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25.09.2017

19:22 Uhr

Rohstoffe

Öl so teuer wie seit zwei Jahren nicht

VonMatthias Streit

Seit Juni steigt der Preis für Öl. Nun markiert er ein neues Zwei-Jahres-Hoch. Die Förderkürzung des Ölkartells Opec und weiterer Ölförder-Staaten scheint zu wirken. Weiter steigende Preise sind aber nicht garantiert.

Unsicherheiten über Ölflüsse aus der autonomen Kurdenregion im Norden des Iraks haben den Ölpreisen weiteren Schub verliehen. dpa

Ölfeld im Irak

Unsicherheiten über Ölflüsse aus der autonomen Kurdenregion im Norden des Iraks haben den Ölpreisen weiteren Schub verliehen.

FrankfurtDer 30. November 2016 war ein großer Tag für die Organisation erdölexportierender Staaten (Opec). Erstmals seit 2008 hat sich das Ölkartell wieder auf eine Förderkürzung geeinigt. Wenige Tage später sagten elf weitere Staaten, darunter Russland, ihre Unterstützung zu. Stolz präsentierten Khalid Al-Falih, der saudische Ölminister, und sein russischer Amtskollege Alexander Nowak in Wien den Deal. Ab Januar 2017 würde der Deal umgesetzt.

Das Gros der Analysten rechnete von Anfang an fest damit, dass das Vorhaben scheitern, einzelne Mitglieder mehr als erlaubt fördern und damit das Abkommen torpedieren würden – so wie bei früheren Kürzungen. Doch die Opec straft ihre Kritiker Lügen: Sie hält das Abkommen ein. Auch die Nicht-Opec-Partner setzten ihre Versprechen im August zum ersten Mal vollständig um. Infolgedessen ist der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent nun erstmals seit Juli 2015 wieder über 58,50 Dollar geklettert.

Fragen und Antworten zur Entwicklung des Ölpreises

Warum fallen die Preise, obwohl die Opec weniger fördert?

Im Vorfeld der Entscheidung der Opec und ihrer Partnerländer wie Russland waren die Anleger schon auf die Verlängerung der seit Januar geltenden Förderbremse bis März 2018 vorbereitet worden. Einige hatten aber auf eine deutlichere Verlängerung und stärkere Kürzungen spekuliert.

Was bezweckt die Opec mit der niedrigeren Förderung?

Das Kartell und seine Partner, darunter Russland, wollen das Überangebot auf dem Weltmarkt schmälern und damit die Preise stützen. Erklärtes Ziel ist es, die Ölvorräte von einem aktuellen Rekordhoch von drei Milliarden Fässern auf 2,7 Milliarden Fässer zu senken - dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Das für die Finanzmärkte richtungsweisende Nordseeöl Brent kostet derzeit gut 50 Dollar - im Sommer 2014 war der Preis mit 115 Dollar noch mehr als doppelt so hoch.

Wie wird sich der Preis jetzt entwickeln?

Das hängt davon ab, wie viel Öl tatsächlich vom Weltmarkt verschwindet. Und genau das ist der Haken. Die US-Ölindustrie dürfte in die Bresche springen und die Lücke schließen, die durch den Opec-Beschluss von Donnerstag entsteht.

Gibt es besondere Preis-Marken?

Ja. Umkämpft ist fast jede runde Marke - auch aus psychologischen Gründen. Doch in der Vergangenheit waren stets zwei Preis-Marken wichtig: die 30-Dollar-Marke und die 50-Dollar-Marke. Die erstere wurde Anfang 2016 erstmals seit 2003 wieder unterschritten, was letztlich die Opec auf den Plan rief. Nachdem das Kartell im November erstmals wieder eine Förderkürzung beschloss, kletterte der Preis wieder über 50 Dollar und hat sich seither mehr oder weniger darüber behauptet.

Welche Rolle spielen die US-Ölkonzerne

Die USA machen bei der Förderkürzung nicht mit - dürften sie aus rechtlichen Gründe vermutlich auch gar nicht. In den USA ist die Ölindustrie zudem nicht staatlich organisiert wie in vielen anderen Förderländern. Von Texas bis in die Dakotas feiert das Fracking seit Mitte 2016 ein Comeback. Die US-Ölindustrie pumpt derzeit wieder so viel Öl an die Oberfläche, wie vor einigen Jahren, als die Ölschwemme erstmals die Preise ins Rutschen brachte.

Ist Fracking nicht ein sehr kostspieliges Verfahren?

