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11.04.2022

16:30

solarstrom steuern obs

Diesen Steuern unterliegt Solarstrom im Jahr 2022

Besitzer von Photovoltaikanlagen mit mehr als zehn Kilowatt Leistung (KWp) müssen die Einkünfte aus dem Stromverkauf versteuern. 

Photovoltaik

Diesen Steuern unterliegt Solarstrom im Jahr 2022

Von: Dörte Neitzel

Inhaber einer Photovoltaikanlage müssen zahlreiche Steuern auf ihren erzeugten Strom zahlen. Doch für kleine Anlagen unter zehn Kilowatt gelten Sonderregeln. Ein Überblick.

Wer Strom mit einer Photovoltaikanlage auf seinem eigenen Dach erzeugt und ihn verkauft, wird zum Unternehmer und damit steuerpflichtig. Auf die Einnahmen werden Steuern, also Einkommensteuer und Umsatzsteuer, fällig. Ab einer gewissen Höhe kommt noch die Gewerbesteuer hinzu.

Doch es gibt Ausnahmen von den Steuern. Dabei kommt es darauf an, wie groß die PV-Anlage ist und in welcher Höhe der Strom selbst verbraucht wird.

Wer muss Einkommensteuer auf Solarstrom zahlen?

Besitzer von Photovoltaikanlagen mit mehr als zehn Kilowatt Leistung (KWp) müssen die Einkünfte aus dem Stromverkauf versteuern. Das können Zahlungen aus der EEG-Vergütung oder solche aus einer Selbstvermarktung sein. Auch der selbst genutzte Strom unterliegt als Einnahme den Steuern.

Wer mit seinen zusammengerechneten Einkünften (aus Arbeit, Vermietung/Verpachtung, Zinsen, Kapitaleinkünften) plus den Erträgen aus dem Stromverkauf über dem allgemeinen Grundfreibetrag von 9984 Euro liegt, zahlt auf den darüber liegenden Betrag Steuern. Bei Verheirateten verdoppelt sich der Betrag.

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    Für Besitzer einer kleinen Photovoltaikanlage mit einer installierten Leistung bis zu zehn Kilowatt gibt es seit dem 2. Juni 2021 ein Wahlrecht. Hier kann der Betreiber selbst entscheiden, ob er seine Einkünfte versteuern will oder die sogenannte Vereinfachungsregel in Anspruch nimmt.

    Wann entfällt die Einkommensteuer auf Solarstrom?

    Der Normalfall ist: Sobald Betreiber einer Photovoltaikanlage ihren Strom verkaufen, werden sie zu Unternehmern und müssen auf ihre Einnahmen Steuern zahlen. Seit dem 2. Juni 2021 gilt das jedoch nicht mehr für alle Besitzer von Photovoltaikanlagen. 

    Das Bundesfinanzministerium hat in einem Schreiben an die Finanzverwaltungen festgelegt, dass für kleine Photovoltaikanlagen bis zehn Kilowatt „veranlagte Gewinne und Verluste (…) aus zurückliegenden Veranlagungszeiträumen, die verfahrensrechtlich einer Änderung noch zugänglich sind (…), nicht mehr zu berücksichtigen“ sind. Übersetzt aus dem Amtsdeutsch heißt das: Wer eine kleine PV-Anlage nutzt, kann sich von der Einkommensteuer auf die Erträge befreien lassen. Dafür sind aber einige Voraussetzungen nötig. Diese müssen alle erfüllt sein.

    1. Die Photovoltaikanlage muss dem Betreiber gehören.
    2. Sie darf eine installierte Leistung von maximal zehn Kilowatt haben.
    3. Die Inbetriebnahme erfolgte nach 2003.
    4. Die PV-Anlage befindet sich auf einem Ein- oder Zweifamilienhaus, beziehungsweise auf einem anderen Gebäude auf demselben Grundstück.
    5. Der Betreiber der PV-Anlage muss selbst in dem Haus wohnen – gleich, ob es ihm gehört oder ob er es mietet. Alternativ: Das Haus gehört dem Anlagenbetreiber, wird aber zu Wohnzwecken anderen Personen überlassen (maximale Mieteinnahmen pro Jahr: 520 Euro).

    Sind alle Voraussetzungen erfüllt, können Anlagenbesitzer wählen, ob sie die sogenannte Vereinfachungsregel nutzen oder nicht. Wer sie wählt, muss mögliche Gewinne gegenüber dem Finanzamt nicht mehr angeben. Damit fällt auch die Einkommensteuer weg. 

