MenüZurück
Wird geladen.

20.09.2017

21:04 Uhr

Kryptowährungen

Die nächste Bitcoin-Spaltung rückt näher

VonFrank Wiebe

Die Bitcoin-Welt dreht sich immer schneller. Kaum hat sich die Cybergemeinde an eine neue Variante der Kryptowährung gewöhnt, könnte es bald schon den nächsten Split geben. Bitcoins leiden unter dem eigenen Erfolg.

Zahlungen mit Bitcoins dauern mitunter Stunden. Das soll sich ändern. Reuters

Bitcoin-Logo in einem Ladengeschäft in Toronto

Zahlungen mit Bitcoins dauern mitunter Stunden. Das soll sich ändern.

New YorkLangsam wird es unübersichtlich. Im Juli haben sich Bitcoins bereits aufgespalten in ihre bisherige Variante und „Bitcoin Cash“, eine neue virtuelle Währung. Mit mäßigem Erfolg für die Abweichler. Die alte Variante hat laut Coinmarket.com eine Kapitalisierung von 65 Milliarden Dollar, was fast der Hälfte des Werts aller Kryptowährungen entspricht. „Cash“ kommt dagegen nur auf acht Milliarden.

Im November droht nun eine neue Spaltung. Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg meldet, schwinden die Aussichten dahin, diesen Schritt zu verhindern. Die Abweichler haben sich schon im Mai gefunden und ein sogenanntes New-York-Agreement bekannt gegeben. Dahinter standen nach eigener Aussage 58 Unternehmen mit gut 80 Prozent der weltweiten Computerkapazität, die bei der Schaffung von Bitcoins zum Einsatz kommt.

Zunächst bleibt festzuhalten: Bei jeder Spaltung bekommen die bisherigen Inhaber der virtuellen Münzen zwei Exemplare – also eine nach der alten und eine nach der neuen Variante. Allerdings gab es beim letzten Mal ein paar technische Hürden dabei, die neuen Coins tatsächlich zu erhalten. Außerdem bringt ein drohender Split Unruhe in den Markt und wirft einen Schatten auf das ursprüngliche Versprechen, das mit den Bitcoins verbunden war. Danach sollte dieses Konzept gerade verhindern, dass beliebig viele neue Münzen geschaffen werden können. Innerhalb jeder Variante wird dieses Versprechen auch eingehalten, aber insgesamt werden mit zwei Aufspaltungen natürlich mehr Münzen geschaffen.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Hintergrund der Aufspaltungen ist, dass Bitcoins am eigenen Erfolg leiden. Schnell und billig sollen Zahlungen mit dem System möglich sein. Anfänglich wurde jede Transaktion nach rund zehn Minuten bestätigt. Aber schon im vergangenen Jahr kam das System an seine Grenzen, und der Vorgang dauerte mitunter Stunden. Das führte zu einer langen und hitzigen Diskussion.

Viele Bitcoin-Fans wollten möglichst am alten System festhalten, auch aus Gründen der Glaubwürdigkeit. Andere möchten das System praktikabel machen und erweitern. Dazu gehören Firmen, die Anwendungen auf Bitcoin-Basis entwickelt haben, und so genannte Miner, die mit hohen Computerkapazitäten den Konsens über die erfolgten Zahlungen sicherstellen und dafür neue Coins schaffen dürfen.

Um die Kapazität zu erweitern, gibt es zwei Möglichkeiten. Einmal kann die Funktionsweise der Blocks so verändert werden, dass sie mehr Informationen speichern können. Die Blocks sind eine Art elektronischer Buchungssätze, mit denen Zahlungen festgehalten werden. Die erste Möglichkeit wäre also, im übertragenen Sinne, die Einträge mit kleinerer Schrift oder mit Abkürzungen in das Buchungsjournal einzutragen.

Die zweite Möglichkeit ist, ein größeres Journal anzuschaffen, bei dem auf jeder Seite mehr Platz ist. Die Entwicklung ist nun folgendermaßen verlaufen: Bei den traditionellen Bitcoins wurde die Kapazität durch die Nutzung von Abkürzungen erhöht, bei Bitcoin Cash kommt ein größeres Journal zum Einsatz, und bei der künftigen Spaltung wird eine Variante mit Abkürzungen und dem größeren Journal geschaffen, also eine Kombination der bisherigen Verfahren.

Bitcoin & Co.

Was ist eine Kryptowährung?

Bitcoin & Co.: Was ist eine Kryptowährung?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Technisch gesprochen kommt bei den alten Coins ein Konzept mit dem Namen „Segegrated Witness“ (Segwit) zum Einsatz, das mit einer geänderten Speichertechnik Platz schafft. Bei Bitcoin Cash hingegen wurde die Kapazität eines jeden Blocks auf zwei Megabyte verdoppelt und anschließend schrittweise auf acht Megabyte erhöht, unter Verzicht auf Segwit. Die nächste Variante, auch als Segwit2x angekündigt, soll die Kapazität auf zwei Megabyte verdoppeln und mit Segwit kombinieren. Nur wenn sich alle auf diesen Schritt einigen, ist eine Aufspaltung noch zu verhindern.

Bitcoins bitte!: Die Zukunft des Geldes hat begonnen

Bitcoins bitte!

Die Zukunft des Geldes hat begonnen

Ja was denn nun: Macht der Bitcoin die Banken überflüssig – oder ist er nur ein neuer Spielchip im globalen Finanzcasino? Keins von beidem. Unser Verständnis der Kryptowährung basiert auf einem Denkfehler. Ein Essay.

In den letzten Wochen gab es ein Dauerfeuer von Kritik an Bitcoins. Allen voran hat Jamie Dimon, der Chef von JP Morgan, die Kryptowährung als „Betrug“ bezeichnet. Hinterher stellte sich heraus, dass einige seiner Kunden über Systeme seiner Bank Wertpapiere gekauft haben, die den Wert von Bitcoins abbilden. Im Netz ging daher der irrtümliche Vorwurf herum, Dimon wolle den Kurs der virtuellen Münzen drücken, während seine Bank sie selber kauft.

Bisher haben die virtuellen Münzen ihre eigenen Probleme und externe Kritik gut überstanden. Auf Kurseinbrüche folgte meist recht schnell eine Erholung.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

G. Nampf

21.09.2017, 09:11 Uhr

"Außerdem bringt ein drohender Split Unruhe in den Markt und wirft einen Schatten auf das ursprüngliche Versprechen, das mit den Bitcoins verbunden war. Danach sollte dieses Konzept gerade verhindern, dass beliebig viele neue Münzen geschaffen werden können. Innerhalb jeder Variante wird dieses Versprechen auch eingehalten, aber insgesamt werden mit zwei Aufspaltungen natürlich mehr Münzen geschaffen."


Fehlt nur noch eine von der EZB zertifizierte Bitcoin- Variante (DraghiCoin??) mit eingebautem Inflationsalgorithmus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×