Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

06.07.2022

19:02

Steuererklärung

Was können die Steuerapps für Selbstständige?

Von: Laura de la Motte

Selbstständige brauchen für Buchhaltung und Steuererklärung keinen Steuerberater, versprechen Apps wie Accountable, Kontist und Lexoffice mit Smartsteuer. Wie sinnvoll ihre Nutzung ist.

Wer sich um seine Buchhaltung und Steuererklärung selbst kümmert, kann viel Geld sparen. Westend61/Getty Images

Frau am Schreibtisch

Wer sich um seine Buchhaltung und Steuererklärung selbst kümmert, kann viel Geld sparen.

Frankfurt Wer voller Energie in die Selbstständigkeit startet, vergisst oft: Vom ersten Tag an muss man Buch führen über Einnahmen und Ausgaben; neben der Einkommen- fallen auch eine Umsatz- und gegebenenfalls eine Gewerbesteuer an. Die Erklärungen hierfür sind Kernkompetenzen eines Steuerberaters. Für ihre Dienstleistung verlangen die Profis schnell 100 Euro und mehr im Monat – ein Posten, auf den Selbstständige gern verzichten möchten. Warum also die Sache nicht selbst in die Hand nehmen?

Für Angestellte gibt es schon seit Jahren Steuer-Apps wie Taxfix, Steuerbot oder Taxando, mit denen sich die Erklärung ans Finanzamt übers Handy erledigen lässt. Auch für Selbstständige gibt es Lösungen am Markt.

Eine davon ist Accountable. „Wir wollen das Taxfix für Selbstständige sein“, erklärt der Gründer der App, Tino Keller. Für die optimale Funktionalität wird die App mit dem Geschäftskonto verknüpft. Dort liest sie die Zahlungsein- und Ausgänge aus. Das Hauptproblem vieler Selbstständiger sei nämlich, dass sie zu wenig Kosten angeben, meint Keller. „Unsere App schlägt daher vor, welche Ausgaben auf dem Konto Geschäftsausgaben sein könnten und welche Kosten Selbstständige mit vergleichbaren Geschäftsmodellen haben.“

Aus allen Daten erstellt die App automatisiert die monatliche oder quartalsweise Umsatzsteuervoranmeldung, bei der die bereits eingenommene Umsatzsteuer ans Finanzamt abgeführt wird. Am Jahresende folgt eine Einkommensteuererklärung für die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit sowie eine Umsatz- und Gewerbesteuererklärung. Der Service kostet 20 Euro pro Monat. Haben Selbstständige weitere Einkünfte, zum Beispiel aus Kapitalanlagen, müssen sie die Erklärung dafür selbst machen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Ein weiterer digitaler Helfer am Markt ist das Buchhaltungstool Lexoffice in Kombination mit dem Steuerprogramm Smartsteuer. „Die Daten aus Lexoffice können in Smartsteuer importiert werden, und daraus kann der Steuerpflichtige alle nötigen Steuererklärungen erstellen“, erklärt Stefan Heine, Chef von Smartsteuer.

    Der Vorteil: Über Smartsteuer lassen sich auch Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit, Vermietung oder Kapitalanlagen eingeben. Die Nutzung von Lexoffice kostet knapp 15 Euro im Monat, für Smartsteuer kommen noch einmal 35 Euro hinzu.

    Fehler in der Buchhaltung können zu Steuernachzahlungen führen

    Stefan Weber, Steuerprofessor an der Hochschule Neu-Ulm, warnt vor den Tücken der App-basierten Steuererklärung: „Unternehmer sollten sich bei der Verwendung von Buchhaltungstools stets bewusst sein, dass die Software keine rechtliche Würdigung des jeweiligen Geschäftsvorfalls übernimmt, sondern dem Nutzer bestenfalls Vorschläge für die Kontierung und Verbuchung macht“, so Weber. Eine eigenverantwortliche Prüfung ist unerlässlich.

    Entstünden durch die automatisierte Meldung Fehler, kämen diese meist erst einige Jahre später im Rahmen einer Betriebsprüfung durch das Finanzamt zum Vorschein. Die Folge seien Nachzahlungen, die für Selbstständige existenzbedrohend sein könnten. „Wurde die fehlerhafte Buchhaltung durch einen Steuerberater erstellt, kann er für den Vermögensschaden rechtlich belangt werden“, weiß Weber.

    Um seinen Kunden mehr Sicherheit zu geben, bietet Accountable einen kostenpflichtigen Buchhaltungscheck und weitere Leistungen durch kooperierende Steuerberater an. Das verursacht aber zusätzliche Kosten: Eine vollständige Einkommensteuererklärung inklusive aller Einkünfte beispielsweise kostet 350 Euro.

    Auch die Neobank Kontist bietet eine App-basierte Steuerberatung an. Voraussetzung ist die Einrichtung des Geschäftskontos bei Kontist für neun Euro im Monat. Das zeigt in Echtzeit an, wie viel dem Kunden abzüglich Steuern an Einkünften bleibt. Wie bei den anderen Tools können Rechnungen erstellt und hochgeladen werden.

    Dazu gibt es die Kontist-Steuer-App. Darüber können Nutzer weitere Services dazubuchen. Für 39 Euro im Monat übernimmt ein Kontist-Buchhalter die Buchführung. „Die eigentliche Steuererklärung macht der Selbstständige am Jahresende selbst oder beauftragt dafür gesondert einen beliebigen Steuerberater“, erklärt Melchior Neumann, Chief Tax Officer bei Kontist. Auf Wunsch vermittelt sein Unternehmen einen Profi. Ab 79 Euro im Monat kümmert sich dieser Berater dann um Buchhaltung und Steuerangelegenheiten des Kunden.

    Fazit: Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt um einen Steuerberater nicht herum, aber über die Apps sind die Profis günstiger zu haben.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×