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11.07.2019

15:22

Sitzungsprotokolle

EZB-Rat zu weiterer Lockerung der Geldpolitik bereit, um Inflation anzuschieben

Von: Jan Mallien

Auf ihrer Sitzung hat die Notenbank über weitere Optionen zur Lockerung ihrer Geldpolitik diskutiert. Doch ob die Mittel greifen, um die Inflation anzuschieben, ist umstritten.

Die Notenbank könnte bald ihre Geldpolitik lockern. dpa

Europäische Zentralbank (EZB)

Die Notenbank könnte bald ihre Geldpolitik lockern.

FrankfurtDie Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank haben auf ihrer Sitzung im Juni über weitere Optionen zur Lockerung der Geldpolitik diskutiert. „Es gab breite Übereinstimmung, dass der Rat angesichts der hohen Unsicherheit bereit sein muss, die Geldpolitik nötigenfalls weiter zu lockern“, heißt es im Protokoll der Sitzung. Möglich seien weitere Anpassungen des geldpolitischen Ausblicks, die Wiederaufnahme der Nettoanleihekäufe und weitere Zinssenkungen.

Sorge bereitet den Notenbankern die hohe Unsicherheit, die aus ihrer Sicht die Wachstumsaussichten immer stärker beeinträchtigt. Insgesamt hätten externe Risikofaktoren zugenommen oder werden erwartet. Das gilt vor allem für den Handelskonflikt zwischen den USA und China, aber auch für den Brexit.

„Die anhaltende Unsicherheit und die Handelskonflikte wirken sich negativ auf die internationale Produktion und die Lieferketten aus. Sie beinträchtigen wahrscheinlich die Investitionspläne“, heißt es dazu.

Zuletzt hatte EZB-Präsident Mario Draghi in seiner Rede auf der Notenbankkonferenz im portugiesischen Sintra signalisiert, dass die Notenbank ihre Geldpolitik bald lockern könnte. Dabei verwies er auf die Möglichkeit einer Zinssenkung oder die mögliche Wiederaufnahme der Anleihekäufe – seit Jahresbeginn ersetzt die EZB nur noch auslaufende Papiere. Viele Ökonomen rechnen bereits mit einer baldigen Zinssenkung.

Aktuell liegt der Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von null Prozent. Der derzeit für die Geldpolitik entscheidende Einlagensatz sogar bei minus 0,4 Prozent. Mit der lockeren Geldpolitik will die EZB die Inflation anschieben. Die Notenbank strebt mittelfristig für den Euro-Raum eine Inflation von knapp unter zwei Prozent an, die sie als optimal für die Wirtschaft ansieht. Dieses Ziel verfehlt sie jedoch seit Jahren.

Höhere Löhne führen nicht zwangsläufig zu höheren Preisen

Angesichts der schwächelnden Wirtschaft gibt es jedoch Zweifel, ob die Inflation im Euro-Raum auf absehbare Zeit das von der EZB angestrebte Niveau erreicht. In den vergangenen Monaten sind die Inflationserwartungen im Euro-Raum deutlich gefallen. Notenbanker achten stark darauf, weil die tatsächliche Preissteigerung häufig den Erwartungen folgt.

Ende vergangenen Jahres noch war die EZB davon ausgegangen, dass die Inflation im Euro-Raum vor allem dank der höheren Lohnentwicklung in Ländern wie Deutschland kontinuierlich steigt.

Das Problem ist jedoch, dass die Unternehmen höhere Lohnkosten derzeit kaum über höhere Preise an die Verbraucher weiterreichen. Dies hängt aus Sicht des Rates unter anderem mit einer schwächeren Nachfrage zusammen und damit, dass die Unternehmen aktuell wegen der hohen Unsicherheit sehr vorsichtig sind. Es könne sein, dass sich höhere Löhne eine Zeit lang nicht in höheren Preisen niederschlagen, heißt es dazu im Protokoll.

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