MenüZurück
Wird geladen.

06.08.2019

12:11

Devisen

China beruhigt die Märkte, aber nicht den Handelsstreit

Von: Dana Heide, Sha Hua

China weist den Vorwurf der Währungsmanipulation zurück und stützt den Kurs des Yuan. Analysten sehen den Handelsstreit trotzdem auf einer neuen Eskalationsstufe.

Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern bewegt sich in einer von der Notenbank vorgegebenen Spanne. AP

Yuan

Die chinesische Währung ist nicht frei handelbar, sondern bewegt sich in einer von der Notenbank vorgegebenen Spanne.

Peking China versucht im Handelsstreit mit den USA zu beschwichtigen. Zur allgemeinen Beruhigung der Lage an den Finanzmärkten legte die chinesische Zentralbank den Mittelkurs zwischen Dollar und Yuan an diesem Dienstag leicht unter 7,00 fest. Die Notenbanker kündigten zudem an, dem Yuan-Markt durch Wertpapierverkäufe Liquidität zu entziehen. Dies dürfte die chinesische Währung ebenfalls stützen.

Der Dollar-Kurs drehte daraufhin ins Minus und verlor 0,5 Prozent auf 7,0661 Yuan. Zuvor war der an Börsen außerhalb des chinesischen Festlandes gehandelte sogenannte „Offshore-Yuan“ um bis zu 0,6 Prozent auf ein Rekordhoch von 7,1397 Yuan gestiegen.

Zudem beteuerte der Gouverneur der chinesischen Zentralbank, Yi Gang, in einer Mitteilung, dass China sich „weiterhin dem marktbasierten Wechselkurs-Regime verpflichtet“ fühle. „Währungskurse werden nicht als Instrument im Zusammenhang mit Handelskonflikten oder anderen externen Störungen genutzt“, schrieb Yi in einem Statement.

Der Yuan kann sich nicht frei bewegen, sondern ist an ein bestimmtes Niveau zum Dollar gekoppelt – einen sogenannten Referenzkurs, den die Notenbank jeden Tag festlegt. Um diesen Kurs darf der Yuan um bis zu zwei Prozent nach oben und nach unten schwanken.

Mit diesen erlaubten Schwankungen erklärte die chinesische Notenbank auch die jüngste Kursverluste – die scharfe Abwertung des Yuan sei demnach auf den Markt zurückzuführen. Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, erklärte die Zentralbank.

Die Reaktion der Zentralbank kommt einen Tag, nachdem eine Abwertung des Yuan die Märkte geschockt hatte. Dadurch war ein US-Dollar das erste Mal seit April 2008 mehr als sieben Yuan wert – eine Marke, die unter Experten lange Zeit als „rote Linie“ der chinesischen Notenbank galt.

Dass diese Marke überschritten wurde, interpretierten Analysten dahingehend, dass China den Wechselkurs als Waffe im Handelskrieg mit den USA nutzen könnte.

USA bezeichnen China als „Währungsmanipulator“

Die US-Regierung bezeichnete China am Montagabend daraufhin offiziell als ein Land, das den Kurs seiner Währung manipuliere, um sich damit unfaire Vorteile im internationalen Wettbewerb zu sichern. Die Bezeichnung „Währungsmanipulator“ hatte Washington zuletzt im Jahr 1994 genutzt. Hauptzweck einer Einstufung als Währungsmanipulator ist es einem US-Gesetz aus dem Jahr 1988 zufolge, Verhandlungen mit dem betroffenen Land über dessen Devisenpraktiken zu erzwingen.

US-Präsident Donald Trump hatte getwittert, China senke den Kurs seiner Währung auf ein nahezu historisches Tief: „Das nennt man ‚Währungsmanipulation‘.“

Allerdings hatte erst im vergangenen Monat der Internationale Währungsfonds in einem eigenen Bericht festgestellt, dass der Yuan sich auf einem angemessenen Niveau bewege. Deshalb glauben die Ökonomen der Deutschen Bank einer Notiz zufolge, dass die Anklage der US-Regierung „wenig Sympathie dafür finden wird, dass eine Abwertung von zwei Prozent zu mehr als einer mündlichen Schelte führen sollte“.

Trotz der chinesischen Beschwichtigungsversuche zeigen sich deshalb Analysten und Ökonomen ob der erneuten Eskalation im Handelsstreit besorgt. Sowohl die politischen wie auch wirtschaftlichen Aussichten seien in der asiatischen Region unsicherer geworden, schreiben Ökonomen der Deutschen Bank weiter.

„Dies könnte der Anfang eines unumkehrbaren Handelskriegs zwischen den beiden Ländern sein“, sagte Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Der Ökonom befürchtet, dass andere asiatische Länder ihre Währungen ebenfalls abwerten könnten, um im globalen Wettbewerb mithalten zu können. Das könnte zu einem stärkeren Euro führen, damit würden Waren „Made in Germany“ außerhalb des Euroraumes teurer.

„Die Folge werden wohl geringere deutsche Exporte und damit ein schwächeres Wachstum in Deutschland sein“, mahnte Fratzscher. „In Zeiten, in denen sich die deutsche Wirtschaft in einer milden Rezession befindet, ist die Eskalation im globalen Handelskonflikt das letzte, was wir brauchen.“

Mehr: US-Präsident Donald Trump schafft es nicht, den Wechselkurs zu drücken und so die US-Exporte zu fördern. Ein Grund: China wertet seine Währung Yuan ab.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×