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19.01.2022

16:50

Steuererklärung

Haushaltshilfe legal beschäftigen und Steuern sparen – was heute schon möglich ist

Von: Laura de la Motte

Haushaltshilfen arbeiten in Deutschland häufig schwarz. Der Bund will neue Anreize schaffen – dabei kann eine legale Anstellung bereits jetzt günstiger sein.

Haushaltshilfe legal beschäftigen und Steuern sparen Hartmut Schwarzbach / argus

Putzfrau

Wer seine Haushaltshilfe schwarz beschäftigt, riskiert ein Bußgeld von 5000 Euro.

Frankfurt Das bisschen Haushalt ist manchmal ganz schön viel. In rund 3,3 Millionen Wohnungen in Deutschland packt daher gelegentlich oder regelmäßig jemand mit an. Doch in 75 Prozent der Fälle arbeiten die privaten Putzhilfen, Gärtner oder Hausmeister schwarz, zeigen Daten der OECD.

Das kündigte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) vor wenigen Tagen an. „Mir schwebt dabei eine technische Lösung beispielsweise in Form einer App vor, über die unbürokratisch bei einem Dienstleister eine sozialversicherungspflichtig beschäftigte Haushalthilfe gebucht werden kann“, sagte Heil.

Der bürokratische Aufwand, eine Arbeitskraft legal anzumelden, und die Kosten sind es, die viele abschrecken. Sie wickeln die Bezahlung lieber bar ab. Doch es gibt Gefahren.

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    Zum einen besteht keine Unfallversicherung und „bei Schwarzarbeit werden in der Regel beide Seiten belangt. Der Haushaltshilfe, die Einkommensteuer und gegebenenfalls Umsatzsteuer hinterzogen hat, droht ein strafrechtliches Verfahren wegen Steuerhinterziehung. Der private Arbeitgeber, der keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt hat, muss ein Bußgeld zahlen“, weiß Daniela Karbe-Geßler, Steuerexpertin beim Bund der Steuerzahler (BdSt). Für private Arbeitgeber liegt das Bußgeld bei 5000 Euro.

    Das lässt sich mit Selbstständigen verhindern. „Wer von ihnen Rechnungen erhält und diese überweist, hat alles getan, um Schwarzarbeit zu verhindern, und kann dann rechtlich nicht belangt werden, wenn seine Haushaltshilfe ihre Einnahmen nicht korrekt versteuert“, erklärt Karbe-Geßler. Doch nur wenige Hilfskräfte sind selbstständig.

    Bis zu 180 Euro Steuervorteil bei Minijob im Haushalt

    Jemanden mit Steuern und Sozialabgaben legal zu beschäftigen ist, solange alles gut geht, meist teurer als der illegale Weg. Aber nicht immer. Es gibt für den privaten Arbeitgeber Möglichkeiten, die Haushaltshilfe von der Steuer abzusetzen. Unter Umständen lässt sich so bei gleichem Lohn für die Haushaltshilfe für den Auftraggeber auch ohne Kostenzuschuss heute schon sparen.

    Das zeigt folgendes Beispiel: Eine Putzfrau ist in einer Familie als Minijob angestellt. Sie erhält 18,50 Euro Stundenlohn und arbeitet zehn Stunden im Monat. Damit beträgt ihr Arbeitslohn im Monat 185 Euro. Den darf sie brutto für netto behalten. Die Familie muss Lohnnebenkosten in Höhe von 14,8 Prozent für Pauschsteuer und Sozialabgaben zahlen, macht für sie im Monat Arbeitslohnkosten in Höhe von 212,50 Euro. Auf den ersten Blick kostet also die legale Beschäftigung die Familie 27,50 Euro im Monat mehr, das sind aufs Jahr gerechnet 330 Euro.

    Allerdings können 20 Prozent der Kosten über die Steuererklärung direkt von der Steuerschuld abgezogen werden. Die Familie erhält somit von den jährlichen Gesamtkosten für ihre Putzfrau 2550 Euro x 20 Prozent = 510 Euro vom Finanzamt erstattet. Die legale Anstellung bringt damit einen Kostenvorteil von 510 – 330 = 180 Euro.

    Enge Voraussetzungen für Minijob

    Eine so angestellte Haushaltshilfe hat einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub, Kündigungsfristen und Mindestlohn. Sie ist durch die gesetzliche Unfallversicherung abgesichert und erhält bei Krankheit und Schwangerschaft eine Entgeltfortzahlung. Der private Arbeitgeber muss den Lohn weiterzahlen, kann sich aber bei Krankheit 80 Prozent und bei Schwangerschaft 100 Prozent der Kosten erstatten lassen. Denn dafür sind spezielle Versicherungen in den Lohnnebenkosten enthalten.

    Die Putzfrau im Beispiel darf auch noch einen zweiten oder dritten Minijob in anderen Haushalten haben. Wichtig ist nur, dass ihr Gesamtverdienst aus den Minijobs die Grenze von 450 Euro nicht überschreitet. Neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung kann nur ein Minijob ausgeübt werden.

    Alle weiteren Minijobs werden sozialversicherungspflichtig und mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet. Danach müssen die Arbeitgeber unbedingt vorher fragen. Das prüft auch die Minijob-Zentrale, bei der alle Minijobs angemeldet werden.

    Überschreitet die Putzfrau die 450-Euro-Grenze in einem oder mit der Gesamtzahl ihrer Minijobs, handelt es sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, für die beide Seiten Steuern und Abgaben zahlen müssen, die deutlich über denen des Minijobs liegen. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand für den privaten Arbeitgeber, der das Arbeitsverhältnis bei der Krankenkasse des Arbeitnehmers melden und dann selbst eine Lohnabrechnung vornehmen muss. Gibt es mehrere Arbeitgeber, wird das schnell unübersichtlich.

    Steuervorteile bei Selbstständigen und Agenturkräften

    Für die Familie aus dem obigen Beispiel wiederum lohnt es sich steuerlich nicht, neben der Putzfrau einen weiteren Minijobber anzustellen. Denn: „Wer jemanden im Haushalt geringfügig beschäftigt, kann sich über die Steuererklärung maximal 510 Euro der Lohnkosten zurückholen“, erklärt Karbe-Geßler.

    Wer zusätzlich beispielsweise einen Gärtner benötigt, muss diesen auf andere Weise beschäftigen. „Für Haushaltshilfen, die man sozialversicherungspflichtig anstellt oder die selbstständig sind, beträgt der maximale Steuervorteil 4000 Euro“, gibt Karbe-Geßler an.

    Eine Variante ist also, einen Gärtner im Haushalt anzustellen. Das muss bei seiner Krankenkasse angemeldet werden. Liegt sein Gehalt bei maximal 1300 Euro, werden für ihn geringere Abgaben fällig – die Familie zahlt indes die üblichen 50 Prozent der Sozialversicherungskosten. Hinzu kommt Lohnsteuer, die entweder pauschal oder gemäß der Lohnsteuerklasse des Gärtners ans Finanzamt abgeführt werden muss.

    Alternativ kann der Gärtner auch bei einer Agentur angestellt sein und darüber gebucht werden. Dann ist die Agentur der Arbeitgeber und die Familie nur der Auftragnehmer. Die Agentur schreibt Rechnungen. 20 Prozent der Lohnkosten daraus kann die Familie in der Steuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen. Gleiches gilt, wenn der Gärtner selbstständig ist und für seine Leistungen Rechnungen schreibt.

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