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30.03.2022

15:33

Steuerfreies Gehaltsextra

Guthabenkarten wieder fast überall einsetzbar

Von: Laura de la Motte

Die beliebten Prepaid-Guthaben vom Arbeitgeber waren zuletzt nur noch bei ausgewählten großen Handelsketten einsetzbar. Künftig sind auch wieder kleine Läden und Restaurants dabei.

Die steuerfeien Guthabenkarten sind künftig wieder überall dort einsetzbar, wo Visa oder Mastercard akzeptiert wird. Reuters

Visa und Mastercard

Die steuerfeien Guthabenkarten sind künftig wieder überall dort einsetzbar, wo Visa oder Mastercard akzeptiert wird.

Frankfurt Sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland atmen auf. Seit Jahresbeginn verstaubten ihre vom Chef aufgeladenen Guthabenkarten von Givve, Spendit oder Paycenter zusehends in ihren Portemonnaies, weil sie kaum noch zum Bezahlen akzeptiert wurden. Das Gehaltsextra – das zuletzt sogar von 44 auf 50 Euro erhöht wurde – sammelte sich auf den Karten an und konnte nur noch selten ausgegeben werden.

Doch damit ist jetzt Schluss. Das bestätigte das Bundesfinanzministerium (BMF) dem Handelsblatt. Ab sofort können die Karten wieder überall genutzt werden, wo auch die Zahlung mit Visa beziehungsweise Mastercard akzeptiert wird. Gewisse Einschränkungen aber bleiben.

Vor gut einem Jahr gab das damals noch von der SPD geführte BMF strengere Regeln bekannt, die die Anbieter der Guthabenkarten ab 2022 erfüllen mussten, um weiterhin als steuerfreier Gehaltsbestandteil anerkannt zu werden. Besonders problematisch war in dem BMF-Schreiben die Vorgabe, dass künftig nur noch Karten konform seien, über die Waren und Dienstleistungen „aufgrund von Akzeptanzverträgen zwischen Aussteller/Emittent und Akzeptanzstellen“ erworben werden können.

Daraus interpretierten die Anbieter genau wie zahlreiche Finanzämter, dass das Kreditkartennetzwerk nicht mehr ausreicht und sie stattdessen bilaterale Verträge abschließen müssen. Ein enormer bürokratischer Aufwand.

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    Also fokussierten sich Givve und Co. seither darauf, zunächst die großen Händler, Handelsketten und Tankstellen anzuschließen. Die Buchhandlung, das Spielwarengeschäft, der Bioladen, Gasthöfe, Kinos und Theater blieben außen vor.

    Regionaler Einzelhandel war vom Millionenumsatz abgeschnitten

    Die Folgen bekamen die Arbeitnehmer zu spüren, die ihre Karten plötzlich kaum noch einsetzen konnten. Aber auch dem regionalen Einzelhandel, der Gastronomie und den Kultureinrichtungen brach wichtiger Umsatz weg. Allein die beiden größten Spieler am Markt Givve und Spendit inklusive der Lunchit-App haben ein jährliches Ausgabevolumen von über 170 Millionen Euro.

    Das störte auch die Arbeitgeber, die die Karten einsetzen. „Sie nutzen das Prepaid-Angebot als Motivation für ihre Mitarbeiter und wollen gleichzeitig, dass das Geld die regionale Wirtschaft stärkt“, erklärt Bertram Eisele, Geschäftsführer von Paycenter. Durch die Auflage büßten die Karten damit nicht nur für Arbeitnehmer, sondern auch für Arbeitgeber an Attraktivität ein.

    Nun justierte das inzwischen von der FDP geführte BMF noch einmal nach. Auch im neuen Schreiben blieb jedoch die strittige Formulierung enthalten.

    Auf Nachfrage des Handelsblatts machte das Ministerium jedoch deutlich: Für die lohnsteuerliche Auslegung sei es „nicht erforderlich, dass Akzeptanzverträge ,unmittelbar‘ zwischen Aussteller/Emittent und Akzeptanzstellen abgeschlossen werden“. Weiter ergänzt das Ministerium: „Allerdings müssen auch bei mittelbaren Akzeptanzverträgen die weiteren Voraussetzungen (…) des BMF-Schreibens erfüllt sein.“

    Diese gelten unverändert: Danach dürfen die Gutscheine oder Geldkarten insbesondere über keine Barauszahlungsfunktion und keine eigene IBAN verfügen. Eine Verwendung für Überweisungen (zum Beispiel Paypal), für den Erwerb von Devisen oder auch Kryptowährungen sowie zur Verwendung als generelles Zahlungsinstrument muss ausgeschlossen sein. „Die funktionale Begrenzung der Gutscheine und Geldkarten ist in geeigneter Weise durch technische Vorkehrungen und in den zur Verwendung kommenden Vertragsvereinbarungen sicherzustellen“, so das BMF.

    Anbieter sind erleichtert

    Markus Herbrand, finanzpolitischer Sprecher der FDP, lobt: „Von den klaren Einsatzmöglichkeiten, der einfachen Handhabung unter anderem durch Nutzung bestehender Kreditkarten-Akzeptanzstellen und der Erhöhung der Freigrenze auf 50 Euro werden auch die regionalen Unternehmen profitieren.“ Gerade nach den Umsatzeinbußen im Zuge der Corona-Einschränkungen seien diese Maßnahmen richtig, um vor allem den regionalen Wirtschaftszweigen wieder mit auf die Beine zu helfen.

    Die Anbieter sind ebenfalls erleichtert: „Wir begrüßen die Entscheidung des BMFs, da nicht nur die Endverbraucher, sondern auch der Einzelhandel von den Neuerungen profitieren wird“, äußert sich Patrick Löffler, CEO und Co-Gründer von Givve. Die technischen Anpassungen würde man „in Kürze“ entsprechend direkt umsetzen. „Wir freuen uns sehr über die steuerliche Sicherheit und die neue Attraktivität für den Sachbezugsmarkt“, kommentiert auch Spendit-Gründer Florian Gottschaller.

    Deutschlandweit lässt sich in rund 450.000 Geschäften und Einrichtungen mit Visa und Mastercard bezahlen. Bis Ende 2021 konnten die Guthabenkarten dort überall eingesetzt werden.

    Das geht seit diesem Jahr nicht mehr. Nutzer haben die Wahl: Entweder sie entscheiden sich für eine Ladenkette oder Branche deutschlandweit oder eine Postleitzahlenregion, in der sie dann nun aber alle Visa- und Mastercard-Vertragspartner nutzen können.

    Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war der Name Spendit falsch geschrieben. Das wurde korrigiert.

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