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13.10.2022

16:59

Score-Simulator der Schufa

Wie gut ist meine Bonität? Die Schufa macht das bald für alle transparent

Von: Frank Matthias Drost

Wer einen Kredit will, braucht gute Bonität. Banken bekommen solche Informationen von der Schufa. Verbraucher können bald herausfinden, was dort über sie gespeichert ist.

Die Schufa-Chefin will die Wirtschaftsauskunftei erklärbar machen.

Tanja Birkholz

Die Schufa-Chefin will die Wirtschaftsauskunftei erklärbar machen.

Berlin Es ist ein überfälliger Schritt: Die Schufa will nach langem Druck transparenter werden und hat dafür am Donnerstag ihren Score-Simulator vorgestellt. Mithilfe dieses Simulators können Verbraucherinnen und Verbraucher kostenlos nachvollziehen, wie die Schufa die Bonität von Kunden misst. Dabei müssen beispielsweise Fragen zum Girokonto, zu Kreditkarten und Krediten beantwortet werden. Klar wird dabei auch, wie Verbraucher ihre Kreditwürdigkeit verbessern können.

Die vom Score-Simulator ermittelte Bonität wird in einem Score, also einem Zahlenwert, zusammengefasst und soll recht nah an dem Basis-Score sein, den die Schufa selbst ermittelt. Schufa-Chefin Tanja Birkholz sieht diesen Score-Simulator, der live geschaltet ist, als ersten Schritt, die Schufa „erklärbar“ zu machen. „Wir haben in der Vergangenheit nie die Kommunikation auf Augenhöhe gesucht“, räumt die ehemalige Risikomanagerin der Commerzbank ein, die die Schufa seit Mitte 2020 führt.

Es sei ihr ein persönliches Anliegen, das zu ändern. Schließlich sei die Schufa ein Mittler zwischen Verbrauchern und Unternehmen von erheblicher Relevanz. Täglich erhält die Auskunftei 300.000 Bonitätsanfragen. Im kommenden Jahr sollen Verbraucherinnen und Verbraucher mittels einer App zudem die Möglichkeit haben, kostenlos auf ihre Daten zuzugreifen und sie zu ergänzen, so Birkholz.

Ohne private Auskunfteien wie die Schufa läuft in der Wirtschaft wenig. Beantragen Verbraucher beispielsweise einen Ratenkredit, holen sich Banken bei der Schufa Informationen über die Bonität des Kunden.

Mittels der bei der Schufa gesammelten Informationen gibt die Auskunftei eine Prognose ab, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es in der Zukunft zu Zahlungsstörungen kommt. Das passiert mithilfe eines sogenannten Scores. Je höher der Banken-Score ist, desto geringer wird das Risiko eines Ausfalls gesehen. Scores gibt es auch für andere Branchen, allerdings ist der Bankenscore der mit Abstand bedeutendste.

90 Prozent der Informationen positiv

Für viele Verbraucher und Verbraucherinnen ist die Tätigkeit der Schufa bislang ein schwarzes Loch. Experten wie Professor Gert Wagner, Mitglied im Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, haben der Schufa stets zu mehr Transparenz geraten. Das würde ihre Akzeptanz in der Gesellschaft erhöhen. Tabu bleibt allerdings der Schufa-Algorithmus zur Berechnung der Kreditwürdigkeit. Rechtliche Rückendeckung für die Verschwiegenheit bekam die Schufa dabei vom Bundesgerichtshof.

Die Schufa betont, dass rund 90 Prozent der bei ihnen gespeicherten Informationen positiv sind. Dazu gehört vertragsmäßiges Verhalten bei Girokonten, Kreditkarten, Raten- und Immobilienkredite. Weiche Negativinformationen sind beispielsweise angemahnte und unbestrittene Forderungen, ein Verbraucherinsolvenzverfahren ist eine harte Negativinformation.

Dennoch stellt sich die Frage, wie die Schufa zu ihren Einschätzungen kommt. Ein paar Einblicke gewährt die Auskunftei. Beispielsweise ist empirisch bewiesen, dass das Zahlungsausfallrisiko bei Kunden, die fünf und mehr Kredite haben, signifikant höher ist als bei Verbrauchern, die höchstens zwei Kredite bedienen.