    Das passiert allerdings nicht automatisch. Der PV-Betreiber muss sich aktiv entscheiden und einen formlosen Antrag zum „Verzicht auf die einkommensteuerliche Behandlung der PV-Anlage“ bei seinem zuständigen Finanzamt stellen. Dann tauchen diese Einnahmen in der Steuererklärung nicht mehr auf.

    Die Vereinfachungsregel gilt für diejenigen Steuerjahre, die zum Zeitpunkt des Antrags noch nicht abgeschlossen sind. Veranlagungszeiträume, bei denen die Einspruchsfrist für den Einkommensteuerbescheid bereits abgelaufen ist, werden nicht berücksichtigt.

    Wer die Vereinfachungsregel nicht wählt, muss die Gewinne nach wie vor per Einnahmen-Überschuss-Rechnung nachweisen und in der Einkommensteuererklärung angeben. Diese werden dann – abzüglich der Kosten – versteuert. Allerdings behält sich das Finanzamt eine Prüfung vor, ob es sich beim Betrieb der PV-Anlage nicht doch um Liebhaberei handelt oder ob tatsächlich eine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Ist dies der Fall, werden Einkünfte nicht versteuert, aber auch Verluste nicht steuermindernd anerkannt.

    Generell befreit sind Betreiber von Photovoltaikanlagen, die vorwiegend zum Eigenverbrauch dienen. Darunter fallen insbesondere sogenannte Inselsysteme, die nicht mit dem öffentlichen Stromnetz verbunden werden.

    Die Vereinfachungsregel betrifft ausschließlich die Befreiung von der Einkommensteuer, die Umsatzsteuer bleibt davon unberührt.

    Umsatzsteuerpflicht auf den Verkauf von Solarstrom

    Bei der Umsatzbesteuerung von Erträgen aus dem Verkauf von Solarstrom gibt es zwei Möglichkeiten: die Regelbesteuerung und die Kleinunternehmerregelung.

    Wer sich für die Kleinunternehmerregelung entscheidet, der muss keine Umsatzsteuer auf seine Verkaufserlöse ans Finanzamt abführen. Der Vorteil: Es wird keine jährliche Umsatzsteuererklärung fällig. Im Gegenzug können Betreiber jedoch auch keine Vorsteuer geltend machen, etwa für den Kauf der Anlage, laufende Reparaturen oder die anfängliche Planung und Installation der Anlage. Die Voraussetzungen für die Kleinunternehmerregelung sind folgende:

    • Der Umsatz im Vorjahr betrug höchstens 22.000 Euro.
    • Der Umsatz im kommenden Jahr wird höchstens bei 50.000 Euro liegen.

    Die Alternative ist die Regelbesteuerung. Hier wird auf die Erlöse die reguläre Umsatzsteuer von 19 Prozent fällig – sowohl auf den verkauften Strom als auch den selbst genutzten. Diese Entscheidung ist bindend für fünf Jahre ab dem Jahr der Inbetriebnahme bei Aufdachanlagen. Bei Indachanlagen beträgt diese Frist sogar zehn Jahre. Danach ist ein Wechsel zur Kleinunternehmerregelung möglich.

    Ist der Betreiber einer Solaranlage anderweitig selbstständig (freiberuflich oder gewerblich), werden diese Umsätze mit denen aus dem Solarstrom zusammengerechnet. Die Kleinunternehmerregel ist daher nur anwendbar, wenn die Summe aller Umsätze unter den Grenzen von 22.000/50.000 Euro bleibt.

    Umsatzsteuer auf den Eigenverbrauch von Solarstrom

    Wer seinen eigenen Strom selbst verbraucht, zahlt unter gewissen Voraussetzungen ebenfalls Umsatzsteuer. Wer mehr als zehn Prozent seines Stroms verkauft, wird umsatzsteuerpflichtig, wenn der Umsatz aus dem Stromverkauf mehr als 22.0000 Euro pro Jahr beträgt. Das betrifft dann auch den eigenverbrauchten Strom.

    Wer aus dem Stromverkauf zwar weniger als 22.000 Euro erlöst, jedoch als Selbstständiger auch aus anderen Tätigkeiten Einkommen erwirtschaftet, das in der Summe über 22.000 Euro liegt, muss Umsatzsteuer auf seinen Eigenverbrauch zahlen.

