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28.10.2019

11:23

Virtueller Börsengang

Was Anleger im Envion-Skandal tun müssen, um ihr Geld zurückzubekommen

Von: Felix Holtermann, Sönke Iwersen

Das deutsche Krypto-Start-up Envion ist gescheitert. Die Schweizer Behörden rufen nun Anleger auf, sich für die Rückzahlung zu registrieren. Um wieviel Geld es genau ist, ist offen.

Envion-Skandal: So bekommen Anleger ihr Geld zurück Envion

Envion

Den Anlegern versprach das Start-up 161 Prozent Rendite.

Frankfurt/Düsseldorf Für Gläubiger des gescheiterten Krypto-Start-ups Envion drängt die Zeit. Das Konkursamt Zug ruft sie dazu auf, bis zum 28. November ihre Forderungen anzumelden. Das geht aus dem Schuldenruf hervor, den der Schweizer Liquidator in den vergangenen Tagen an zahlreiche Anleger versandt hat. Das Schreiben liegt dem Handelsblatt vor.

„Das ist ein sehr wichtiger Schritt für alle Envion-Anleger, die bisher nichts unternommen haben, um ihre Investitionen in den Envion ICO zurückzufordern“, erklärt Rechtsanwalt Istvan Cocron von der Berliner Kanzlei CLLB. Er vertritt mehr als 50 Investoren. Unter ICO, kurz für Initial Coin Offering, versteht man einen virtuellen Börsengang.

Entscheidend sei, dass die Anleger ihre Ansprüche nunmehr form- und fristgerecht anmelden, sagt Cocron. „Nur diejenigen Anleger, die ihre Forderungen auch rechtswirksam anmelden, nehmen an der späteren Verteilung des Erlöses der Konkursmasse der Envion AG teil.“

Das Konkursamt hat den Berner Rechtsanwalt Pablo Duc von der Kanzlei Wenger Plattner mit der Abwicklung des Verfahrens beauftragt. Auf der Internetseite www.envion-konkurs.ch können sich ausländische Anleger binnen Monatsfrist registrieren. Das Portal wurde am Montag freigeschaltet. Unterbleibt die Meldung, laufen Anleger Gefahr, bei der Liquidation der Envion AG leer auszugehen.

Die anstehende Rückabwicklung eines der größten virtuellen Börsengange der Welt dürfte sich zu einem Mammutverfahren auswachsen. Die Auszahlung Tausender geprellter Krypto-Investoren ist bislang ohne Beispiel.

Dem Handelsblatt liegt der Untersuchungsbericht der Schweizer Finanzaufsicht Finma zum Fall Envion vor. Dieser nennt neue Zahlen: Demnach hatten bis Ende Januar 2018 mehr als 37.000 Anleger mindestens 92,7 Millionen Schweizer Franken in Envion-Token investiert, was zum damaligen Umrechnungskurs einer Summe von rund 96,4 Millionen Dollar entsprach.

Das Geld hatten die Anleger dem Berliner Team hinter Envion zur Verfügung gestellt, um Kryptowährungen per Ökostrom zu produzieren. Im Gegenzug hatte Envion sogenannte EVN-Token ausgegeben, virtuelle Wertmarken. Der Plan scheiterte jedoch spektakulär: Das Team zerstritt sich, der Kurs der Token sank ins Bodenlose. Einen realen Geschäftsbetrieb hat die Firma nie entfaltet. Vor kurzem startete in Berlin die erste Zivilklage von Anlegern gegen einen Teil der Hintermänner des ICOs.

Verwahrte Millionenwerte

Wie viel Geld noch genau zu verteilen ist, ist offen. Der Untersuchungsbericht der Finma nennt verbliebene Mittel von insgesamt rund 51 Millionen Franken – nach aktuellem Wechselkurs gut 51 Millionen Dollar. Diese sind jedoch zum Teil in Kryptowährungen notiert und liegen auf verschiedenen Konten.

Bei der Erstellung des Berichts im Oktober 2018 lagen umgerechnet mehr als sechs Millionen Franken nicht auf den von der FINMA eingefrorenen Envion-Konten bei der Liechtensteiner Bank Frick, sondern in sogenannten Krypto-Wallets. Das sind virtuelle Geldbörsen, die von den „Foundern“, den Envion-Gründern um den Berliner Michael Luckow, verwaltet wurden.

Die Gründer liegen allerdings mit dem früheren Envion-CEO Matthias Woestmann über Kreuz. Wie das Branchenmagazin „Finance Forward“ am Donnerstag berichtete, ließ die Berliner Staatsanwaltschaft die Räume des Ex-CEO und die Kanzlei seines Beraters und Rechtsanwalts durchsuchen. Dabei seien Beweismittel gesichert worden, deren Auswertung andauere.

Die Schweizer Finanzaufsicht hatte den virtuellen Börsengang Envions im März 2019 für von Anfang an illegal erklärt. Die Macher hätten die Finanzierungsrunde „ohne finanzmarktrechtliche Bewilligung“ durchgeführt. Unter anderem erfüllten die Emissionsprospekte demnach die gesetzlichen Mindestanforderungen nicht.

Die Rückabwicklung des ICOs dürfte laut Insidern mindestens ein bis zwei Jahre dauern. Über die Hintergründe des Scheiterns streiten sich die Beteiligten in mehreren Verfahren vor Gericht. Ein Ende ist noch nicht absehbar.

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