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13.06.2019

13:11

Golf von Oman

Angriff auf Öltanker: US-Flotte alarmiert, Ölpreise steigen deutlich

Von: Leonidas Exuzidis, Christoph Schlautmann

Zwei Öltanker werden in einer Meerenge im Golf von Oman angegriffen. Die Hintergründe sind noch unklar. Am Ölmarkt folgt die Reaktion unmittelbar.

Golf von Oman

Tanker geraten nach mutmaßlichem Angriff in Brand

Golf von Oman: Tanker geraten nach mutmaßlichem Angriff in Brand

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DüsseldorfMehrere Explosionen auf zwei Schiffen haben am Donnerstag für Aufregung im Golf von Oman vor der iranischen Küste gesorgt. Es handelt sich mutmaßlich um Angriffe auf zwei Öltanker. Die iranischen Behörden leiteten Untersuchungen ein.

An den Rohstoffmärkten kam es zu heftigen Reaktionen. Rohöl verteuerte sich deutlich. Anleger sind besorgt wegen der zunehmenden Spannungen zwischen dem Iran und den USA. Der Ort des Zwischenfalls liegt in der Nähe der Straße von Hormus, durch die ein Drittel des über Schifffahrt gehandelten Öls transportiert wird.

Bei einem der beiden Schiffe handelt es sich um die „Kokuka Courageous“. Die deutsche Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM) teilte von ihrem Büro in Singapur aus mit, der von ihr bereederte Methanol-Tanker sei bei einem „Sicherheitszwischenfall“ am Donnerstagmorgen beschädigt worden. Ein Mitglied der Crew sei leicht verletzt worden.

Auch die Seefahrtsbehörde in Norwegen hat mittlerweile bestätigt, dass der heimische Öltanker „Front Altair“ der Reederei Frontline betroffen ist. Demnach habe es an Bord drei Explosionen gegeben, außerdem sei ein Feuer ausgebrochen. Mehr sei nicht bekannt. Hier kamen Crewmitglieder nicht zu Schaden. Man stehe mit Behörden und Ermittlern vor Ort in Kontakt, hieß es. Berichte, das Schiff sei bereits gesunken, stimmten nicht, teilte der Eigner Frontline mit.

Die Zwischenfälle ließen die Ölpreise am Donnerstag in die Höhe steigen. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent 62,30 Dollar. Das waren über zwei Dollar mehr als am Vortag, ein Plus von mehr als 3,5 Prozent. Ähnlich verlief es bei der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI): Hier stieg der Preis für ein Barrel um 3,6 Prozent auf 52,90 Dollar.

Die Branchenzeitung „Tradewinds“ berichtete unter Berufung auf Insider, der norwegische Tanker sei von einem Torpedo getroffen worden. Eine Bestätigung blieb bislang aus. An Bord der „Front Altair“ sollen sich 75.000 Tonnen Naphtha befinden. Das Schifffahrtsunternehmen Frontline verfügt über die größte Tankerflotte der Erde. Es befindet sich im Besitz des norwegischen Milliardärs John Frederiksen.

Ein Sprecher der in Bahrain stationierten 5. US-Flotte, Joshua Frey, sagte, US-Kriegsschiffe seien den beiden Schiffen zur Hilfe gekommen. Er sagte nicht, wie die Tanker angegriffen wurden und wer hinter dem Angriff vermutet werde. Das britische Militär und die US-Marine erklärten, sie wüssten von einem Vorfall in der Region. „Großbritannien und seine Partner ermitteln“, erklärte die britische Marine, ohne nähere Details zu nennen.

Golf von Oman: Angriff auf Öltanker treibt Ölpreise  in die Höhe dpa

Zwischenfall im Golf von Oman

Dieses Bild hat die iranische Nachrichtenagentur verbreitet.

