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06.12.2018

16:25

Förderkürzung

Ölpreis rutscht um fünf Prozent ab – Opec ringt weiter mit Russland

Von: Hans-Peter Siebenhaar, André Ballin, Leonidas Exuzidis

Wie stark kürzen Opec und Russland ihre Produktion? Der Tag in Wien bringt Fortschritte – aber Durchbruch und Einigkeit lassen noch auf sich warten.

Der Opec-Präsident und Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Mazrouei (Mitte), am Donnerstag in Wien. Dort kam das Ölkartell zusammen, um über mögliche Förderkürzungen zu beraten. AFP

Treffen des Ölkartells in Wien

Der Opec-Präsident und Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Suhail al-Mazrouei (Mitte), am Donnerstag in Wien. Dort kam das Ölkartell zusammen, um über mögliche Förderkürzungen zu beraten.

Düsseldorf Die gute Nachricht: Die Opec drosselt ihre Produktion. Darauf haben sich die Opec-Staaten bei ihrem Treffen in Wien geeinigt. Die eher schlechte Nachricht: Das exakte Ausmaß ist am Donnerstag noch nicht bekannt. Erst am Freitag, wenn die Verhandlungen mit dem Nicht-Opec-Mitglied Russland fortgeschritten sind, ist mit konkreten Ergebnissen zu rechnen.

Diese vagen Vereinbarungen drücken den Ölpreis weiter nach unten. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent verlor am Donnerstag in der Spitze fast fünf Prozent und lag deutlich unter der Marke von 60 Dollar.

Am Nachmittag hielt sich der Preis immerhin knapp über dieser Marke. Nach aktuellem Stand dürfte die vereinbarte Förderkürzung geringer ausfallen als von Experten erhofft. Weitere Details sollen auf einer Pressekonferenz am Nachmittag bekanntgegeben werden.

Die Energieminister der Opec beraten über eine Drosselung der Förderung im kommenden Jahr. Am Freitag wird die Opec-Konferenz erweitert, wenn Russland dazu stößt. Seit Oktober sind die Ölpreise um mehr als 30 Prozent gefallen – nur eine deutliche Förderkürzung kann die Preise stabilisieren, äußern Experten.

Akteure wollen unabhängig agieren

Der saudische Ölminister Khalid Al-Falih erklärte am Vormittag gegenüber CNBC, eine Kürzung um eine Million Barrel täglich sei ausreichend. „Ist es mehr als eine Million? Ist es weniger? Wir haben den gesamten Tag heute und einen Teil des morgigen, um das festzusetzen“, sagte Al-Falih.

Zwar herrscht Einigkeit darüber, dass eine Förderkürzung grundsätzlich zwingend notwendig ist. „Unser Ziel ist die Herstellung des Gleichgewichts im Markt. Das bedeutet, dass wir die Ölproduktion kürzen müssen“, sagte Ecuadors Ölminister Carlos Perez dem Handelsblatt. „Deshalb unterstützen wir den Vorschlag eine Reduzierung der Produktion.“

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Dass die Opec ihre Ölproduktion drosselt, gilt als sicher. Nun wird das Kartell den Umfang der Kürzungen bekannt geben. Was vom Treffen zu erwarten ist.

Auf das genaue Ausmaß habe man sich bislang aber nicht einigen können, sagte Al-Falih. Er hoffe darauf, dass bis zum Freitagabend etwas zustande komme. Es sei wichtig, auch Förderstaaten außerhalb der Opec an Bord zu haben. Zuvor hatten fünf Delegierte des Treffens erklärt, das Kartell warte noch auf eine Entscheidung von Nicht-Opec-Mitglied Russland. Der russische Energieminister Alexander Nowak sei für ein Gespräch mit Präsident Wladimir Putin zurück nach Moskau geflogen.

Die sofortige Reaktion des Preises nach unten deutet aber darauf hin, dass Marktbeobachter mit einer noch stärkeren Drosselung gerechnet hatten. Jan Edelmann, Ölexperte der HSH Nordbank, hatte dem Handelsblatt im Vorfeld des Treffens gesagt: „Die Untergrenze sind 1,3 Millionen Barrel. Es kann auch bis zu einer Kürzung von 1,6 Millionen Fass kommen.“ Andere Marktbeobachter hatten auf ähnliche Sphären spekuliert.

Für Aufsehen hatte wiederholt Donald Trump gesorgt, der sich via Twitter erneut für einen geringen Ölpreis aussprach. Dazu sagte der ecuadorianische Ölminister Perez: „Die Opec muss die Interessen ihrer Mitglieder vertreten und sich um ihr Wohlergehen kümmern – unabhängig was andere Länder über sie denken.“

Eigentlich müsste die Opec eine rein technische Organisation sein, doch es sei schwierig, unpolitisch zu sein, sagte der Ölminister am Rande Konferenz. Durch den Austritt Katars am vergangenen Montag sieht er das Ölkartell vorerst nicht geschwächt. „Das Wichtigste ist, die Einigkeit der Organisation nicht in Gefahr zu bringen“, sagte Perez. „Wir werden zeigen, dass wir uns einig sind.“

