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27.02.2023

09:45

online anzeige polizei dpa

Prozess wegen Betrugs

Lesen Sie hier, Wie Sie online Anzeige erstatten.

Betrug im Internet

So erstatteten Sie online Anzeige

Betreiber und Kunden von Shops im Internet werden immer häufiger Opfer von Betrug. Strafanzeige können sie dann auch online stellen. Worauf es dabei ankommt.

Mehr als jeder vierte Deutsche wurde bereits einmal Opfer von Kriminalität im Internet. Zu diesem Ergebnis kommt das „Digitalbarometer 2022“ des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik. 25 Prozent der Teilnehmer der Umfrage wurde dabei jüngst von Onlinehändlern betrogen. Doch auch Betreiber von Shops im Internet werden immer häufiger von Kunden betrogen. Ihnen gehen dadurch bis zu zehn Prozent ihres Umsatzes im Jahr verloren, ergab eine Studie des Anbieters von Lösungen zur Prävention von Betrug, Riskified.

Betrug ist eine komplexe Straftat 

Betrug begeht nach Paragraf 263 Strafgesetzbuch (StGB), wer sich selbst bereichert, indem er andere „durch Vorspiegelung falscher oder durch Unterdrückung wahrer Tatsachen“ dazu bringt, ihm einen Teil ihres Vermögens abzugeben. Die Straftat setzt also sowohl eine Täuschungshandlung des Betrügers als auch eine Verfügung – beispielsweise eine Überweisung – des Opfers über sein oder ihr Vermögen voraus.

Laut StGB stehen darauf eine Geldstrafe oder bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug – in schweren Fällen sogar bis zu zehn Jahre. Schwerer Betrug liegt unter anderem dann vor, wenn der Täter „gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande“ oder in „der Absicht handelt, durch die fortgesetzte Begehung von Betrug eine große Zahl von Menschen in die Gefahr des Verlustes von Vermögenswerten zu bringen“.

Eine Straftat lässt sich auch online anzeigen

Egal ob als Käufer oder Verkäufer, wer glaubt, im Internet Opfer eines Betrugs geworden zu sein, sollte sich an die Polizei wenden. Anzeige kann er inzwischen in allen Bundesländern auch online erstatten. Wer meint, geschädigt worden zu sein, sollte allerdings nicht vorschnell Strafanzeige erstatten. Denn eine Anzeige lässt sich nicht zurückziehen.

Wer sie zu Unrecht erstattet, macht sich allerdings selbst strafbar. Zugleich lässt sich schon bei einem einfachen Betrug im Internet nicht immer beweisen, dass alle Merkmale des strafrechtlichen Tatbestands erfüllt sind.

Vor einer Anzeige immer erst den Verkäufer um eine schriftliche Stellungnahme bitten

Wer als Käufer Anzeige gegen einen Onlinehändler erstatten möchte, sollte diesen daher zunächst auffordern zu erklären, weshalb eine Bestellung nicht angekommen ist oder statt der bestellten Ware ein billigeres Fake-Produkt geliefert wurde. Eine Strafanzeige ist erst angebracht, wenn der Vertragspartner auf diese Anfrage nicht reagiert oder er den Vorwurf nicht entkräften kann.

Geschädigte sollten sich dabei immer schriftlich an den Händler wenden und auch von diesem nur eine schriftliche Antwort akzeptieren. Nur so haben sie im Fall einer späteren gerichtlichen Auseinandersetzung einen verwertbaren Beweis in der Hand.

Nicht immer liegt es am Verkäufer, wenn ein Paket nicht ankommt

Zugleich sollten Käufer überprüfen, ob der Mitarbeiter des Lieferdiensts ihr Paket eventuell bei einem Nachbarn abgegeben, es in ihrer Garage oder vor ihrer Haustür abgestellt hat. Ist es von dort abhandengekommen oder hat es der Nachbar unterschlagen, ist der Tatbestand des Betrugs nicht erfüllt. Eine Strafanzeige scheidet aus. Allerdings muss im Zweifel der Händler beweisen, dass seine Lieferung zugestellt wurde.

Vor einer Onlineanzeige den Rat der Polizei einholen

Wer sich nicht sicher ist, ob er wirklich betrogen wurde, sollte den Sachverhalt in einem Telefonat mit der Polizei oder auf der Wache klären, bevor er Strafanzeige erstattet. Wenn die Polizei die Anzeige nicht gleich bei dem Gespräch aufnimmt, lässt diese sich im Nachgang auch online von zu Hause aus erstatten. Dazu sind keine bestimmte Form und keine Fristen einzuhalten.

Eine Straftat lässt sich erst dann nicht mehr anzeigen, wenn sie verjährt ist. Nach Paragraf 78 StGB ist dies bei einfachem Betrug (bis zu fünf Jahre Freiheitsentzug) nach fünf Jahren, in schweren Fällen nach zehn Jahren der Fall.

Beantworten Sie bei Onlineanzeige alle Fragen möglichst detailliert

Wer auf der „Onlinewache“ eines Bundeslands Anzeige erstattet, muss seine korrekten Kontaktdaten, sein Geburtsdatum und seinen Geburtsort sowie eine Telefonnummer für Rückfragen angeben. Außerdem ist zu beantworten, was wann wo und wie passiert ist und wer geschädigt wurde. Denn eine Straftat kann nicht nur das Opfer selbst anzeigen. Bei Betrug im Internet ist die Frage nach dem Ort der Tat durch die Angabe der Webadresse des Onlineshops, im Idealfall sogar mit dessen sowie sicherheitshalber der IP-Adresse des eigenen Rechners zu beantworten.

Als Beweise für den Betrug lassen sich Kaufverträge und Fotos hochladen

Wie bei einer auf einer stationären Wache erstatteten Anzeige wird die Polizei auch online nach der Höhe des Schadens fragen. Um das zu beantworten und zu beweisen, können Geschädigte bei einer Onlineanzeige Kaufverträge, Fotos und andere Nachweise hochladen.

Nach Abschluss der Eingabe bekommen sie ein Aktenzeichen. Die Polizei übermittelt die Anzeige und die Beweise an die Staatsanwaltschaft. Diese prüft, ob sie Anklage erhebt oder das Verfahren einstellt.

Halten Sie sich für Rückfragen zur Verfügung

Um dies entscheiden und eventuell noch offene Fragen klären zu können, wendet sich unter Umständen ein Sachbearbeiter der Staatsanwaltschaft an den Bürger, der die Anzeige gestellt hat.

Egal, ob es zur Anklage kommt oder die Behörde das Verfahren einstellt, in jedem Fall informiert sie darüber die Person, die die Anzeige erstattet hat. Erfahrungsgemäß dauert dies bei online erstatteten Anzeigen jedoch länger als bei der persönlichen Anzeige auf der Wache.

Erstveröffentlichung: 1. Februar 2022, 14:45

Von

Gerd Mischler

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