Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

13.06.2022

13:09

Legal Tech

Was die digitale Evolution für die Rechtsabteilung bedeutet

Von: Alexander Pradka

Die Rechtsabteilung befindet sich an der Schwelle zu umfangreichen Veränderungen. Agilität und Technologie verändern die Arbeit.

In der Rechtsabteilung lassen sich relativ einfache Vorgänge und Arbeitsabläufe ohne großen Aufwand digitalisieren und verbessern. dpa

Glasfaserkabel in einem Rechenzentrum

In der Rechtsabteilung lassen sich relativ einfache Vorgänge und Arbeitsabläufe ohne großen Aufwand digitalisieren und verbessern.

Frankfurt Was der Markt unter „Legal Tech“ und „Legal Innovation“ zusammenfasst, hat viele Facetten. Das Entwicklungstempo ist geringer als etwa in den USA und in Großbritannien, aber: „Wir können in Deutschland nachhaltiger sein“, sagt Martin Clemm, General Counsel bei der Software AG.

„Wir kommen traditionell aus der Ecke des kodifizierten Rechts und denken quasi digital. Insofern bietet sich die Chance, den neuen Rechtsmarkt führend mitzugestalten.“ Rund 50 Prozent der Arbeit von Syndikusrechtsanwältinnen und -anwälten sind automatisierbar, so das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

„Digitalisierung ist besonders dort interessant, wo ein hoher regulatorischer Dokumentationsaufwand existiert und repetitive Vorgänge vorherrschen“, berichtet Clemm. Menschlich-intelligente Leistung und persönliche, tatsächlich beratende Interaktion lasse sich nicht ersetzen. Aber: „Arbeitsaufwände verändern sich hin zu den automatisierungsnahen Aufgaben.“

Outsourcing oder Eigenmittel

Ein Beispiel für schrittweise etablierte Veränderungen liefert der Hochtief-Konzern: Nach und nach hat das Unternehmen in der Rechtsabteilung ein elektronisches Aktenführungssystem und im Compliance-Bereich ein softwaregestütztes Learning-Management-System eingeführt. Jetzt gibt es zusätzlich ein Legal-Spend-Management-System und eine Compliance-App.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der vorläufig letzte Schritt war die Gründung des Teams „Governance Operations“, das an der Weiterentwicklung und Digitalisierung von Prozessen arbeitet. „Legal Operations ist kein Selbstzweck“, sagt David J. Deutsch, Syndikusrechtsanwalt bei Hochtief und Leiter des Teams Governance Operations. „Das große Softwareangebot am Markt kann dazu verleiten, für die Modernisierung der Rechtsabteilung eine reichhaltig ausgestattete Toolbox einzukaufen.“

    Veränderungsbedarf sollte aber immer unabhängig von IT-Anwendungen definiert werden. „Gesucht ist eine Lösung für ein bestehendes Problem, nicht ein Problem für eine am Markt befindliche Applikation.“

    Im Vorteil ist derjenige, der Prozesse in einem standardisierten Format bereits modelliert hat und zielgerichtet mit Anbietern sprechen kann. „Vor größeren Investitionen sollte die Überlegung stehen, was sich mit Eigenmitteln entwickeln lässt. Mit Beantwortung der Frage ‚make or buy‘ schafft ein Unternehmen eine solide Ausgangsbasis“, sagt Dr. Alexandra Albrecht-Baba, Leiterin Konzerncompliance und Recht bei Hochtief. Damit solle nicht die Daseinsberechtigung professioneller Legal-Tech-Provider infrage gestellt werden, ausgeklügelte Systeme und komplexe Schnittstellen eignen sich für ein Outsourcing.

    „Aber relativ einfache Vorgänge und Arbeitsabläufe lassen sich ohne großen Aufwand digitalisieren und verbessern.“ Für den Head of Legal bei Unite, Frank Weigelt, hat das Thema Legal Tech viele Start-up-Merkmale.

    Die Rechtsabteilung als zentrale Schnittstelle

    Das ließe sich „nur mit einem agilen Mindset lösen“. Die Rechtsabteilung agiert schon jetzt als zentrale und vernetzte Schnittstelle. Legal Tech schaut sich viel von Anwendungen aus der IT ab: „Wir arbeiten mit einem Ticketsystem. Falls nicht direkt ein Ticket erstellt wird, übernehmen wir das ab einer gewissen Tiefe der rechtlichen Fragestellung selbst – unabhängig von der Art der Kontaktaufnahme“, so Weigelt.

    Bei den Sachverhaltsanalysen und rechtlichen Prüfungen sind andere Organisationseinheiten involviert. Die Zusammenarbeit erfolgt dabei meistens auf einem Online-Whiteboard, das kollaboratives Arbeiten an Projekten fördert. Die Beispiele zeigen: Die Rechtsabteilung befindet sich an der Schwelle zu umfangreichen Veränderungen. Legal Tech wird Aufgaben neu definieren.

    Alexander Pradka ist leitender Redakteur bei der Fachzeitschrift „In-house Counsel“. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×