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Steuern

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Bayer sorgt für Frust

Für den größten Frust in der Nachbarschaft aber sorgt seit Jahren die Steuerpraxis des Leverkusener Chemiegiganten Bayer. Der sitzt zwar seit jeher mit Teilen seiner Pflanzenschutzsparte in Monheim, es ist jedoch unübersehbar, dass mehr und mehr Unternehmensteile nach Monheim wandern, seit dort die Steuersätze sinken. Erst 2012 schuf der Konzern die Tochter Bayer Intellectual Property, die das Lizenzmodell nach dem Prinzip Henkel und BASF betreibt. Rund 30 Millionen Euro soll Bayer allein mit dieser Tochter an Steuern in Monheim lassen, ließ sich der frustrierte Oberhausener Kämmerer vor einiger Zeit mal zitieren. Und damit nicht genug: 2015 wechselte die Crop Science Beteiligungsgesellschaft von Leverkusen nach Monheim, auch die beiden Immobiliengesellschaften der jüngst ausgegliederten Tochter Covestro residieren seit vergangenem Jahr hier.

Welche Steuerausfälle das konkret mit sich bringt, ist schwer zu sagen. Allerdings kassiert die ein Viertel so große Stadt Monheim heute viermal so hohe Einnahmen aus Gewerbesteuern wie Leverkusen. Insgesamt sind es 225 Millionen Euro, so viel wie in Dresden oder Duisburg. Man kann diese Zahl auch anders lesen: Würden alle Monheimer Unternehmen den durchschnittlichen deutschen Gewerbesteuersatz zahlen, dem Staat stünden rund 46 Millionen Euro mehr zur Verfügung.

Vor einem zumindest müssen sich die Konkurrenten vorerst nicht fürchten: dass Monheim die Steuern noch weiter absenken könnte. „Das lohnt sich dann auch für uns nicht mehr“, sagt Bürgermeister Zimmermann. Denn die Kommunen können eine Regel nicht verändern: Je niedriger der Satz, desto mehr der Steuereinnahmen müssen sie ans Land abführen. Zimmermann rechnet vor, was das für Monheim bedeutet: „Bei einem Steuersatz von 200 Punkten müssten wir 100 Prozent der Einnahmen abführen.“ Schon beim aktuellen Satz fließen fast 90 Prozent der Einnahmen in die Landeskasse. Dass sich die weiteren Absenkungen trotzdem lohnen, liegt auch daran, dass Zimmermann sich auch in einer anderen Hinsicht von den internationalen Steuerparadiesen inspirieren lässt.

So wurde Luxemburg immer wieder für sogenannte „tax rulings“ kritisiert, also Sondervergünstigungen für einzelne Unternehmen. So weit kann die Stadt Monheim nicht gehen. Dennoch tut Zimmermann, was er kann. Nach dem Prinzip: Wenn du nach Monheim kommst, gehe ich noch mal ein paar Punkte mit der Steuer runter. „Wir konnten dann die Ausfälle durch den sinkenden Steuersatz mit der konkreten Mehreinnahme gegenrechnen“, schildert Zimmermann die Logik solcher Deals aus Sicht der Stadt. Für die Unternehmen erst recht. Ein Geschäft in beidseitigem Interesse. Oder doch zulasten Dritter.

Kommentare (6)

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02.11.2016, 11:38 Uhr

In Eschborn gibt es auch einige Häuser mit zu vielen Firmenschildern und Briefkästen daran, denn Eschborn ist das hessische Monheim. Schön dass das mal im HB thematisiert wird!

Account gelöscht!

02.11.2016, 14:54 Uhr

Das würde es unter Putin und Trump nicht geben.
Die zwei zahlen ihre Steuer und wissen was sie ihrem Land schuldig sind.

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