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27.06.2022

11:57

Schulden

Wo bleiben die Zinsen aus Moskau? Russland nähert sich dem Zahlungsausfall

Mehrere Investoren beklagen fehlende Zinszahlungen für russische Staatsanleihen. Am Sonntag lief eine Frist zur Überweisung von 100 Millionen Dollar ab.

Russland kann seine Auslandsschulden nicht begleichen. dpa

Russische Zentralbank

Russland kann seine Auslandsschulden nicht begleichen.

London Russland nähert sich der ersten Pleite seit der bolschewistischen Revolution vor mehr als 100 Jahren. Mehrere Investoren in Taiwan beklagten am Sonntagabend, bislang keine der vereinbarten Zinszahlungen für ihre russischen Staatsanleihen erhalten zu haben. Das erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Zuvor war bereits eine Schonfrist abgelaufen.

Früheren Angaben von Juristen zufolge ist jedoch unklar, ob die Frist für die Regierung in Moskau schon am Sonntag endete oder erst mit Ende des drauffolgenden ersten Arbeitstages. Für die US-Regierung steht fest, dass es sich um einen Zahlungsausfall handelt. „Die Nachrichten von heute Morgen über die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit Russlands - der ersten seit mehr als einem Jahrhundert – zeigen, wie stark die Maßnahmen sind, die die USA zusammen mit ihren Verbündeten und Partnern ergriffen haben“, sagte ein US-Regierungsvertreter am Rande des G7-Gipfels in Deutschland. Die Folgen für die russische Wirtschaft seien „dramatisch“.

Diese Zahlungsprobleme waren absehbar. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte die US-Regierung ihren Banken entsprechend den am 24. Februar erhobenen Sanktionen verboten, Überweisungen des russischen Staates auszuführen.

Drohender Zahlungsausfall: Sanktionen hindern Russland

„Der Zahlungsausfall liegt also nicht daran, dass Russland nicht zahlen will, sondern aufgrund der Sanktionen dazu nicht in der Lage ist“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zu Reuters. „Russland ist von dem Zahlungsausfall nicht sonderlich betroffen, weil es traditionell und auch zur Zeit Leistungsbilanzüberschüsse aufweist und insofern nicht auf ausländisches Kapital angewiesen ist“, fügte er mit Blick auf die hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft hinzu. Die Preise hatten Rekordhöhen erreicht, wovon Moskau profitiert.

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    Die russische Regierung bestreitet den Vorwurf. In einem Telefonat mit Reportern sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow am Montag, Russland habe die im Mai fälligen Anleihezahlungen geleistet. Die Tatsache, dass sie vom Clearinghaus Euroclear wegen der westlichen Sanktionen gegen Russland blockiert worden seien, sei „nicht unser Problem“.

    Schonfrist für Russland ist abgelaufen

    Am Sonntag lief eine Frist zur Zahlung von 100 Millionen Dollar an Zinsen für zwei Fremdwährungsanleihen aus – 29 Millionen für eine auf Euro und bis 2036 laufende Staatsanleihe und 71 Millionen Dollar für ein bis 2026 laufendes Papier in Dollar.

    Eigentlich sollte Russland die Zahlungen bereits am 27. Mai leisten, was jedoch nicht geschah. Daraufhin setzte eine Schonfrist von 30 Tagen ein, die nun endete. Da im Anleiheprospekt keine genaue Frist angegeben ist, halten es die Anwälte für möglich, dass Russland noch bis Montagabend Zeit habe, um seine Gläubiger zu bedienen.

    Allerdings gibt es aktuell kaum Anzeichen dafür gab, dass die Investoren ihr Geld bekommen. Zwar sitzt Moskau auf milliardenschweren Devisenreserven, weshalb die Zahlungen für ausstehende Anleihen in Höhe von insgesamt 40 Milliarden Dollar eigentlich problemlos geleistet werden könnten. Doch die Sanktionen verhindern dies. Der Westen wird deshalb vom Kreml beschuldigt, das Land in eine künstliche Zahlungsunfähigkeit treiben zu wollen.

    Was kurzfristige neue Kreditaufnahmen Russlands angeht, wäre ein formeller Zahlungsausfall zwar weitgehend symbolisch, da Moskau derzeit ohnehin keine internationalen Kredite aufnehmen kann und dies dank der reichen Öl- und Gaseinnahmen auch nicht muss. Aber das Stigma würde seine Kreditkosten in Zukunft wahrscheinlich erhöhen – und das auch noch in vielen Jahren. „Von einer Staatspleite dürfte Russland allerdings noch weit entfernt sein“, sagte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets.

    Russland: Zahlungen von Schulden an Gläubiger unwahrscheinlich

    „Bis Wladimir Putin die weiße Flagge in Sachen Finanzierung hissen muss, dürfte aufgrund der weiter sprudelnden Einnahmen aus dem Energiegeschäft noch einige Zeit vergehen.“ Nach Angaben des Finanzministeriums in Moskau hat Russland die Zahlungen für die genannten Anleihen in Euro und Dollar an seinen zentralen Wertpapierverwahrer NSD geleistet.

    Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass die Gelder ihren Weg zu den vielen internationalen Inhabern finden werden. Für viele Anleihegläubiger stellt die nicht rechtzeitige Überweisung des geschuldeten Geldes auf ihre Konten einen Zahlungsausfall dar.

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