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11.10.2018

14:03 Uhr

Öl

So will sich die Opec gegen den drohenden Einbruch bei der Ölnachfrage stemmen

VonJakob Blume

Wachsende Sorgen um die Weltkonjunktur drücken den Ölpreis. Besonders die Nachfrage in Schwellenländern schwächelt. Nun verspricht der Opec-Chef Hilfe.

Öl: Ölpreise fallen stark dpa

Rohöl

Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Donnerstagmorgen 81,58 US-Dollar.

Frankfurt/SingapurMohammed Barkindo ist zu sehr Diplomat, um sich eine Replik auf die fortlaufende Kritik von US-Präsident Donald Trump entlocken zu lassen. Der Generalsekretär des Ölförderkartells Opec gestand lediglich ein, dass es „nicht fundamentale Faktoren“ waren, die den Ölpreis auf den höchsten Stand seit vier Jahren haben klettern lassen. Faktoren, die „jenseits der Kontrolle der Opec liegen“, wie er am Donnerstag am Rande der Fachkonferenz „Oil and Money“ in London sagte.

Ebenfalls außerhalb der Kontrolle der Opec war die deutliche Korrektur der Ölpreise: Am Donnerstag brach der Preis für die Nordseesorte Brent um zwischenzeitlich 1,5 Prozent ein. Erst kürzlich schien noch die Marke von 90 Dollar pro Barrel (158 Liter) in Reichweite, nun nähert sich der Brentpreis der Marke von 80 Dollar. Die US-Sorte WTI verbilligte sich sogar um 1,7 Prozent.

Der Rückgang der Ölpreise ist Ausdruck neuer Sorgen um die Weltkonjunktur. Erst gestern kappte der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose. Auch die Opec werde ihre Wachstumsprognose nach unten korrigieren, kündigte Opec-Chef Barkindo an. „Es ziehen Wolken über der globalen Konjunktur auf.“ Ein wichtiger Grund sei der fortlaufende Handelskonflikt zwischen den weltweit größten Handelsnationen.

Ein schwächeres Wirtschaftswachstum bedeutet auch eine geringere Öl-Nachfrage. Bislang rechnete die Opec mit einem Wachstum der Ölnachfrage um rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2019. Doch auch diese Prognose werde das Ölförderkartell nach unten korrigieren, kündigte Barkindo an. Bereits am Mittwoch hatte der Chef der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, gewarnt, der Ölmarkt bewege sich in die „rote Zone“.

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Besonders kritisch ist die Situation in den Schwellenländern. Viele Währungen wie die indische Rupie, der südafrikanische Rand oder die türkische Lira haben zuletzt gegenüber dem Dollar drastisch an Wert verloren. Da Öl auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, trifft der hohe Ölpreis viele Schwellenländer doppelt hart.

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Groß ist die Verzweiflung offenbar in Indien, wie Barkindo enthüllte. Er habe einen Brief erhalten, in dem die indische Regierung ihr „Unbehagen“ über die hohen Ölpreise zum Ausdruck gebracht habe. Indien muss etwa 80 Prozent seines Ölbedarfs importieren.

Der Opec-Chef kündigte daher einen Dialog mit den wichtigsten Abnehmerländern an. Details nannte er nicht. Doch er verglich den künftigen Austausch mit den Importländern mit der Kooperationsvereinbarung zwischen den Opec- und den Nicht-Opec-Staaten.

Es gilt als eine der wichtigsten Leistungen von Barkindo, dass er es geschafft hat, die 19 Opec-Länder und sechs weitere Ölproduzenten, darunter Russland, seit 2016 zur Kooperation zu bewegen, um die Ölpreise zu stützen. Nun stellte Barkindo eine „Globale Gemeinschaft“ der wichtigsten Käufer- und Importländer in Aussicht, die sich für stabile Ölpreise engagieren.

Damit stellt sich der Opec-Chef gegen US-Präsident Trump. Der hatte das Kartell in zahlreichen Äußerungen hart angegangen und einseitig Produktionsausweitungen etwa von Saudi Arabien gefordert.

„Mir gefällt der Ölpreis von 74 Dollar [für WTI] nicht“, sagte Trump kürzlich. Er stellte sogar in Aussicht, die Opec-Staaten für den militärischen Schutz der USA zur Kasse bitten zu wollen.

Barkindo sagte dagegen, es sei kein Mangel an Produktionskapazitäten, der den Preisanstieg der vergangenen Monate ausgelöst hätte. „Der Markt ist gut versorgt.“ Ihm bereiten jedoch die mangelnden Reservekapazitäten auf dem Weltmarkt Sorgen. Damit wird die Menge erschlossenes Öl bezeichnet, die kurzfristig produziert werden kann, um Preisspitzen abzufedern.

In den vergangenen Jahren sind diese Produktionsreserven von 15 Millionen Barrel täglich auf rund eine Million eingebrochen. Das bedeutet: Ein vollständiger Ausschluss Irans vom Weltmarkt oder ein zweiter Krisenfall wie in Venezuela könnten einen echten Versorgungsengpass und rasant steigende Ölpreise auslösen.

Daran haben selbst die Ölförderländer kein Interesse, deren Einnahmen bei hohen Preisen sprudeln. Denn, brachte es IEA-Chef Birol auf den Punkt: „Hohe Preise heute dämpfen die Nachfrage morgen.“

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