung geben. „Im Falle eines harten Brexits könnte das Pfund um weitere zehn Prozent gegenüber dem Euro abwerten,“ erwartet Praefcke.

Die Abstimmungen im Parlament in dieser Woche sind auch deshalb so wichtig, weil den Brexit-Gegnern nicht mehr viel Zeit bleibt. Premierminister Johnson hat eine vorübergehende Schließung des britischen Parlaments von Mitte September bis Mitte Oktober durchgesetzt. Schnelle Klarheit über den Brexit ist nicht zu erwarten. „Wirkliche Sicherheit gibt es wahrscheinlich erst am 31. Oktober, wenn er nicht doch noch verschoben wird,“ sagt Praefcke.

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