    Keine Umsatzsteuer zahlt, wer mindestens 90 Prozent seines Eigenstroms selbst verbraucht.

    Spezialfall: Solaranlage mit gefördertem Eigenverbrauch

    Wer seine Solaranlage zwischen Januar 2009 und März 2012 in Betrieb genommen hat, fällt unter die Regelung des geförderten Eigenverbrauchs. Das heißt, dass jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ebenfalls vergütet wird – nicht nur der ins Netz eingespeiste Strom.

    In diesem Fall gehen Solaranlagenbetreiber folgendermaßen vor: Der Netzbetreiber zahlt den kompletten erzeugten Solarstrom, also denjenigen, der eingespeist wird, plus den Eigenverbrauch. Den Eigenverbrauch kauft der PV-Betreiber jedoch wieder zurück. 

    Die Umsatzsteuer auf den eigenverbrauchten Strom ist jedoch nicht als Vorsteuer abziehbar. Daher wirkt sich in diesem Fall der Kleinunternehmerstatus sogar negativ aus. Denn in dem Fall können Betreiber keine Vorsteuer mit der Umsatzsteuer auf den eingespeisten Strom mehr absetzen, müssen aber gleichzeitig Umsatzsteuer auf den zurückgekauften Eigenverbrauch zahlen.

    Die Vergütung für den selbst genutzten Strom ist darüber hinaus für die Einkommensteuererklärung relevant.

    Steuerliche Behandlung von Batteriespeichern

    Umsatzsteuer: Die Umsatzsteuer auf einen Stromspeicher lässt sich nur dann als Vorsteuer abziehen, wenn Photovoltaikanlage und Speicher gemeinsam gekauft werden. Da ein solches System recht teuer ist, lohnt sich für die ersten fünf Jahre die Regelbesteuerung und damit auch eine jährliche Umsatzsteuererklärung. Voraussetzung ist, dass auch hier mindestens zehn Prozent des erzeugten Stroms ins öffentliche Netz eingespeist werden. Ist das nicht der Fall, darf die Umsatzsteuer nicht abgezogen werden und die Kleinunternehmerregelung ist Pflicht.

    Wer einen Speicher nachrüstet und ihn im Betriebsvermögen halten will, muss das dem Finanzamt separat melden. Steuerrechtlich sind PV-Anlage und Speicher dann zwei getrennte Anlagen.

    Dient ein Speicher ausschließlich der Erhöhung des Eigenverbrauchs auf mehr als 90 Prozent, ist ein Vorsteuerabzug nicht möglich. 

    Einkommensteuer: Wer für die Besteuerung optiert und die Vereinfachungsregel ausschlägt, kann den Speicher – wie auch die PV-Anlage – als Teil des Betriebsvermögens über 20 Jahre abschreiben. Aber auch hier gilt: Das geht nur, wenn mehr als zehn Prozent des gespeicherten Stroms aus der Photovoltaik verkauft werden.

    Gewerbesteuer auf Photovoltaik-Strom

    Betreiber kleiner Anlagen bis zehn Kilowatt müssen keine Gewerbesteuer zahlen. Auch die Gewerbeanmeldung bei der Gemeinde entfällt und damit die Pflichtmitgliedschaft in der örtlichen Industrie- und Handelskammer (IHK).

    Etwas anders sieht es bei größeren Anlagen aus. Liegt die Leistung über zehn Kilowatt, muss das der Stadt oder Gemeinde über die Gewerbeanmeldung mitgeteilt werden. Damit ist der Betreiber automatisch Mitglied in der IHK. Gewerbesteuer wird jedoch erst fällig, wenn ein Gewinn von mehr als 24.500 Euro pro Jahr auf der Einnahmen-Überschuss-Rechnung steht.

    Solarstrom: Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten für Gewerbetreibende

    Gewerbetreibende können ab 2020 bereits im Vorfeld 50 Prozent der Investitionssumme einer Photovoltaikanlage als steuerlichen Verlust geltend machen. Möchte zum Beispiel ein Unternehmer im Jahr 2025 eine Photovoltaikanlage im Wert von 40.000 Euro anschaffen, so kann er bereits in seiner Steuererklärung für 2022 (maximal drei Jahre vor Anschaffung) einen Investitionsabzugsbetrag von 20.000 Euro steuermindernd ansetzen.

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