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11.06.2019

14:01

Währungen

Chinesischer Yuan nähert sich dem tiefsten Stand seit der Finanzkrise

Von: Jakob Blume

Wegen des Handelsstreits zwischen den USA und China schwächt sich der Yuan gegenüber dem Dollar weiter ab – und nähert sich einer gefährlichen Marke.

Die Marke von sieben Yuan pro Dollar gilt als entscheidend an den Finanzmärkten. Reuters

Chinesische Banknoten

Die Marke von sieben Yuan pro Dollar gilt als entscheidend an den Finanzmärkten.

Frankfurt Die Schwäche der chinesischen Währung Yuan hält an. Diesen Dienstag sank die Währung der weltgrößten Volkswirtschaft gegenüber dem Dollar auf 6,93. Damit nähert sich der Yuan der Marke von sieben Dollar – einem Wert, den die kontinentalchinesische Währung zuletzt während der Finanzkrise im Jahr 2008 erreicht hatte.

Seit der Eskalation im Handelsstreit mit den USA ist der Yuan unter Druck geraten. Gegenüber dem Dollar hat er sich seit Jahresbeginn von 6,65 auf 6,9 Yuan abgeschwächt. Diesen Dienstag drückten Spekulationen, die chinesische Zentralbank könne die Marke von sieben Dollar aufgeben, weiter auf den Wechselkurs.

Üblicherweise wacht die chinesische Zentralbank PBoC darüber, dass sich der Yuan in einem engen Band gegenüber dem Dollar bewegt. Doch kürzlich hatte der chinesische Notenbankgouverneur, Yi Gang, eine gelockerte Geldpolitik in Aussicht gestellt. Er sagte in einem Interview mit Bloomberg, dass es für den Wechselkurs des Yuan „keine rote Linie“ gebe. An den Märkten gilt beim Wechselkurs die Marke von sieben Yuan für einen US-Dollar als entscheidend.

Die chinesische Notenbank hat diese Marke bereits mehrmals verteidigt – zum Beispiel 2016 und im Sommer 2018, als der Yuan besonders unter Druck stand. „Die Marke von sieben Yuan pro Dollar hat eine wichtige psychologische Bedeutung“, sagt Commerzbank-Devisenexpertin Esther Reichelt. „Falls sie fällt, könnte es eine stärkere Abwärtsdynamik geben.

Zuletzt hatten die USA im Streit um hohe chinesische Handelsüberschüsse auch das Währungsmanagement der Chinesen in den Fokus gerückt. Finanzminister Steve Mnuchin sagte kürzlich, dass Währungspolitik ein wichtiges Instrument sein könne, um Handelsüberschüsse anderer Länder abzubauen.

Vorwurf der Manipulation

Die USA werfen China seit langem vor, den Wechselkurs des Yuan zum Dollar künstlich niedrig zu halten, um der chinesischen Exportwirtschaft gegenüber der Konkurrenz aus den USA einen Vorteil zu verschaffen. Doch auch die Aussagen von Mnuchin, die als Drohung den Dollar zu schwächen gedeutet wurden, konnte der Abwertung des Yuan gegenüber der US-Währung bislang nicht stoppen.

Allerdings hat China aus Sicht von Xueming Song, Volkswirt beim Vermögensverwalter DWS, kein Interesse an einer Yuan-Abwertung. Zwar würde dies der Exportwirtschaft helfen. Doch Xueming Song sagt: „Allein eine mögliche Kapitalflucht wie 2015 und die Initiativen Belt and Road und Shanghai Cooperation, bei welchen China das Ausland auch mit einer starken Währung locken muss, sprechen gegen einen Abwertungswunsch.“

Zudem vertrage sich Chinas Selbstverständnis als USA-Herausforderer und als Heimatland einer ernstzunehmenden Weltwährung nicht mit einem schwachen Yuan. Ein Zeichen dafür ist dem DWS-Experten zufolge, dass China zuletzt in größerem Umfang US-Staatsanleihen verkauft hat. Wenn die chinesische Zentralbank Wertpapiere in US-Dollar verkauft und dafür Heimatwährung kauft, sollte dies eigentlich den Kurs stärken.

Riskantes Spiel

Auch die Devisenexperten der ING Bank erwarten nicht, dass China den Yuan über den Wechselkurs von sieben Yuan pro Dollar springen lässt. Das wäre ein „Spiel mit dem Feuer“, schreiben sie in einer Analyse. Ein so schwacher Yuan könne Chaos an den Börsen Kontinentalchinas auslösen und die Volatilität am den Märkten steigen lassen.

Eine überraschende Freigabe des Yuan hatte im Jahr 2015 einen Crash an den chinesischen Aktienmärkten ausgelöst. Doch im Handelsstreit mit den USA sei die chinesische Führung um Stabilität bemüht, so die ING-Analysten weiter.

Hao Zhou, Devisenexperte der Commerzbank, ergänzt: „Für viele Schwellenländer wie China besteht das Risiko einer unkontrollierbaren Abwertung und Kapitalabflüssen.“ Die Nachteile eines solchen Abrutschen des Yuan überwiegen daher aus seiner Sicht die Vorteile, die eine schwache Währung für die Exportwirtschaft bringt.

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