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13.04.2022

10:30

Steuerberater, Wirtschaftsprüfer dpa Picture-Alliance / zerocreatives

Steuerberater

Trotz zunehmender Digitalisierung setzen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer auf persönliche Beratung.

Steuerberatung 2022

Was kostet ein Steuerberater?

Wann benötigen Sie einen Steuerberater? Und welche Kosten fallen für eine professionelle Steuererklärung an? Ein Überblick.

Nicht jeder weiß Bescheid über Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen. Und doch schlagen sich einige Arbeitnehmer oder Selbstständige einmal im Jahr mit einer Steuererklärung herum. Spätestens dann liebäugeln viele mit einem Steuerberater, um sich das komplizierte deutsche Steuerrecht zu ersparen. Doch was kostet so ein Experte? Wann lohnt es sich, zum Profi zu gehen?

Wann benötigen Sie einen Steuerberater?

Eigentlich brauchen die meisten angestellten Arbeitnehmer keinen Steuerberater. Sie können ihre Steuererklärung recht unkompliziert selbst erledigen. Das Programm „Elster“ der Finanzverwaltung oder eine Steuer-Software helfen dabei. Das gilt vor allem für diejenigen, die neben ihrem Arbeitslohn keine weiteren Einkünfte beziehen.

In einigen Fällen ist es dagegen besser, wenn sich ein Profi der Steuererklärung annimmt. Das ist vor allem dann der Fall, wenn es unterschiedliche Einkunftsarten gibt, etwa aus einer Selbstständigkeit, aus (ausländischen) Kapitalerträgen oder Steuersparmodellen sowie Vermietung und Verpachtung. Auch ganz spezielle Fälle erfordern das Wissen eines Steuerexperten.

Dazu zählen Arbeitnehmer, die im Ausland arbeiten (auch teilweise), Grenzgänger mit Wohnsitz in Deutschland und Arbeitsort in einem angrenzenden Land oder Erbfälle. Auch die eigene Solaranlage auf dem Dach kann eine Steuererklärung verkomplizieren.

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    Welche Alternativen zum Steuerberater gibt es?

    Wer den Gang zum Steuerberater scheut, kann sich an die Lohnsteuerhilfe wenden. Diese berät Angestellte, Rentner und Pensionäre. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einem Lohnsteuerhilfeverein. Diese kostet pro Jahr im Durchschnitt rund 150 Euro. 100 Euro davon sind als Steuerberatungskosten wiederum absetzbar.

    Der Verein erstellt die Steuererklärung, übermittelt sie dem Finanzamt und übernimmt auch noch jede weitere Korrespondenz mit der Behörde. Auch bei einem Einspruch gegen den Bescheid oder einer Klage unterstützt die Lohnsteuerhilfe.

    Wer neben seinem Arbeits- oder Alterseinkommen weitere Einkünfte bezieht, muss jedoch eine Grenze beachten. Bei mehr als 18.000 Euro Einkünften aus Kapitalerträgen oder Vermietung und Verpachtung muss ein Steuerberater ran. Dann darf die Lohnsteuerhilfe nicht mehr beraten. Das gilt ebenso bei Selbstständigen, gleich ob Freiberufler oder Gewerbetreibender: Sie müssen sich einen Steuerberater suchen.

    Lesen Sie passend zum Thema Steuern:

    Was macht ein Steuerberater?

    Steuerberater unterstützen Angestellte, Selbstständige und Unternehmen in ihren Steuerangelegenheiten. Im Einzelnen übernehmen sie folgende Aufgaben:

    • Einkommensteuererklärung erstellen
    • Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen
    • Gewerbesteuererklärung
    • Einnahmen-Überschuss-Rechnung
    • Jahresbilanz
    • Umsatzsteuervoranmeldung und -erklärung
    • Körperschaftsteuererklärung
    • Lohnabrechnung
    • Finanzbuchhaltung
    • Liquiditätsplanung
    • Beratung bei Erbfällen
    • Bescheidprüfungen
    • Steuerrechtliche Einspruchsverfahren

    Wie findet man einen guten Steuerberater?

    Eine Methode, den richtigen Steuerberater zu finden, sind Empfehlungen aus dem Kollegen- oder Freundeskreis. Weiteren Aufschluss geben die Websites der Kanzleien. Gibt es hier bereits Steuertipps oder Videos mit nützlichen Inhalten? Sind die Qualifikationen der Mitarbeiter transparent dargestellt? Informationen zu den Kosten sind in der Regel selten zu finden.

    In jedem Fall hilft ein Erstgespräch weiter, schließlich muss – neben der Qualifikation – auch die Chemie stimmen. Erklären Sie dabei Ihre persönliche Situation und Ihre Erwartungen. Haben Klienten einen „eigenen“ Ansprechpartner, oder wechselt dieser? Wie gut ist die Erreichbarkeit?

    Einige Steuerberater haben sich auf bestimmte Berufsgruppen spezialisiert und sind auf diesem Gebiet besonders fit. Das können Landwirte, Handwerker, Freiberufler oder medizinische Berufe sein. Andere haben sich auf bestimmte Rechtsformen wie Genossenschaften spezialisiert, sind Experten bei Erbschaften und Schenkungen oder im internationalen Steuerrecht.

