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02.05.2019

09:29

Rohstoffe

Warum Trumps Umgang mit dem Ölmarkt riskant ist

Von: Jakob Blume, Mathias Brüggmann

Die USA verschärfen die Sanktionspolitik gegen den Iran, der Machtkampf in Venezuela eskaliert. Am Ölmarkt kursiert die Angst vor einem Angebotsengpass.

Rohstoffe: Warum Donald Trumps Umgang mit dem Ölmarkt riskant ist dpa

Petrochemische Anlage im Südwesten Irans

Die US-Regierung hat Ausnahmeregelungen auslaufen lassen, die es manchen Staaten erlaubten, iranisches Öl zu importieren.

Berlin, Frankfurt Ein explosiver Mix braut sich am Ölmarkt zusammen: Die USA verschärfen ihre Sanktionspolitik gegen den Iran. Ausnahmeregelungen, die es bestimmten Staaten erlauben, iranisches Öl zu importieren, hat die US-Regierung auslaufen lassen. Ab Donnerstag müssen Unternehmen und Staaten mit Sanktionen rechnen, wenn sie mit dem Iran handeln.

Analysten erwarten daher, dass sich die iranische Ölproduktion im Vergleich zum Beginn der Sanktionen halbiert. Zugleich eskaliert in Venezuela der Machtkampf: Interimspräsident Juan Guaidó hat angekündigt, Staatschef Nicolas Maduro mithilfe des Militärs aus dem Amt drängen zu wollen. Maduro spricht von einem Putschversuch.

Die seit Monaten andauernde Krise hat die Ölproduktion Venezuelas um die Hälfte einbrechen lassen. Wann sich dessen Exporte stabilisieren, ist ungewiss.

Am Ölmarkt geht somit die Furcht vor einem Angebotsengpass um. Die Preise haben sich zuletzt verteuert und schwanken stärker. Am Dienstag legte die Nordseesorte Brent um ein Prozent auf knapp 73 Dollar pro Barrel zu, um am Mittwoch wieder etwas abzusacken. Der Ölpreis ist seit Jahresbeginn um 35 Prozent geklettert in die Nähe eines Sechsmonatshochs.

Wie knapp das Angebot ist, zeigt sich auch an den Rohstoffterminbörsen. Öl zur Lieferung im Juni kostet derzeit fast drei Dollar mehr als Öl zur Lieferung im Oktober. Dieser Preisunterschied war zuletzt im Jahr 2014 so groß. Da die Lagerung von Öl Geld kostet, ist es üblich, dass Lieferungen zu einem späteren Termin teurer sind als tagesaktuell gehandeltes Öl auf dem sogenannten Spotmarkt.

Neuer Opec-Deal

Angeheizt wurden die Spekulationen um ein knappes Angebot durch Äußerungen des saudischen Energieministers Khalid al-Falih. Er deutete an, die in der Förderallianz Opec+ organisierten 24 Exporteure könnten ihre Politik der Produktionskürzungen fortsetzen.

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Eine Ausnahmeregelung der USA erlaubt Ländern wie Indien oder der Türkei den Import von Öl aus dem Iran. Damit soll ab Mai Schluss sein.

Man wolle dafür sorgen, dass die weltweiten Lägerbestände weiter abgebaut werden und sich darauf fokussieren, die „globale Produktion durch unser Opec+-Abkommen zu korrigieren, wahrscheinlich ab Juli bis zum Jahresende“, sagte er am Dienstag.

Nach dem Ölpreiseinbruch im Winter 2018 hatte sich das Ölförderkartell Opec und zehn verbündete Exportstaaten darauf verständigt, die Produktion um 1,2 Millionen Barrel täglich zu drosseln. Der Pakt läuft im Juli aus. Bei ihrem Treffen Ende Juni wollen die Opec+-Staaten entscheiden, ob sie dabei bleiben.

Harry Tchilinguirian, Rohstoffstratege bei BNP Paribas, geht davon aus, „dass die Opec+ ihre Kooperation und ihr Angebotsmanagement bis zum Jahresende verlängert“.

Dabei setzen die USA darauf, dass vor allem Saudi-Arabien für den Wegfall des iranischen Öls einspringt.

Doch die Saudis halten sich mit Zusagen zurück, bis Details zu den verschärften US-Sanktionen feststehen, wie die Rohstoffexperten der Commerzbank meinen: „Im Vorjahr hatte die Opec die Produktion im Vorfeld der US-Sanktionen erhöht und musste einem Preisabsturz zusehen, als kurzfristig großzügige Ausnahmegenehmigungen bekanntgegeben wurden.“

Den Fehler, das hatte Riad zuletzt immer wieder betont, wolle man nicht noch einmal machen.

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Ein weiteres außenpolitisches Ziel von US-Präsident Trump dürfte daher noch schwieriger zu erreichen sein: mithilfe von Sanktionen gegen die venezolanische Ölbranche Maduro zu stürzen. Denn die iranischen und venezolanischen Ölsorten gelten als „schwerer.“ Sie lassen sich nicht einfach durch saudisches oder amerikanisches Öl ersetzen, da einige Raffinerien leichtere Sorten nicht weiterverarbeiten können.

Eine wichtige Rolle kommt in diesem Zusammenhang russischem Öl zu: Doch auch dort gibt es Probleme. Verunreinigtes russisches Öl war massenhaft Richtung Polen und Deutschland geflossen und hatte eine wichtige Pipeline lahmgelegt. Betroffen durch den Kontaminierungsskandal sind auch die deutschen Raffinerien in Schwedt und Leuna.

Seit Russland große Mengen Rohöl nach China exportiere, werde die nach Europa gelieferte Rohölmenge immer schlechter, meint Energieexpertin Jekaterina Gruschewenko von der Moskauer Hochschule Skolkowo. China setzt verstärkt auf russisches Öl, um Ausfälle aus dem Iran zu kompensieren. Trumps Sanktionspolitik könnte also auch deutsche Autofahrer treffen: durch höhere Preise an der Zapfsäule.

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