Foto: Uncredited/Iranian Students & News Agency, ISNA/AP/dpa

Die USA hatten Iran vor kurzem für einen Sabotageangriff auf vier Tanker in der Nähe des Emirats Fudschaira, einem Hafen kurz vor der Einfahrt in die Straße von Hormus, verantwortlich gemacht. Der Iran hat das dementiert.

Zur Zeit besucht der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe den Iran. Abe will zwischen den USA und Iran vermitteln; noch am Mittwoch warnte er nach Gesprächen mit dem iranischen Präsidenten Hassan Ruhani vor einem versehentlich ausgelösten Konflikt im Persischen Golf und dem Arabischen Meer. Das japanische Handelsministerium teilte am Donnerstag mit, beide havarierten Tanker hätten eine „mit Japan verbundene Fracht“ transportiert.

Japanisches Schiff wird von deutschem Unternehmen bereedert

Die betroffene deutsche Reederei BSM ist Teil der 1955 in Hamburg gegründeten Schulte-Gruppe und besitzt selbst keine Schiffe. Stattdessen organisiert die Firma Transportfahrten, indem sie etwa für die notwendigen Crews, Frachter und Dieselvorräte sorgt – und das von zehn Managementzentren weltweit.

Unter Deutschlands Bereederungsgesellschaften zählt die Schulte-Gruppe, die ihren eigenen Liniendienst vor fünf Jahren an den französischen Schifffahrtsriesen CMA CGM verkaufte, zu den großen. Unter ihrem Management stehen derzeit 160 Massengutfrachter, 162 Containerschiffe, 190 Chemie-Tanker und 90 Gas-Tankschiffe.

Die 2010 in China gebaute „Kokuka Courageous“ ist ein 170 Meter langes und 26 Meter breites Tankschiff, das mit 19.349 Bruttoregistertonnen unter der Flagge Panamas fährt. Eigentümer ist die im japanischen Tokio ansässige Firma Kokuka Sangyo.

Analysten erwarten eher fallende Ölpreise

Die Marktreaktion spiegelt die Sorge der Anleger wider, dass die anhaltenden Spannungen das Ölangebot sinken lassen. Zuletzt hatte ein Anstieg der Ölreserven in den USA die Preise noch belastet. Nach Angaben der US-Regierung vom Vortag waren die Lagerbestände an Rohöl in der vergangenen Woche um 2,2 Millionen auf 485,5 Millionen Barrel gestiegen.

Analysten rechnen in den kommenden Tagen aber eher mit fallenden Ölpreisen. Eine Ursache ist die Sorge vor einem weiteren Abflauen der Weltwirtschaft durch den Handelskonflikt zwischen den USA und China. In der Auseinandersetzung der beiden größten Volkswirtschaften der Welt zeichnete sich nach wie vor kein Durchbruch ab.

Hier geht es zur Seite mit dem Brent-Preis, hier zum WTI-Kurs.
Mit Agenturmaterial

Kommentare (2)

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Frau Nicole Bartels

13.06.2019, 16:04 Uhr

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Checker Joe

13.06.2019, 16:05 Uhr

Spätestens mit dem Drohnen-Angriff neulich auf eine Saudi-Pipeline und der darauffolgenden Verlegung des US-Flugzeugträgers Eisenhower war für mich klar, dass es sich hier um den Auftakt einer zu erwartenden Eskalierung von False-Flagg-Aktionen geben wird, um einen schönen, vermeintlich legitimen Kriegsgrund herbeizutreten.

Merke: In einer Demokratie kann eine Regierung ausschließlich dann Krieg führen, wenn das Land
a) angegriffen wird (9/11) oder
b) es sich um einen wirklich wirklich bösen bösen schurkigen Schurke wie Ghaddafi, Sadam, Assad oder irgendwann Putin handelt.

Die Fakten sind dabei zweitrangig. Entscheidender ist das faktische 'Rohmaterial', mit dem sich mittels medialer Gleichschalte die öffentliche Meinung dementsprechend modellieren lässt...

Ergo: Ich bin GEGEN eine US-Militärintervention im geheuchelten Duktus der moralischen Überlegenheit

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