Suhail Mohammed Faraj Al Mazroui, Energieminister der Vereinigten Arabischen Emirate sagte: „Wir sind keine politische Organisation, sondern wir werden die Maßnahmen ergreifen, um den Markt zu stabilisieren.“ Die Kürzung der Produktion ziele nicht darauf, die Ölpreise wieder in die Höhe treiben zu wollen. „Wir beabsichtigen, das Gleichgewicht im Markt herstellen. Uns geht es nicht in erster Linie um den Preis. Wir können uns nicht nur um unser Wohlergehen kümmern und die Konsumenten ignorieren.“

Absprachen helfen dem Markt

Saudi-Arabien möchte Russland davon überzeugen, zu der Förderdrosselung mindestens 250.000 bis 300.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag beizusteuern. Ein Deal sei in Wien schon gefunden, heißt es.

Doch Russland dürfte dabei einen Rabatt bekommen haben. Laut Anton Pokatowitsch, Chefanalyst der Investmentbank BKS Premier, dürfte Russland seine Förderung um 150.000 bis maximal 250.000 Barrel pro Tag drosseln, während Saudi-Arabien wohl den Löwenanteil der Kürzung auf sich nehmen muss. „Die Hauptlast wird Saudi-Arabien von 500.00 bis 600.000 Barrel tragen“, sagte Rohstoffanalyst Edelmann.

Die Effizienz der russisch-saudischen Absprachen ist unbestritten: Von den Tiefständen 2016, als der Ölpreis, sogar unter die Marke von 30 Dollar pro Barrel abglitt, hat sich das schwarze Gold längst erholt. Die vereinbarten Förderkürzungen haben die Stabilisierung deutlich befördert.

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Doch zugleich haben sie bei den kleineren Opec-Staaten Unmut geweckt. Viele fühlen sich zu Statisten degradiert, während die großen Förderländer ihre Deals machen. Auch der Ausstieg Katars soll darauf zurückzuführen sein, berichtete das Wall Street Journal.

Dabei ziehen Russen und Saudis keineswegs immer am gleichen Strang. Auch im Vorfeld der jetzigen Opec-Sitzung gab es heftiges Gezerre um die Förderquoten. In dem Poker hat Russland gegenüber Saudi-Arabien die besseren Karten. Während der Wüstenstaat zur Finanzierung teurer Infrastrukturprojekte, die der späteren Diversifizierung der Wirtschaft dienen sollen, einen Ölpreis von 70 Dollar anpeilt, hat Kremlchef Wladimir Putin erst kürzlich gesagt, dass ihn auch 60 Dollar pro Barrel völlig zufrieden stellen.

Natürlich hat im Kreml niemand etwas dagegen, wenn der Ölpreis höher liegt. Doch der Haushalt ist durchfinanziert – daher will die starke russische Öllobby keine großen Einschnitte bei der Förderung hinnehmen. Lukoil-Chef Wagit Alekperow machte sich zum Sprecher dieser Bewegung: „Ich hoffe, dass solche Maßnahmen nicht nötig sind“, sagte er auf eine starke Förderkürzung angesprochen.

Lukoil brauche ohnehin mindestens drei bis vier Monate, um solche Instruktionen dann auch durchzusetzen, führte Alekperow weiter aus. Derzeit hofft der Konzern eher noch auf eine – wenn auch bescheidene - Steigerung der Produktion im kommenden Jahr. Russland setzt auf einen Rabatt bekommen haben.

Die 15 Opec-Staaten produzieren derzeit nach eigenen Angaben gemeinsam fast 33 Millionen Barrel Öl am Tag. Der Bedarf liegt laut der Internationalen Energieagentur für 2019 aber nur bei 31,3 Millionen Barrel Opec-Öl täglich

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.

Kommentare (1)

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Frau Nicole Bartels

07.12.2018, 17:07 Uhr

Putin und der Prinz von Saudiarabien sind zwei kühl kalkulierende Spieler, die um Macht und Einfluss pokern und wissen, dass sie zusammen mehr erreichen. Aber diese Pokerei auf Kosten des Überlebens vieler Menschen muss Aufhören. Mit der revolutionärsten Entdeckung für die Menschheit des 21.Jahrhunderts könnten GEOPOLITISCHE KONFLIKTE und MACHTSPIELE ENTSCHÄRFT WERDEN. Billionen von Neutrinos strömen mit der Solaren Strahlung weltweit und können allerorts in emissionsfreie Energie gewandelt werden mittels Haushaltsgeneratoren/ PowerCubes. Neutrino-Energy ist unabhängig von Ländern und Mächten und bietet unendliche Ressourcen zur Energoenutuung. Dazu liegen internationale, universitäre Forschungsergebnisse und Patente der Berliner Neutrino Energy Group bereit. Wer das jetzt begreift und handelt, kann mit Investitionen in eine friedliche Energie Verteilung diese kranke Welt bessern.https://www.huffingtonpost.de/entry/neutrinos-energiequelle-der-zukunft_de_5bfffa6ce4b0d629378c12fe

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