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25.01.2022

12:04

Steuererklärung

Krankenkassen-Bonus 2022: Das gilt für die Steuer

Von: Laura de la Motte

Viele gesetzliche Krankenkassen bieten Prämien an, die zum Teil versteuert werden müssen. Jetzt wurde ein Freibetrag von 150 Euro eingeführt. Wann der Fiskus noch unterstützt.

Viele gesetzliche Krankenkassen fördern die Mitgliedschaft in einem Sportstudio durch einen Bonus. Stone/Getty Images

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Viele gesetzliche Krankenkassen fördern die Mitgliedschaft in einem Sportstudio durch einen Bonus.

Frankfurt Neun Euro für eine Coronaimpfung, für Blutdruck und Gewicht im Normalbereich plus Mitgliedschaft im Fitnessstudio gibt es 30 Euro. Das sind Beispiele aus dem Bonusprogramm der Barmer.

Die meisten gesetzlichen Krankenkassen bieten ihren Mitgliedern einen finanziellen Anreiz für gesundheitsbewusstes Verhalten. Teilweise über 300 Euro an Bonuszahlungen können die eifrigsten Versicherten einstreichen.

Hinzu kommt, dass einige Kassen in guten Jahren, in denen sie einen Prämienüberschuss erwirtschaftet haben, ihren Mitgliedern eine Dividende auszahlen. Doch Vorsicht – für all diese Zahlungen interessiert sich auch das Finanzamt. Sie müssen unter Umständen versteuert werden.

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    Grundsätzlich können Steuerzahler ihre Beiträge zur Krankenversicherung – egal ob gesetzlich oder privat – in der Steuererklärung als Sonderausgaben angeben. Dadurch sinkt das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerlast. Eine Beitragsrückerstattung muss jedoch von den Sonderausgaben abgezogen werden, wodurch sich die Steuerlast entsprechend weniger stark reduziert.

    Entscheidender Unterschied: Beitragsrückerstattung oder Kostenerstattung

    Der Bundesfinanzhof hatte bereits 2020 (X R 16/18 u. X R 30/18) entschieden, dass es bei der steuerlichen Betrachtung darauf ankomme, ob der Versicherte einen finanziellen Aufwand hatte, um den Bonus zu erhalten.

    Das heißt: Hatte der Versicherte keine Ausgaben, um die Prämie zu erhalten, handelt es sich um eine Beitragsrückerstattung. Die Sonderausgaben müssen folglich um die Prämie gekürzt werden.

    Ist dem Versicherten hingegen zuvor ein Aufwand entstanden, liegt eine sogenannte Kostenerstattung vor. Die eigenen Aufwendungen können als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden. Hier muss eine Kostenerstattung indes abgezogen werden.

    Seither konnten sich Steuerpflichtige auf diese Urteile berufen und Einspruch gegen ihren Steuerbescheid einlegen, wenn die Finanzämter die Unterscheidung noch nicht vorgenommen hatten. Mit dem BMF-Schreiben sind die Finanzämter nun angewiesen, das BFH-Urteil in der Praxis umzusetzen.

    Dividende gilt steuerrechtlich als zurückgezahlter Beitrag

    Eine Beitragsrückerstattung gibt es meist in Form einer Prämie dafür, dass der Versicherte Gesundheitsmaßnahmen innerhalb des Basiskrankenversicherungsschutzes in Anspruch nimmt. Das können etwa Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, Schutzimpfungen oder Zahnvorsorgeuntersuchungen sein. Auch gesundheitsbewusstes Verhalten wie ein gesundes Körpergewicht oder der Nichtraucherstatus zählen dazu.

    All diese Fälle haben gemeinsam, dass der Versicherte keinen finanziellen Aufwand hat. Damit muss ein gewährter Bonus von den gezahlten Krankenkassenbeiträgen bisher bei den Sonderausgaben vollständig abgezogen werden.

    Gleiches gilt, wenn die Krankenkasse am Jahresende Gewinne erwirtschaftet hat und ihren Mitgliedern eine Dividende ausschüttet. „Die Dividende gilt steuerrechtlich als zurückgezahlter Beitrag“, betont die Vereinigte Lohnsteuerhilfe (VLH).

    150 Euro Freibetrag bei Bonuszahlungen

    Die ersten 150 Euro der Bonuszahlungen werden aus Vereinfachungsründen als Leistungen der gesetzlichen Krankenkasse eingeordnet, so dass keine Minderung des Sonderausgabenabzugs in dieser Höhe erfolgt, teilte das BMF nun mit. „Erst wenn die Bonuszahlungen diesen Betrag übersteigen, liegt in Höhe des übersteigenden Betrags eine Beitragsrückerstattung vor, die den Sonderausgabenabzug mindert“, erklärt Jana Bauer vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

    Bei einer Kostenerstattung dagegen schüttet die Krankenversicherung indes einen Bonus dafür aus, dass der Versicherte Gesundheitsmaßnahmen außerhalb des Basiskrankenversicherungsschutzes in Anspruch nimmt.

    Das können zum Beispiel eine Glaukom-Untersuchung, ein PSA-Test, eine Osteopathie-Behandlung oder eine professionelle Zahnreinigung sein. Auch gesundheitsfördernde Maßnahmen wie die Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder Sportverein können honoriert werden.

    Dabei hat der Versicherte einen eigenen finanziellen Aufwand, den die Krankenkasse durch den Bonus abfedert. In der Steuererklärung müssen die Sonderausgaben nicht um diesen Bonus reduziert werden. Gut zu wissen: „Eine pauschale Bonusleistung muss die tatsächlich entstandenen Kosten nicht exakt abdecken“, schreibt das BMF.

    Behandlungskosten als außergewöhnliche Belastung

    Deckt der Bonus der Krankenkasse den selbst getragenen Aufwand nicht ab, kann der Fiskus sogar helfen. Während die Krankenkassenbeiträge in der Steuererklärung zu den Sonderausgaben zählen, können viele selbst getragene Gesundheitskosten als außergewöhnliche Belastung angesetzt werden. Auch außergewöhnliche Ausgaben senken – sofern ein zumutbarer Eigenanteil überschritten wurde – das zu versteuernde Einkommen und damit die Steuerlast.

    Wichtig dabei ist jedoch, dass die Gesundheitsbewussten eine etwaige Kostenerstattung durch die Krankenkasse von ihrem Eigenbeitrag in der Steuererklärung abziehen und nur den ihnen tatsächlich entstandenen Aufwand angeben.

    In Zahlen ausgedrückt: Krankenkassen-Bonus versteuern

    Ein Beispiel: Eine Steuerzahlerin zahlt pro Jahr 900 Euro an Krankenkassenbeiträgen. Für Impfungen und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen erhält sie einen Bonus von 200 Euro. Außerdem geht sie dreimal zum Osteopathen. Von der Rechnung in Höhe von 270 Euro erstattet ihre Kasse 120 Euro.

    In der Steuererklärung muss sie die Beitragsrückerstattung ihrer Krankenkasse von den Beiträgen abziehen, darf dabei nun aber den Freibetrag von 150 Euro berücksichtigen. Statt 200 Euro muss sie also nur 50 Euro angeben. Ihre Sonderausgaben betragen folglich 900 Euro - 50 Euro = 850 Euro. Zusätzlich kann sie 270 Euro vermindert um die Kostenerstattung von 120 Euro, also 150 Euro, als außergewöhnliche Belastung geltend machen.

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