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14.09.2017

15:08 Uhr

EZB-Ratsmitglied

Mersch fordert schärfere Regulierung von Bitcoin

VonCarsten Volkery

Der Bitcoin-Absturz zeigt die Risiken der Kryptowährungen. EZB-Ratsmitglied Mersch fand in London nun deutliche Worte - und forderte mehr Regulierung.

EZB: Yves Mersch schließt Aufstockung der Anleihenkäufe aus AFP

Yves Mersch

Der EZB-Direktor fordert nicht nur Offenheit, sondern auch eine schärfere Regulierung für Kryptowährungen.

FrankfurtYves Mersch ist im EZB-Rat für neue Technologien und Risikomanagement zuständig. Das bringt den Luxemburger neuerdings in Konflikt mit seinem Sohn, wie er auf einer Veranstaltung der London School of Economics verriet. „Mein Sohn hat ein Startup und er denkt ernsthaft über ein ICO nach“, sagte er unter dem Gelächter der Anwesenden. „Wir haben heiße Diskussionen darüber“.

Bei einem Initial Coin Offering (ICO) verkauft eine Firma Anteile an einer neu emittierten Kryptowährung an Anleger - und erhält dafür echtes Geld. Es ist eine zunehmend beliebte Methode für Startups, an Kapital zu kommen, ohne die strengen Auflagen eines Börsengangs (IPO) zu erfüllen.

Der Notenbanker Mersch sieht die neue Krypto-Welt mit großer Skepsis. Die virtuellen Währungen seien nicht das neue Geld, sagte er. Eine Zahlung mit der führenden Kryptowährung Bitcoin sei langsam, teuer und umweltschädlich. Weil jede Transaktion von sechs Minern bestätigt werden muss und viel Bandbreite in Anspruch nimmt, kann sie schon mal mehrere Stunden dauern. „Wenn sie einen Strauß Tulpen mit Bitcoin kaufen, sind sie schon verwelkt, wenn die Zahlung bestätigt ist“, witzelte Mersch.

Die virtuellen Währungen hätten weder einen intrinsischen Wert wie Gold, noch hätten sie einen extrinsischen Wert wie staatliche Währungen, sagte Mersch. Stattdessen seien sie ein klassisches Beispiel eines keynesianischen Schönheitswettbewerbs: Ein Anleger kaufe Bitcoin in der Hoffnung, dass es noch einen größeren Trottel gebe, der sie ihm für einen höheren Preis wieder abkaufe. Wie leicht das schiefgehen kann, zeigt der jüngste Bitcoin-Absturz. Die Digitalwährung, die vor Weihnachten noch 20.000 Dollar pro Einheit wert war, ist diese Woche unter 6000 Dollar gefallen.

Mersch warnte daher vor den Gefahren der virtuellen Währungen. „Selbst wenn virtuelle Währungen kein Geld sind, müssen sich Notenbanken der potenziellen Risiken für die Preisstabilität und die Finanzstabilität bewusst sein“, sagte er. Die Aufseher müssten „die Gefahr negativer Folgen auf die Wirtschaft reduzieren“. Nichthandeln, warnte er, könnte als Billigung des Krypto-Phänomens wahrgenommen werden.

Damit schließt er sich den immer lauter werdenden Rufen nach einer stärkeren Regulierung der Kryptowährungen an. Diese Woche hatte der Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Agustin Carstens, den Bitcoin als „Mischung aus Blase, Schneeballsystem und Umweltdesaster“ bezeichnet und eine Intervention der Zentralbanken gefordert.

Noch gebe es nicht viele Verbindungen zwischen den virtuellen Währungen und dem traditionellen Finanzsystem, sagte Mersch. Das ändere sich jedoch gerade. Gier führe dazu, dass traditionelle Finanzakteure ihre Fühler zu Bitcoin und Co. ausstrecken. So gebe es schon Derivate in virtuellen Währungen, auf einigen Krypto-Plattformen würden Euro gehandelt, und einige Staaten lieferten sich ein „unangebrachtes Wettrennen“ bei der Lizenzvergabe an unregulierte Plattformen. Die Ansteckungsgefahr wachse, sagte Mersch. „Was, wenn jemand eine Hypothek aufnimmt, um eine virtuelle Währung zu kaufen?“

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