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27.08.2019

17:49

Edelmetall

Goldene Dividende: Experten erwarten hohe Ausschüttungen der Minenkonzerne

Von: Jakob Blume

Der sprunghafte Anstieg der Goldpreise hat in der Minenbranche neue Euphorie entfacht. Das könnte bald zu hohen Dividenden für die Aktionäre führen.

Experten geben einen positiven Ausblick für die Branche. Bloomberg/Getty Images

Goldmine

Experten geben einen positiven Ausblick für die Branche.

Frankfurt Es waren zwei Arbeiter nötig, um den mit Gold durchsetzten Gesteinsbrocken an die Oberfläche zu befördern. Zahlreiche, bis zu 90 Kilo schwere Nuggets hatten Geologen im September vergangenen Jahres in der Beta-Hunt-Mine im Westen Australiens entdeckt. Jeder der Brocken war Millionen wert.

Ein Geologe sagte damals dem australischen Fernsehsender ABC News: „So einen Fund macht man nur einmal im Leben.“ Und er war sich sicher: „Wo das herkommt, da liegt noch mehr.“ Der Geologe behielt recht: Mitte August korrigierte der Minenbetreiber RNC Minerals die Schätzungen der Goldreserven für die Mine nach oben. Insgesamt 1,35 Millionen Unzen vermutet das Unternehmen nun in der Beta-Hunt-Mine.

Doch der spektakuläre Goldfund kann nicht darüber hinwegtäuschen: Neuentdeckungen von großen Vorkommen sind eine Seltenheit geworden. Stefan Breintner, Fondsmanager und Edelmetallexperte beim Vermögensverwalter DJE Kapital, bestätigt: „Es gibt seit zwei Jahren keinen größeren Goldfund mehr auf der Welt.“ Die Goldminenbranche macht einen grundlegenden Wandel durch.

Die Zeiten des ungezügelten Wachstums sind längst vorbei. Viele der großen Minenbetreiber wie Barrick, Newcrest oder Newmont Goldcorp versuchen inzwischen vor allem, ihre Produktion konstant zu halten. Statt neue Minen selbst zu entwickeln und dafür Millionen zu riskieren, erweitern sie bestehende Betriebe oder übernehmen vielversprechende Entwickler.

Für Anleger ist das eine gute Nachricht: Sie können darauf hoffen, dass große Abschreibungen wegen fehlgeschlagener Minenprojekte der Vergangenheit angehören.

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Der Fokus auf eine stabile Produktion und sinkende Kosten könnte dazu führen, dass die Minenkonzerne mehr Mittel für Aktionärsgeschenke wie Dividenden oder Aktienrückkäufe haben. Werden Goldminen die neuen Dividenden-Stars? „Darauf hoffen die Edelmetallfans seit Jahren“, sagt Breintner. „Aber das ist nun deutlich wahrscheinlicher geworden.“

Aktionäre von Goldminen blicken auf eine jahrelange Durststrecke zurück. 2011 hatte der Goldpreis mit 1900 Dollar pro Unze (rund 31 Gramm) ein Allzeithoch markiert. Doch danach stürzte der Preis innerhalb von zwei Jahren um 700 auf unter 1200 Dollar ab. Noch härter traf es die Minenkonzerne.

Der Leitindex der Goldbranche, der NYSE Arca Exchange Gold Bugs, brach im selben Zeitraum um 70 Prozent ein. Sechs Jahre lang pendelte der Goldpreis innerhalb einer Grenze von 1050 und 1350 Dollar pro Unze. Die Minenkonzerne mussten Sparprogramme auflegen, statt in neue Projekte investieren zu können.

Doch der sprunghafte Anstieg der Goldpreise seit Ende Mai hat auch in der geschundenen Minenbranche neue Euphorie entfacht. Während der Goldpreis seither um 17 Prozent auf über 1530 Dollar pro Unze gestiegen ist, kletterte der Minenindex um 37 Prozent. Joe Foster, Manager mehrerer Goldminenfonds beim Vermögensverwalter Van Eck, sagt: „Goldaktien waren lange Zeit deutlich unterbewertet.

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Der aktuelle Höhenflug der Goldminen-Aktien könnte der Beginn einer längeren Anpassung sein.“ Er erwartet: Sollte der Goldpreis seinen Aufwärtstrend fortsetzen, dürften davon die Minenkonzerne überproportional stark profitieren.

Aus Fosters Sicht spricht viel dafür, dass es mit dem Goldpreis weiter aufwärtsgeht: Bei der Entwicklung der Goldpreise spiele inzwischen das Zinsniveau in den USA eine größere Rolle als der US-Dollar.

