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10.10.2019

19:36

Edelmetall

Nachfrage nach neuer Goldmünze überfordert das Bundesverwaltungsamt

Von: Andreas Neuhaus

Die Bundesregierung gibt eine Goldmünze raus, deren Verkaufspreis unter dem Materialpreis liegt. Die Nachfrage stellt das Bundesverwaltungsamt vor ein Problem.

Auf der Münze ist das „Unesco-Welterbe – Dom zu Speyer“ abgebildet. Screenshot

Neue Goldmünze

Auf der Münze ist das „Unesco-Welterbe – Dom zu Speyer“ abgebildet.

Düsseldorf In einem Jahr ist der Goldpreis um mehr als 300 Euro gestiegen und erreichte zwischenzeitlich ein Rekordniveau. Die Nachfrage nach dem Edelmetall ist derzeit enorm. Bei der neuen Goldmünze der Bundesregierung überfordert sie sogar das zuständige Bundesverwaltungsamt (BVA).

175.000 Exemplare beträgt die Auflage der 100-Euro-Goldmünze, die das Motiv „Unesco Welterbe – Dom zu Speyer“ zeigt. Bestellt werden konnte die Münze vom 1. August bis zum 12. September, ausgegeben werden sollten sie eigentlich am 1. Oktober. Doch dieses Ziel konnte das Bundesverwaltungsamt nicht halten.

„Aufgrund der großen Nachfrage konnte die Verarbeitung der Bestellungen noch nicht abgeschlossen werden. Die Versendung der Zahlungsanforderungen kann daher erst ab dem 14.10.2019 erfolgen“, erklärt ein BVA-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

Wer eine solche Aufforderung bekommt, muss die Münze auch abnehmen. Erst nach dem Zahlungseingang werden sie an die auserwählten Käufer verschickt. „Der Versand kann einige Wochen dauern. Wir bitten Sie daher noch um etwas Geduld“, erklärt das Amt.

Ursprünglich sollte jeder Besteller mindestens eine Münze erhalten. Das wird aber nicht klappen, weil die Emission mehrfach überzeichnet ist. Deshalb kommt es zu einer Zuteilung. Grundsätzlich sind laut BVA ein Drittel der Auflage für den Handel und zwei Drittel für Privatkunden vorgesehen. Dabei sollen einerseits ein möglichst große Zahl der Besteller die Chance haben, mindestens eine Münze zu erwerben. Zum anderen sollen auch Stammkunden bedient werden.

Der auf den ersten Blick ungewöhnliche Grund für die extreme Nachfrage: Der Verkaufspreis der Münzen liegt unter dem Materialpreis.

Der Goldwert ist größer als der Kaufpreis

Die Münzen wiegen jeweils eine halbe Feinunze (15,55 Gramm) und wurden zu einem Festpreis von 626,98 Euro zuzüglich Versandkosten angeboten. Während der Bestellfrist vom 1. August bis zum 12. September war eine halbe Feinunze allerdings zeitweise mehr als 700 Euro Wert. Der aktuelle Preis liegt bei 685 Euro.

Hintergrund der Diskrepanz zwischen Material- und Verkaufspreis: Der Planungs- und Produktionsprozess der Münzherstellung braucht Zeit. Das Bundesfinanzministerium beschaffte sich das Gold schon lange vor dem Verkaufsbeginn zum Tagespreis von der Bundesbank. Seitdem stieg der Goldpreis allerdings deutlich an. Alleine seit Mai liegt das Plus bei mehr als 20 Prozent – von maximal 1150 Euro je Feinunze im Mai auf mehr als 1408 Euro.

Der Verkaufspreis orientierte sich jedoch am Einkaufspreis zuzüglich Produktions- und Handlungskosten – schließlich wurde das Gold nicht zur Spekulation, sondern für die Herstellung der Münzen gekauft. „Eine nachträgliche Anpassung des Verkaufspreises erfolgt nicht“, erklärte ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums gegenüber „boerse-online.de“, das zuerst über den Vorgang berichtet hatte.

Wer also tatsächlich eine Münze erhält und sie später verkauft, dem winkt ein Gewinn, der sich im besten Fall noch erhöht: Die Europäische Zentralbank signalisierte den Sparern bereits, dass sie noch sehr lange Zeit mit niedrigen Zinsen auskommen müssen.

Da die Rendite von Anleihen derzeit sinken und Aktien angesichts der Rezessionssorgen als riskant gelten, könnte der Goldpreis als sicherer Hafen von dieser Entwicklung profitieren. So erklärten beispielsweise die Experten der Citigroup im September, dass der Goldpreis in den nächsten ein bis zwei Jahren die Marke von 2000 US-Dollar (derzeit rund 1800 Euro) durchbrechen werde.

Wer keine aktuelle 100-Euro-Goldmünze erhält, bekommt übrigens bald eine neue Chance. „Es wird bereits im nächsten Jahr eine neue 100-Euro-Goldserie mit drei Ausgaben aufgelegt werden, bei der die Interessenten eine neue Chance zum Münzerwerb haben“, kündigte das BVA an.

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