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09.09.2019

06:14

Kommentar

Vorsicht vor der neuen Goldgräberstimmung

Von: Matthias Streit

Rezessionssorgen haben Gold in diesem Jahr auf neue Höhen steigen lassen. Aber lohnt es sich für Anleger wirklich, ins Edelmetall zu investieren?

Rezessionssorgen treiben den Preis fürs Edelmetall. dpa

Goldbarren

Rezessionssorgen treiben den Preis fürs Edelmetall.

Erfurt Wenn Donald Trump mal wieder eine neue Wende im Handelsstreit herbeitwittert, der Brexit einmal mehr ins Chaos zu schlittern droht oder eine der großen Notenbanken die Zinsen weiter senkt, dürften sich Goldkäufer bestätigt fühlen: Wo, wenn nicht im Edelmetall, ist das Geld derzeit am besten aufgehoben.

Rezessionssorgen haben Gold in diesem Jahr auf Höhen steigen lassen, die vor einem Jahr wohl nur die eingefleischtesten Goldfans vorhergesehen haben. Rückläufige Auftragseingänge in der Industrie und zahlreiche Gewinnwarnungen auch bei deutschen Unternehmen sprechen zwar deutlich für eine konjunkturelle Abkühlung.

Aber wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass wir in die nächste Krise schlittern? Kommt es so weit, wäre es wohl die am besten vorhergesehene Krise aller Zeiten. Kein Tag vergeht ohne Rezessionswarnung.

Nun mahnt mit Fed-Chef Jerome Powell ausgerechnet der Mann, der mit seiner jüngsten Zinssenkung die Goldgemüter aufgehellt hat, vor übermäßigem Konjunkturpessimismus: „Wir erwarten keine Rezession“, sagte er auf einer Veranstaltung in der Schweiz. Ob er davon überzeugt ist oder nur die Märkte beruhigen möchte, darüber lässt sich freilich trefflich spekulieren. Womit wir beim Stichwort angekommen wären.

Denn letztlich steckt hinter der diesjährigen Rally am Goldmarkt die Spekulation von Investoren auf eine schwache Wirtschaft und steigende Goldpreise. Nun sind Investoren bekanntlich wankelmütig. Locken an anderer Stelle größere Erträge, schichten sie Kapital um.

Deutsche Goldkäufer sollten sich ohnehin nicht vom Weltmarktpreis des Edelmetalls, das in Dollar gehandelt wird, blenden lassen. Mindestens genauso eng sollten sie den Euro-Dollar-Kurs verfolgen. Derzeit ist der Euro gegenüber dem Dollar sehr stark. Das hat dazu geführt, dass Gold in Euro heute so teuer ist wie nie zuvor, rund 1400 Euro kostet die Feinunze.

Wenn nun aber sowohl die Fed in den USA als auch die EZB in Europa über Zinssenkungen nachdenken, liegt der Vorteil klar jenseits des Atlantiks. Die Fed senkt von einem höheren Niveau ausgehend. Vieles spricht also dafür, dass der Dollar theoretisch mehr Schwächungspotenzial hat als der Euro. Vorsicht also vor allzu großer Goldgräberstimmung.

Mehr: Die Staatsanwaltschaft hat die Räume des Goldhändlers PIM Gold durchsucht und Vermögen gesichert. Ein Manager wurde verhaftet.

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Kommentare (3)

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Herr Jens Wegner

09.09.2019, 09:25 Uhr

Sehr geehrter Herr Streit,
da sind aber mehrere grobe Schnitzer in Ihrem Artikel:
1. Der Euro ist gegenüber dem USD zur Zeit sehr schwach, weshalb der Goldpreis in Euro bereits ein neues Allzeithoch erreicht hat, in USD ab noch deutlich darunter liegt.
2. Das Zinssenkungspotential ist auf beiden Seiten des Atlantiks identisch, da auch vor Minuszinsen kein Halt gemacht wird.
3. Sollte sich der USD, wie von Ihnen erwartet, abschwächen, würde der Goldpreis in USD sinken und sich dadurch die Nachfrage weltweit erhöhen. Ein steigender Goldpreis in Euro wäre die logische Folge.
Mit besten Grüßen
Jens Wegner

Herr Helmut Metz

09.09.2019, 10:38 Uhr

Die "Tricks" der Gold-"Feinde" (also grob verallgemeinernd der wichtigsten Zentralbanken), um den Goldpreis gemessen in der Weltleitwährung USD zu drücken (gemessen in Währungen von Ländern wie Venezuela oder Zimbabwe sieht das dagegen ganz anders aus ;-) ), waren in den letzten Jahren insbesondere:
1. Die perfide Äußerung von Mario Draghi im Jahre 2013, die Euro-PIGS-Staaten sollten Teile ihrer Goldreserven verkaufen:
https://www.wiwo.de/finanzen/geldanlage/sinkende-preise-draghi-versetzte-dem-goldpreis-den-letzten-stoss/8090572-4.html
2. die Disinflationspolitik der großen westlichen Zentralbanken in den letzten Jahren bis ca. Ende 2018. Disinflation ist ein sehr ungünstiges Umfeld für Gold, jedoch günstig für (Staats-)Anleihen und Aktien. Damit konnte man Gold relativ "schlecht" aussehen lassen.

Nun haben wir jedoch aktuell keine Disinflation mehr, sondern sogar eigentliche Deflation (Geldmengenkontraktion). In einer eigentlichen Deflation gilt (wiederum grob verallgemeinernd): "Cash is king", weil Geld eben knapper wird. Insbesondere gilt das für die Weltleitwährung, weil die Fed im Vergleich zu anderen Zentralbanken auch noch besonders stark deflationiert hat. Daher gab es auch kein Gold-ATH in USD, sondern "nur" in diversen anderen Währungen.

Herr Thomas Keller

12.09.2019, 12:30 Uhr

"Mindestens genauso eng sollten sie den Euro-Dollar-Kurs verfolgen. Derzeit ist der Euro gegenüber dem Dollar sehr stark. Das hat dazu geführt, dass Gold in Euro heute so teuer ist wie nie zuvor, rund 1400 Euro kostet die Feinunze." Diese Aussage ist nicht logisch. Nicht "stark" sondern "schwach" ist der Euro, wobei man hier noch einschränken müsste "im Vergleich zum Durchschnitt der letzen x Jahre".

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