Die Aussicht auf sinkende Zinsen lässt derzeit die Renditen für Staatsanleihen weltweit fallen. Das macht Gold als Alternative zunehmend attraktiv, so Foster: „Wir gehen bei Gold und Goldaktien für die Dauer dieser Zinssenkungsrunde von einer guten Wertentwicklung aus.“

Goldminenaktien bieten einen natürlichen Hebel um den Faktor zwei bis 2,5 auf den Goldpreis. Das bedeutet, dass sich Goldminenaktien im Einklang mit dem Edelmetall nach oben oder unten bewegen, der Wert allerdings doppelt so stark schwankt.

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Der Grund dafür: Für Goldminenkonzerne bedeutet ein steigender Preis automatisch mehr Gewinn, da der Umsatz bei gleichbleibenden Kosten ansteigt. Steigt der Goldpreis etwa von 1300 auf 1400 Dollar, wächst der Kassenbestand der großen Goldkonzerne um rund 40 Prozent, hat der Fondsanbieter Van Eck berechnet. Die Gesamtkosten für die Förderung von einer Unze Gold liegen dagegen zwischen 900 und 1100 Dollar pro Unze.

Bei einem Goldpreis von 1500 Dollar sind die Minenkonzerne daher hochprofitabel. Hinzu kommt: Der schwächelnde Ölpreis senkt die Energiekosten. Australische und kanadische Minenkonzerne profitieren zudem von der relativen Schwäche ihrer Währungen gegenüber dem US-Dollar. Denn die Lohnkosten fallen in der Heimatwährung an, während die Einnahmen Greenbacks in die Kasse spülen.

Zwar sind die Bewertungen der weltweit größten Minenkonzerne hoch, Übertreibungen sind jedoch nicht zu sehen. Die Branchenriesen Barrick, Newcrest und Newmont Goldcorp haben die durchschnittlichen Kursziele der vom Finanzdienst Bloomberg befragten Analysten ausgeschöpft oder übertroffen. Doch das Verhältnis von Aktienkurs zu Kassenbestand liegt zwischen zehn und zwölf.

Fondsmanager Foster zufolge entspricht das etwa dem historischen Durchschnitt. Auf dem Höhepunkt der Gold-Rally im Jahr 2011 lag das Verhältnis um die 20. Größter Ausreißer ist die Franco Nevada Corp – doch das Unternehmen ist kein Minenkonzern im klassischen Sinn. Franco Nevada agiert als Beteiligungsgesellschaft und sichert sich Lizenzeinnahmen, sogenannte Royalties, von vielversprechenden Minenprojekten.

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DJE-Manager Breintner erklärt die Zurückhaltung vieler Investoren mit der wenig ruhmvollen Historie der Minenaktien: „Viele Investoren haben sich in der Vergangenheit die Finger verbrannt. Sie wollen erst mal sehen, dass die Industrie liefert, bevor sie zurückkehren.“ Doch der Ausblick ist aus seiner Sicht gut: „Die Dividenden im Sektor steigen.“ Viele Unternehmen hätten mit einem Goldpreis von 1200 Dollar pro Unze kalkuliert.

Daher fließt derzeit viel mehr Geld in die Kassen als ursprünglich veranschlagt. „Die Minenkonzerne werden sicherlich einen Teil ihrer Gewinne an die Aktionäre ausschütten. Ein deutlicher Anstieg der Dividenden ist jedoch noch nicht eingepreist“, ist er überzeugt. Goldfondsmanager Martin Siegel vom Vermögensverwalter Stabilitas warnt jedoch, dass die Minen Ausschüttungen schnell stoppen könnten, wenn der Goldpreis einbricht.

Doch bislang ist die Stimmung der Branche glänzend. Das liegt auch an Fusionsfantasien. Nach dem Mega-Merger zwischen Newmont und Goldcorp zu Jahresbeginn blieb es zuletzt ruhig. Doch Foster ist überzeugt: „Wenn die Bewertungen weiter steigen, dürfte es auch wieder mehr Bewegung bei Fusionen und Übernahmen geben.“

Besonders kleinere Produzenten und Entwickler, deren Projekte weit vorangeschritten sind, könnten in den Fokus der großen Minenbetreiber rücken. Der Zukauf von vielversprechenden Minenprojekten ist für sie die einfachste Möglichkeit, die Produktion stabil zu halten. Foster nennt etwa die kanadischen Unternehmen Sabina Gold and Osisko Mining als Übernahmekandidaten.

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Wer das Risiko scheut, in Einzelaktien zu investieren, kann auch über Indexfonds in die Minenbranche investieren. Die drei größten ETFs sind dem Vergleichsportal JustETF zufolge der iShares Gold Producers UCITS ETF (WKN: A1JKQJ), der ComStage NYSE Arca Gold Bugs UCITS ETF (WKN: ETF091) und der VanEck Vectors Gold Miners UCITS ETF (WKN: A12CCL).

Wer in noch riskantere Junior-Produzenten investieren will, ist mit einem aktiven Goldfonds am besten bedient.

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