Ja und nein. Denn während des Preisverfalls der vergangenen beiden Jahre hat die Branche nicht geschlafen. In Texas und anderen US-Regionen sind die Förderkosten inzwischen teilweise so niedrig wie in Nahost. Der technische Fortschritt macht Fracking wieder profitabel. Machten US-Firmen vor einigen Jahren erst ab einem Ölpreis von 60 Dollar Profit, reichen ihnen inzwischen schon 30 Dollar.

Was macht die Opec denn jetzt?

Bis März 2018 kürzt die Opec die Produktion um 1,8 Millionen Barrel täglich. Am 30. November kommen die Mitglieder erneut in Wien zusammen, um die Lage zu beraten. Außerdem wollen sie enger mit den Nicht-Opec-Partnern – sprich Russland – zusammenarbeiten. Saudi-Arabien will zudem seine Exporte in die USA verringern. Doch das ist nicht ohne Risko: Die Opec-Länder und Russland drohen Marktanteile an die US-Ölkonzerne zu verlieren.

Wer sind die größten Ölförderer der Welt?

Die Opec steht für rund ein Drittel des weltweiten Rohöl-Angebots. Neben dem Kartell-Mitglied Saudi-Arabien sind Russland und die USA mit großem Abstand und einer Förderung von je etwa neun bis zehn Millionen Fässern Öl am Tag die größten Ölproduzenten der Welt.

Welche Folgen hätte ein neuerlicher Ölpreisverfall für die Weltwirtschaft?

Wenn der wichtigste Schmierstoff für die Produktion nicht viel kostet, ist das generell gut für die Konjunktur und den Geldbeutel des Verbrauchers, der beim Benzin spart. Aber es gibt auch Kehrseiten - beispielsweise für die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn sie kämpft seit Jahren gegen eine zu geringe Inflation, was auf Dauer für die Konjunktur schädlich ist. Erwarten Verbraucher und Firmen fallende Preise, halten sie sich mit Käufen und Investitionen zurück. Der niedrige Ölpreis dämpft zudem in einigen Förderländern die wirtschaftliche Dynamik. Vielerorts werden Investitionen zurückgestellt.

Den jüngsten Schub erhielt der Ölmarkt von Unsicherheiten über das kurdische Unabhängigkeitsreferendum im Nord-Irak. Laut der kurdischen Regionalregierung verfügt das Gebiet über 45 Milliarden Barrel Ölreserven – knapp ein Drittel der Reserven des Landes. Die Ölanalysten von Rystad Energy rechnen damit, dass die Region ihre Förderung in diesem Jahr auf 602.000 Barrel steigern könnte.

Die Türkei sieht die Unabhängigkeitsbestrebungen der autonomen Region an seiner Grenze jedoch mit Argwohn und hat Panzer stationieren lassen. Die Spannungen treiben auch den Ölpreis, da Lieferungen aus dem Irak in die Türkei betroffen sein könnten. Eine Pipeline verläuft in unmittelbarer Nähe. „Die Zentralregierung in Bagdad erkennt die Abstimmung nicht an und hat andere Länder dazu aufgefordert, künftig kein Öl mehr aus der abtrünnigen Provinz zu kaufen. Sollte dieser Boykottaufruf Erfolg haben, würden gut 500.000 Barrel weniger Rohöl pro Tag an den Markt kommen“, erläutern die Öl-Analysten der Commerzbank.

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Den Auftrieb der vergangenen Wochen hat der Ölpreis maßgeblich der stärker als erwartet anziehenden Nachfrage zu verdanken. Die Internationale Energieagentur hatte erst im August ihre Prognose für das Nachfragewachstum in diesem Jahr um 0,1 auf 1,6 Millionen Barrel pro Tag angehoben. 2018 soll der Öldurst um weitere 1,4 Millionen Barrel pro Tag steigen. Ende nächsten Jahres könnte die Nachfrage dann die Marke von 100 Millionen Barrel pro Tag knacken. Preisstützend kommt hinzu, dass die zweite Jahreshälfte traditionell von stärkerer Nachfrage am Markt geprägt ist. Das spielt der Opec in die Karten.

Unterdessen bleibt unklar, ob und wie das Ölkartell das Abkommen nach seinem Auslaufen im März 2018 fortsetzen wird. Erklärtes Hauptziel der Opec ist es, die Lagerbestände der Welt auf den Fünf-Jahres-Durchschnitt zu bringen. Die Bestände fallen, liegen aber immer noch über dem Schnitt.

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