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06.12.2018

09:15

Ölmarkt: Was beim Opec-Treffen wichtig wird AP

Presse vor der Opec-Zentrale in Wien

Selten hat ein Treffen des Ölkartells für so viel Aufmerksamkeit gesorgt.

Erdöl-Kartell

Ölhahn zudrehen, aber mit Maß – was beim Opec-Treffen wichtig wird

Von: Hans-Peter Siebenhaar

Dass die Opec ihre Ölproduktion drosselt, gilt als sicher. Nun wird das Kartell den Umfang der Kürzungen bekannt geben. Was vom Treffen zu erwarten ist.

Wien Ein Treffen des Ölkartells hat selten für so viel weltweite Aufmerksamkeit gesorgt wie an diesem Donnerstag: Journalisten und Analysten stehen in Schlangen vor dem Sitz der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) in Wien. Und auch in der Politik sorgt das Treffen für Aufmerksamkeit.

Bereits im Vorfeld der Ölkonferenz hatte US-Präsident Donald Trump Druck auf die Opec mit ihrem Schwergewicht Saudi-Arabien Druck gemacht: „Die Welt will keine höheren Ölpreise sehen und braucht sie nicht!“, twitterte der US-Präsident.

Die USA selbst werden nach Schätzungen von Experten im nächsten Jahr erstmals mehr als zwölf Millionen Fass pro Jahr fördern. Sie tragen damit dazu bei, dass der Ölpreis sinkt. Naturgemäß geht es den Opec-Ländern um das Gegenteil: Sie wollen den Ölpreis wieder nach oben treiben – und zwar schnell und nachhaltig.

Die Ölminister der 14 Mitgliedsländer werden an diesem Donnerstag gar nicht mehr diskutieren, ob der Ölhahn zugedreht werden soll. Es geht eher darum, wie groß die Förderkürzung zu Beginn des kommenden Jahres ausfallen soll. „Es gibt einen breiten Konsens der Opec-Mitgliedsstaaten mit Russland für eine Produktionskürzung“, sagte Jan Edelmann, Ölexperte der HSH Nordbank, dem Handelsblatt. „Die Untergrenze sind 1,3 Millionen Barrel. Es kann auch zu einer Kürzung von 1,6 Millionen Fass kommen.“

Bei ihrem Treffen will die Opec nun die exakte Verteilung der Förderkürzung festlegen. Am frühen Donnerstagnachmittag will das Ölkartell bei seiner 175. Sitzung das Ergebnis der Verhandlung bekannt geben.

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Bereits am Mittwoch führten Saudi-Arabien und Russland Gespräche in Wien. Nach Angaben von Mohammed bin Hamad Al Rumhy, Öl- und Gasminister des Nicht-Opec-Landes Oman, empfehlen beide eine Förderkürzung ab dem nächsten Jahr. Das Volumen der Produktionsabsenkung wurde Al Rumhy zufolge allerdings nicht diskutiert. „Niemand will derzeit eine Zahl nennen“, sagte der Energieminister.

Seit Anfang 2017 hatte sich die Opec darauf geeinigt, nicht mehr als 32,5 Million Barrel (159 Liter) zu fördern. Bei ihrer jüngsten Sitzung im Frühsommer hatte sich das Ölkartell dafür ausgesprochen, das Fördervolumen voll auszuschöpfen. Im Oktober förderte das Ölkartell 32,9 Millionen Barrel.

Saudi-Arabien trägt die Hauptlast der Kürzungen

Bei den Plänen, die am Donnerstag verkündet werden, stehen das Königreich Saudi-Arabien und der Ölminister Khalid al-Falih klar im Mittelpunkt des Geschehens. „Die Hauptlast wird Saudi-Arabien von 500.00 bis 600.000 Barrel tragen“, glaubt Rohstoffanalyst Edelmann. Zudem werden die Vereinigten Arabischen Emirate etwa 200.000 Barrel kürzen müssen.

Russland dagegen werde das jetzige Niveau konstant halten oder eine geringe Kürzung von 150.000 Barrel vornehmen. Das Land, noch kein Mitglied der Opec, befindet sich derzeit in einer stärkeren Position als das Ölkartell. Denn Moskau kann auch mit dem derzeitigen Preisniveau notfalls leben. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte in der vergangenen Woche, dass ein Ölpreis von 60 Dollar pro Fass absolut in Ordnung sei.

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Ein Thema ist auch der saudische Erzrivale Iran. Die USA hatten gegen ihn zuletzt Sanktionen erlassen, allerdings mit Ausnahmen. So kann der Iran weiterhin Öl und Gas nach Indien, China, Südkorea oder in die Türkei exportieren.

Auch über Venezuela werden die Ölminister beraten. „Venezuela konnte zuletzt überraschend die Produktion stabilisieren. Aufgrund fehlender Investitionen wird das Land aber 200.000 bis 300.000 Barrel pro Tag verlieren“, resümiert Edelmann. Zuletzt nannte das Opec-Sekretariat die Zahl von 1,36 Millionen Fass weniger als im Vorjahresmonat, um eine Ölschwemme zu verhindern.

Die Opec befindet sich derzeit in schlechter Verfassung. Denn am Montag hatte der Wüstenstaat Katar nach mehr als einem halben Jahrhundert seinen Austritt aus dem Ölkartell zu Jahresende erklärt. „Politisch ist der Austritt von Katar ein Schlag ins Gesicht der Opec“, sagt Edelmann. Für den Ölmarkt werde der Verlust hingegen eine geringe Bedeutung haben.

Der Druck auf den Ölpreis steigt

Am Freitag will die Opec sich mit Russland und weiteren zehn Nicht-Opec-Ländern – darunter Aserbaidschan und Kasachstan – treffen. Das Bündnis, in der Branche Opec+ genannt, soll dann die gemeinsame Förderkürzung festlegen.

Der Druck ist groß. Denn der Ölpreis erlebte im November den stärksten Preisverfall seit zehn Jahren. In den vergangenen vier Jahren ging der Ölpreis um über 40 Prozent zurück. Die Märkte verlangen ein starkes Signal, damit der Preis für Rohöl wieder in eine Region oberhalb von 70 US-Dollar pro Fass zurückkehren kann. Am Donnerstag notierte die Nordseesorte Brent bei 61,15 Dollar und die amerikanische Sorte WTI bei 52,38 Dollar unterhalb des Vortagesniveaus.

Die Opec-Sitzung wird einen überschaubaren Einfluss auf die derzeitigen Spritpreise in Deutschland haben. „Die Förderkürzung könnte in den nächsten Wochen zu einem Aufschlag von fünf Cent führen“, sagte Analyst Edelmann am Rande der Sitzung. „Beim Diesel könnte durch einen engeren Markt der Preisauftrieb allerdings größer sein.“ Denn beispielsweise die Schifffahrt könnte durch den regulatorisch notwendigen Umstieg auf Diesel zu einer größeren Nachfrage bei Diesel beitragen.

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