Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

07.11.2018

11:01

Stellar-Coin

Blockchain Luxembourg verschenkt 125 Millionen Dollar in Kryptowährung

Von: Sandra Louven

Es soll das größte Krypto-Werbegeschenk der Geschichte sein: Stellar-Coins im Wert von 125 Millionen Dollar sollen neue Nutzer anlocken. Die Macher haben ein Vorbild: Paypal.

Blockchain Luxemburg verschenkt Millionen Dollar Kryptowährung dpa

Blockchain

Die Datenbank-Technologie liegt Kryptowährungen zugrunde.

Lissabon Es ist eine gigantische Werbeaktion für beide Beteiligten: Die Kryptowährung Stellar will bekannter werden, und die Firma Blockchain Luxembourg, die die dafür nötigen digitalen Geldbörsen (auch Wallets genannt) anbietet, will neue Nutzer anlocken. Und so haben sich beide Seiten auf einen Deal geeinigt: Blockchain Luxembourg schenkt aktuellen und neuen Wallet-Besitzern 100 Stellar, die derzeit rund 25 Dollar wert sind. Stellar ist die weltweit sechstgrößte Kryptowährung.

„Wir vergeben die Währung auf einer First-come-first-serve-Basis“, sagt Blockchain-Luxembourg-Chef Peter Smith dem Handelsblatt. Sein Unternehmen ist mit 30 Millionen Wallets nach eigenen Angaben der weltweit größte Anbieter von digitalen Geldbörsen.

Er geht davon aus, dass das Angebot innerhalb von sechs Monaten unter die Leute gebracht sein wird. „Als Paypal seinen Nutzern zum Start zehn Dollar Guthaben schenkte, brauchten sie zwei Jahre, bis sie diese insgesamt 80 Millionen Dollar verschenkt hatten“, sagt er. „Wir wollen das jetzt mit 125 Millionen Dollar in sechs Monaten schaffen.“ Gebühren fallen für die Kunden keine an.

Solche Werbegeschenke werden in der Branche als Airdrops (Fallschirmabwurf) bezeichnet. Neben der Aufmerksamkeit, die sie generieren, helfen sie, einen neuen Markt zu etablieren. Nutzer, die erst einmal eine Kryptowährung besitzen, beginnen, sich zu erkundigen, was sie damit alles anstellen können, und engagieren sich womöglich weiter in dem Bereich.

Betrugsmasche mit Digitalwährungen: Cryptojacking – Die neue Gefahr aus dem Netz

Betrugsmasche mit Digitalwährungen

Cryptojacking – Die neue Gefahr aus dem Netz

Für die Herstellung von Kryptowährungen wie Monero oder Ethereum kapern Kriminelle immer häufiger Server von Unternehmen oder PCs von Privatleuten.

Das Volumen des am Dienstag auf der Technologiemesse Web Summit in Lissabon verkündeten Airdrops stellt bisherige Aktionen laut Smith in den Schatten. Es sei „das größte Krypto-Werbegeschenk der Geschichte“.

Smith schenke seit Jahren Freunden und Bekannten ihre ersten 20 Dollar in Kryptowährungen, um sie auf das Thema aufmerksam zu machen. Doch auf diese Weise lasse sich nur eine begrenzte Zahl an Leuten erreichen. Das Stellar-Projekt sei dagegen enorm.

Für Stellar-Mitgründer Jed McCaleb sorgen Airdrops dafür, eine digitale Welt zu schaffen, die von vielen getragen wird. Die Geschenke seien „eine Einladung an die Communities, die Dienste zu entwerfen, die sie brauchen“. Er hoffe, dass seine Währung sowohl in Industrienationen als auch in Schwellenländern genutzt würden.

Damit schneidet er ein Thema an, das in diesem Jahr schon die Eröffnung des Web Summits geprägt hat. Der Erfinder des World Wide Web, Tim Berners-Lee, hat Probleme wie Hasstiraden und den fehlenden Schutz von persönlichen Daten im Internet beklagt und eine Reform des Webs gefordert. Regierungen, Unternehmen und Nutzer sollten gemeinsam an den Regeln dafür arbeiten.

Tim Berners-Lee: Der Erfinder des World Wide Web fordert eine Reform des Internet

Tim Berners-Lee

Der Erfinder des World Wide Web fordert eine Reform des Internet

Tim Berners-Lee klagt über mangelnde Persönlichkeitsrechte und Hass im Netz. Er plant einen Vertrag fürs WWW – Google und Facebook haben bereits unterzeichnet.

Eine Idee des großen Vordenkers ist, das Web stärker zu dezentralisieren und damit Web-Giganten wie Google und Facebook die Kontrolle darüber zu entziehen. Möglich wäre das technisch etwa durch die Blockchain, die neue Datenbank-Technologie, die auch den Kryptowährungen zugrunde liegt.

Diese basiert auf einem digitalen Kassenbuch voller miteinander kryptografisch verketteter Datenblöcke. Durch die Teilnehmer des Blockchain-Netzwerks wird es dauernd erweitert und kann nachträglich praktisch nicht mehr manipuliert werden, argumentierten Experten.

„Blockchain ist in der Lage, die Kontrolle des Internets zu dezentralisieren“, sagt Smith. „Aber das ist etwas anderes, als das Internet zu regulieren und damit der Kontrolle von Staaten zu unterwerfen. Eine dezentrale Steuerung erschwert vielmehr die Kontrolle von Staaten.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×