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20.09.2019

13:52

Mitsubishi

Ölhändler verzockt sich – und verursacht Verlust von 320 Millionen US-Dollar

Ein Mitarbeiter der Mitsubishi-Tochter Petro-Diamond Singapore hat unerlaubte Trades als Absicherungen für Kunden getarnt. Der Skandal könnte das Konzernergebnis drücken.

Mitsubishi Ölhändler verzockt sich dpa

Rohöl

Ein Ölhändler des Mitsubishi-Konzerns hat einen Schaden in Höhe von 320 Millionen Dollar verursacht.

Singapur Ein betrügerischer Ölhändler des japanischen Konzerns Mitsubishi hat offenbar einen Verlust in Höhe von 320 Millionen Dollar verursacht. Er hat nach Unternehmensangaben am Standort Singapur unerlaubte Trades als gesetzmäßige Absicherungen für Kunden getarnt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Der Konzern hat den Chinesen bereits entlassen und den Vorfall der Polizei gemeldet. Der Händler war im November 2018 bei der Konzerntochter Petro-Diamond Singapore eingestellt worden, um sich um die Ölgeschäfte mit China zu kümmern.

Eine mit der Materie vertraute Person identifizierte den Händler Bloomberg zufolge als Wang Xingchen, auch bekannt als Jack Wang. Eine Person aus dem Singapur-Büro von Petro-Diamond berichtet der Nachrichtenagentur, Wang habe das Unternehmen bereits verlassen.

Mitsubishi prüft nun, ob sich die Verluste auf das Unternehmensergebnis auswirken. 320 Millionen US-Dollar sind weniger als ein Zehntel des erwarteten Jahresüberschusses. Im August prognostizierte das riesige Mitsubishi-Handelshaus einen Jahresüberschuss in Höhe von umgerechnet 5,6 Milliarden Dollar.

Im aktuellen Skandal hat der Mitarbeiter laut Mitsubishi Daten im Risikomanagementsystem von Petro-Diamond manipuliert. Deswegen sahen die Transaktionen real aus. Petro-Diamond Singapur erzielte laut offiziellen Daten im Jahr 2018 einen Umsatz von 6,7 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn (EBIT) in Höhe von 18 Millionen US-Dollar.

Skandale am Ölmarkt sind keine Seltenheit

Der Ölmarkt hat eine lange Geschichte von milliardenschweren Handelsskandalen. So stand im Jahr 1994 die Metallgesellschaft, damals ein Dax-Konzern mit gut 57.000 Beschäftigten und 113 Jahre währender Tradition, nach einem Ölpreiscrash kurz vor der Insolvenz. Der Verlust betrug damals umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar.

Um in Amerika zu wachsen, hatte man Kunden künftige Öllieferungen zum Festpreis garantiert. Dieses Risiko wurde wiederum am Terminmarkt abgesichert. Wenn der Ölpreis stieg, stieg auch der Wert dieser Kontrakte. Wenn er fiel, mussten zusätzliche Sicherheiten hinterlegt werden.

Im Herbst 1993 fiel der Preis allerdings dramatisch. Bis Dezember verbilligte sich das Öl um etwa 20 Prozent, stürzte auf 14 Dollar je Barrel, den niedrigsten Preis seit fünf Jahren. Das Ergebnis: Die Metallgesellschaft wurde zerlegt und in Einzelteilen verkauft.

Ein weiterer Fall stammt aus dem Jahr 2004: China Aviation Oil erlitt damals durch Fehler im Derivatehandel Verluste in Höhe von 550 Millionen Dollar. Mit Mitsui musste 2007 ein weiteres japanisches Handelsunternehmen seine Ölhandelseinheit in Singapur schließen, nachdem ein Händler 81 Millionen Dollar durch Handelsaktivitäten verloren hatte. Der Händler und sein Vorgesetzter wurden inhaftiert.

Und im Dezember vergangenen Jahres wurden zwei Spitzenbeamte des chinesischen Ölhandelsgiganten Unipec nach Verlusten von rund 656 Millionen Dollar suspendiert.

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