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26.11.2018

18:09

Virtueller Börsengang

Skandalfirma Envion soll liquidiert werden

Von: Felix Holtermann, Sönke Iwersen

Ein Schweizer Gericht hat entschieden: Envion, die Firma, die den größten deutschen ICO gestartet hatte, wird aufgelöst. Nun zittern 30.000 Kryptoinvestoren um ihr Kapital.

Den Anlegern versprach das Start-up 162 Prozent Rendite. Envion

Envion

Den Anlegern versprach das Start-up 162 Prozent Rendite.

DüsseldorfNeues vom abenteuerlichsten Anlegerskandal der jüngeren Zeit: Das Kantonsgericht Zug in der Schweiz hat entschieden, die Envion AG aufzulösen. Es ist das Ende für Deutschlands einst größten virtuellen Börsengang.

Erst vor elf Monaten hatten die Berliner Geschäftspartner Michael Luckow und Matthias Woestmann eines der hoffnungsvollsten Start-ups der deutschen Kryptoszene gestartet. Für ihre Geschäftsidee, Kryptowährungen per Ökostrom in mobilen Containern zu produzieren, sammelten sie durch die Ausgabe virtueller Münzen (Coins) in kürzester Zeit rund 100 Millionen Dollar ein. Den Anlegern versprachen sie 162 Prozent Rendite.

Doch kaum war das Geld eingestrichen, mündete der Streit der Beteiligten in ein heilloses Chaos. Erst im Nachhinein erfuhren die Investoren, dass Woestmann zwar Vorstand war, die Gesellschaft aber in der Schweiz saß und die eigentliche Arbeit komplett fremdvergeben wurde – an Luckows Berliner Firma Trado. Nach dem ICO warf Woestmann dann Luckow vor, mehr Coins als verabredet hergestellt zu haben. Luckow bestritt.

 In einer Art Palastrevolution führte Woestmann dann eine Kapitalerhöhung durch und verwässerte die Anteile, die Luckow und seine Partner an Envion besaßen. Gearbeitet wurde bald gar nicht mehr, nach Angaben von Woestmann liegt der Umsatz des Unternehmens seit dessen Gründung bei null. Stattdessen überzogen sich beide Seiten mit mehreren Klagen.

Mit der Entscheidung des Gerichts, die Envion AG zu liquidieren, wird eine neue Rechtslage geschaffen: Es gibt keine Zukunft mehr für das Unternehmen. Grund für die Auflösung ist ein sogenannter Organisationsmangel. Envion fehlt seit Monaten eine Revisionsstelle, also ein Wirtschaftsprüfer. Wie das Kantonsgericht dem Handelsblatt mitteilte, besteht eine Rechtsmittelfrist, der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Krypto-Skandal: Berliner Firma sammelte bei einem ICO 100 Millionen Dollar ein – ohne funktionierendes Geschäft

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Fürs Schürfen virtueller Währungen sammelte die Firma Envion 100 Millionen Dollar ein. Ein Geschäft gab’s nie, das Geld ist weg. Nun klagen die Anleger.

Weiterer Streit ist dagegen schon sicher. Woestmann teilt mit, die Weigerung von Luckows Team, wichtige ICO-Daten herauszugeben, habe „letztlich zur Liquidierung der Gesellschaft geführt“. Die andere Seite schiebt die Schuld zurück. Woestmann habe einen „lang gehegten Masterplan“ zur Auflösung der Envion gehabt, sagt Luckow. „Wir werden unsererseits weiterhin die Liquidation mit allen Mitteln abwehren, da unser Konzept nach wie vor funktionieren würde.“

Der Züricher Gesellschaftsrechtler Urs Schenker hält dieses Unterfangen für fruchtlos. „Die Entwicklung der Firma ist außergewöhnlich schlecht. Envion blickt auf eine lange Geschichte an Organisationsmängeln zurück.“ Die Finanzaufsicht habe einen Untersuchungsbeauftragten ernannt. „Damit ist eine Liquidation unvermeidbar.“ Neben der fehlenden Revisionsstelle besitze Envion seit dem Rücktritt von Verwaltungsratspräsident Woestmann im Juli auch keinen einzigen Verwaltungsrat mehr.

Envion-Investoren, die auf eine Rückzahlung der Gelder hoffen, brauchen Geduld und starke Nerven. Eine Liquidation könne durchaus ein bis zwei Jahre dauern, sagt Schenker. Außerdem sei gar nicht klar, ob die Besitzer von Envion-Coins rechtlich als Gläubiger anzusehen sind. Ebenfalls problematisch: Mehrere Millionen der eingesammelten Gelder liegen nicht auf den Konten von Envion, sondern bei Luckows Firma in Berlin.

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