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21.01.2022

14:08

Rohstoffe

Edelmetalle trotzen der Zinswende: Goldpreis erreicht den höchsten Stand seit November

Von: Jakob Blume

Profi-Investoren in den USA lassen sich auch von steigenden Anleiherenditen nicht abschrecken. Von dem neuen Interesse an Gold profitiert auch Silber.

Der Preis des Edelmetalls trotzt den Zinssorgen. AFP

Goldbarren

Der Preis des Edelmetalls trotzt den Zinssorgen.

Zürich Obwohl Anleger eine immer striktere Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve erwarten, erfreut sich Gold neuer Beliebtheit. Der Preis für das Edelmetall notierte am Donnerstag bei rund 1840 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm). Das ist der höchste Wert seit November vergangenen Jahres.

Craig Erlam, Marktanalyst beim Brokerhaus Oanda, leitet daraus weiteres Aufwärtspotenzial für den Goldpreis ab. Das Edelmetall habe die aus technischer Sicht wichtige Marke von 1833 Dollar übersprungen, die in den vergangenen sechs Monaten „ein erstaunlich starker Widerstand war“.

Sollte sich der Goldpreis oberhalb dieses Niveaus einpendeln, seien die Chancen auf weitere Preissteigerungen gut, so Erlam. Das Edelmetall könnte in Richtung der runden Marke von 1900 Dollar pro Unze steigen und aus einer seit zwölf Monaten anhaltenden Seitwärtsbewegung ausbrechen.

Der zaghafte Aufschwung am Goldmarkt ist umso überraschender, da auch die Nominalzinsen dies- wie jenseits des Atlantiks steigen. Im Euro-Raum stieg die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe kürzlich erstmals seit drei Jahren wieder in den positiven Bereich. In den USA legte die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen von 1,4 Prozent vor vier Wochen auf aktuell rund 1,8 Prozent zu.

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    Dahinter steht die Überzeugung vieler Investoren, dass die Federal Reserve bereits im März damit beginnen könnte, die Zinsen anzuheben. Im Durchschnitt erwarten die Investoren in diesem Jahr vier Zinsschritte in den USA. Steigende Nominalzinsen gelten üblicherweise als Dämpfer für den Goldpreis. Anleihen werden für Investoren im Vergleich zu Gold attraktiver, da das Edelmetall keine Zinsen abwirft.

    Grafik

    Diese Zinsentwicklung hingegen belastet den Goldpreis nicht. Der jüngste Preisimpuls sei US-Investoren zu verdanken, die wieder Geld in physisch gedeckte Goldindexfonds leiten, beobachtet Daniel Briesemann, Rohstoffexperte der Commerzbank. Allein am Mittwoch stockten die Anbieter von Gold-ETFs, die den Edelmetallpreis eins zu eins nachbilden, ihre Goldreserven um neun Tonnen auf, getrieben von Mittelzuflüssen.

    Von dem neuen Investoreninteresse an Gold profitierte auch Silber: Das Edelmetall notiert derzeit deutlich über 24 Dollar pro Feinunze, nachdem der Preis in der ersten Januarwoche auf 22 Dollar abgerutscht war. Mit einem Plus von fast neun Prozent seit Anfang Januar hat Silber gegenüber Gold deutlich aufgeholt.

    Dadurch hat sich auch das am Markt vielbeachtete Gold-Silber-Verhältnis zugunsten von Silber verschoben. Erhielten Investoren Mitte Dezember für eine Unze Gold noch 82 Unzen Silber, sind es nun nur noch 76. Beide Edelmetalle werden von Investoren als Inflationsschutz geschätzt – sie positionieren sich offenbar für weitere unangenehme Überraschungen bei der Teuerungsrate.

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