Wovon der Score abhängt

Das darf allerdings nicht zu dem Schluss führen, dass Personen ohne Kredithistorie per se einen höheren Score-Wert erhalten als welche mit. Eröffnen junge Menschen ein Konto, liegen noch keine Zahlungs- oder Rückzahlungsinformationen vor. Daher dürfte der Score im Mittelfeld liegen.

Erst wenn der Kunde im Zeitverlauf beweist, dass er verantwortungsvoll mit dem Konto umgeht, es beispielsweise nicht regelmäßig überzieht, steigt der Score. Häufige Umzüge verschlechtern tendenziell die Bonität. Dabei wird nicht berücksichtigt, dass ein arbeitsbezogener Umzug das Einkommen des Verbrauchers steigern könnte.

Die Schufa liefert Banken, Telekommunikationsunternehmen, dem Handel und anderen Branchen wichtige Informationen über die Kunden. „Wir sind aber nur ein Puzzleteil, Unternehmen haben noch andere Möglichkeiten, die Bonität zu testen und eine finale Entscheidung zu treffen“, so Birkholz.

Daten können länger gespeichert werden

Scores können von Banken zudem unterschiedlich beurteilt werden. Das hängt von der Risikopolitik der Unternehmen ab. Bei einigen ist das Interesse an einem höheren Risiko größer, weil im Gegenzug dabei höhere Gewinnmargen winken.

Ein Vorhaben der Schufa dürften Verbraucherschützer mit Argusaugen verfolgen. Die Schufa möchte Menschen künftig die Möglichkeit geben, Daten, die den Score verbessern, freiwillig länger bei ihr zu speichern. Derzeit werden Kredite, die pünktlich bedient und abbezahlt wurden, nach drei Jahren im Schufa-Datenbestand gelöscht.

Aber diese Löschung könnte zu einer Verschlechterung des Scores führen. „Mit expliziter Genehmigung des Kunden könnten wir Daten länger speichern, was positive Auswirkungen auf ihren Scorewert haben würde“, so Birkholz. Prinzipiell sollen die Verbraucher auch die Möglichkeit haben, der Schufa Kontoeinblick zu gewähren.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

14.10.2022, 10:54 Uhr

„Wer einen Kredit will, braucht gute Bonität. Banken bekommen solche Informationen von der Schufa. Verbraucher können bald herausfinden, was dort über sie gespeichert ist.“

Herr Drost, Sie informieren Ihre Leser falsch; das Gegenteil ist der Fall und zwar deshalb: Der Score-Simulator ist ein Spielzeug und bringt im Einzelfall dem Verbraucher keine Transparanz. Die Behauptung, der Verbraucher könne dadurch etwas Nachvollziehen, ist falsch. Sie können damit auch nicht im Ansatz einen Schadensersatzanspruch nach § 82 DS-GVO bei unrichtigen Informationen an Dritte begründen. Verständlich?

Zunächst einmal mache ich Sie zum Umfang des Auskunftsanspruchs auf zwei Verfahren beim EUGH C-487/22 und 307/22 aufmerksam, deren Entscheidungen der BGH VI ZR 223/21 (Beschluss vom 31.05.2022, zu finden auf dem Internetportal des BGH am 27.06.2022) für weitere Entscheidungen abwartet und im Urteil vom 22.02.2022 VI ZR 14/21 ausführlich zum Umfang des Auskunftsanspruchs entschieden hat, der sehr viel umfangreicher als das Berichtete ist.

Mittels der bei der Schufa willkürlich gesammelten richtigen und falschen Informationen (werden nicht überprüft) und unbekannten Algorithmen gibt die Auskunftei eine Prognose ab, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass es in der Zukunft zu Zahlungsstörungen kommt. Allein dem Algorithmus kommt Bedeutung zu, weil er bestimmt, wie bestimmte Fakten bewertet werden. Sind Sie reich und haben Sie zahlreiche Kreditkarten, erhalten Sie möglicherweise einen desaströsen Scorewert. Meldet ein Telefonunternehmen eine Vertragsstörung zu Unrecht, und kommt es unglücklicherweise noch zur einer Vollstreckung, gibt die SCHUFA die Information weiter an Wirtschaftsdateien, die ihren Kunden die „rote Ampel“ zeigt und von der Geschäftsbeziehung abrät. Ist der Verbraucher in der Mühle und die Information automatisiert in alle Richtungen getragen, erhält der Verbraucher keinen Kredit mehr und keinen Telefonvertrag; er führt einen irrsinnig teuren und langwierigen Kampf

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