    Wer ohne Empfehlungen auf die Suche nach einem Steuerberater gehen will, für den hat die Bundessteuerberaterkammer einen Suchservice eingerichtet. Hier lassen sich Spezialisten für bestimmte Fachgebiete oder nach Postleitzahlen finden, rund 15.000 Kanzleien und Berater sind gelistet.

    Auch die Steuerberatergenossenschaft Datev bietet einen Suchdienst an. Auf Smartexperts.de präsentieren sich Datev-Mitglieder mit ihrem Angebotsprofil. Hier ist die Suche nach Ort und Themengebiet ebenfalls möglich.

    Wie viel kostet der Steuerberater?

    Die Kosten für Steuerberater sind in der Vergütungsordnung für Steuerberater (StBVV) geregelt. Einen Überblick gibt eine Tabelle. Dort gibt es Bandbreiten, in denen der Steuerberater seine Gebühren festlegen kann. Ein Faktor bestimmt die endgültige Höhe der Steuerberaterkosten. Entsteht dem Experten ein höherer Aufwand, etwa durch ungeordnete Unterlagen, steigt dieser Faktor. Das kommt vor allem bei Selbstständigen und Unternehmen vor. Die konkreten Kosten werden also so bestimmt: Grundgebühr x Faktor. Dabei haben unterschiedliche Tätigkeiten unterschiedliche Bandbreiten und unterschiedliche Tabellen als Grundlage.

    Beispiele für Gebühren für Steuerberatungsleistungen nach StBVV:

    LeistungFaktor BandbreiteKosten
    Einkommensteuererklärung anfertigen (ohne Ermittlung der Einkünfte)1/10 bis 6/10Tabelle A, mindestens 8.000 Euro Gegenstandswert
    Erklärung zur gesonderten Feststellung der Einkünfte (ohne Ermittlung der Einkünfte)1/10 bis 5/10Tabelle A, mindestens 8.000 Euro Gegenstandswert
    Körperschaftsteuererklärung2/10 bis 8/10Anlage A, mindestens 16.000 Euro Gegenstandswert
    Gewerbesteuererklärung1/10 bis 6/10Tabelle A, mindestens 8.000 Euro Gegenstandswert
    Umsatzsteuervoranmeldung sowie ergänzende Anträge und Meldungen1/10 bis 8/10Tabelle A, mindestens 12.500 Euro Gegenstandswert (natürliche Personen) bzw. 25.000 Euro (Körperschaften)
    Schenkungsteuer- und Erbschaftsteuererklärung (ohne Ermittlung der Zugewinnausgleichsforderung)
    Tabelle A, mindestens 16.000 Euro Gegenstandswert
    Ermittlung einer Einnahmen-Überschuss-Rechnung (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbstständige Arbeit)5/10 bis 30/10Tabelle B, mindestens 17.500 Euro Gegenstandswert
    Ermittlung der Einnahmen über die Werbungskosten (nichtselbstständige Arbeit, Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung)1/20 bis 12/20Tabelle A, mindestens 8.000 Euro Gegenstandswert

    Auch die Kosten für Besprechungen oder die Teilnahme an Prüfungen sind in der Tabelle A geregelt. Für Vorarbeiten oder die Prüfung des Steuerbescheids erhält der Steuerberater eine Zeitgebühr.

    Beispiel: Kosten für eine Steuererklärung mit Einnahmen aus selbstständiger Beschäftigung über 30.000 Euro

    Zunächst fertigt der Steuerberater eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung an. Die volle Gebühr nach Tabelle B wären 190 Euro. Der Steuerberater darf 5/10 bis 30/10 davon berechnen. Bei einem mittleren Aufwand werden also etwa 12,5/10 fällig, das sind 237,50 Euro. Hinzu kommt die Einkommensteuererklärung über die Einkünfte. Hier beträgt die volle Gebühr nach Tabelle A derzeit 892 Euro. 1/10 bis 6/10 Kosten darf der Steuerberater ansetzen. Bei einem ebenfalls mittleren Aufwand kommen hier 3/10, also 267,60 Euro zusammen. 

    Insgesamt zahlt der Klient Kosten für 

    • die Einkommensermittlung und 
    • seine Steuererklärung.

    Summa summarum sind das in diesem Beispiel 505,10 Euro. Darin enthalten sind noch keine Kosten für eine Umsatzsteuererklärung und die Umsatzsteuervoranmeldung. Allerdings hat jeder ein Stück weit Einfluss auf die Höhe der Kosten. Je vollständiger und strukturierter die Unterlagen sind, desto weniger Arbeit hat der Steuerberater und desto geringer fällt der Faktor – und damit die Rechnung – aus. Wer gern im Vorfeld wissen will, welche Kosten ungefähr auf ihn zukommen, kann sich das mit dem Steuerberatervergütungsrechner von Cyberlab annäherungsweise ausrechnen. 

    Was muss auf der Rechnung für die Steuerberatung stehen?

    Die Rechnung des Steuerberaters sollte die Gebühren für die einzelnen Positionen auflisten. Auch die Auslagen und die angewandten Vorschriften sollten aufgeführt sein. Gebühren, die nach Zeit abgerechnet werden, sollten den Stundensatz und die aufgewendete Zeit sowie die Art der Tätigkeit umfassen. Heraus kommt eine Nettosumme, der die Umsatzsteuer hinzugerechnet wird.

    Von

    Dörte Neitzel

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