Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2020

15:58

Steuern

So spenden Sie in Corona-Zeiten richtig

Von: Laura de la Motte

Die Hilfsbereitschaft ist während der Pandemie gestiegen. Wohltätig zu sein steigert nicht nur das Wohlbefinden – sondern zahlt sich auch steuerlich aus.

Am sinnvollsten sind Geldspenden, aber auch Gegenstände können gespendet werden und bei der Steuererklärung angegeben werden. dpa

Einkommensteuererklärung

Am sinnvollsten sind Geldspenden, aber auch Gegenstände können gespendet werden und bei der Steuererklärung angegeben werden.

Frankfurt Die aktuelle Corona-Pandemie bringt die wirtschaftliche Existenz vieler Familien und Unternehmen in Gefahr. Nicht nur der Staat, auch zahlreiche Privatpersonen und Unternehmen greifen Betroffenen unter die Arme. Sie bringen Lebensmittel zu Menschen, die in Quarantäne festsitzen oder besonders gefährdet sind.

Sie kaufen Gutscheine von Geschäften oder Restaurants, um sie finanziell flüssig zu erhalten, organisieren Masken für das Pflegeheim im Viertel oder spenden Geld für Künstler, Vereine und Organisationen.

Einige der guten Taten lassen sich von der Steuer absetzen. Manchmal eignen sich Spenden sogar, um besondere Steuervorteile oder staatliche Zuschüsse zu erhalten. Die steuerliche Anerkennung wurde für explizite Corona-Spenden sogar vereinfacht. Doch nicht jede Unterstützung erkennt der Fiskus an. Und nicht jeder ist so bedürftig, wie er vorgibt. Daher gilt es, aufmerksam zu sein

Die Deutschen sind in diesem Jahr hilfsbereiter als im Vorjahr. „Unser Eindruck ist, dass die Menschen in Deutschland auch in der Corona-Pandemie sehr solidarisch sind und mehr spenden – ähnlich wie bei anderen außerordentlichen Katastrophen, über die medial berichtet wurde“, stellt Burkhard Wilke, Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), fest.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    „Nach unserer vorläufigen Schätzung dürfte das Spendenvolumen deshalb in diesem Jahr erneut wachsen und könnte fast elf Milliarden Euro erreichen“, sagt Wilke. 2019 wurden laut Daten des DIW in Deutschland insgesamt 10,5 Milliarden Euro gespendet.

    Mehr Spenden während des Lockdowns

    Die Spendenbereitschaft hat insbesondere während des ersten Lockdowns im Frühling merklich angezogen, zeigen Daten der „Bilanz des Helfens“ des Marktforschungsinstituts GfK im Auftrag des Deutschen Spendenrats. Im März spendeten die Menschen 13 Prozent, im April fünf Prozent und im Mai sieben Prozent mehr als im Vorjahr.

    Onlineplattformen wie Startnext, bei der normalerweise nur Gründer Geld für Projekte sammeln, riefen spezielle Hilfsaktionen ins Leben. Unternehmen, die vom Lockdown besonders hart getroffen sind, von der Musikkneipe bis zum Surfcamp, bitten um Unterstützung. Das Spendenportal Betterplace hat seinen Bereich Betterplace.me, der bisher Privatpersonen vorbehalten war, in der Coronakrise für Kleinbetriebe geöffnet.

    Wohltätig zu sein steigert nicht nur das Wohlbefinden, es zahlt sich auch aus – steuerlich. „Damit das Finanzamt eine Spende anerkennt, muss sie an eine gemeinnützige, mildtätige, kirchliche oder religiöse Organisation oder an eine öffentliche bzw. staatliche Institution gehen“, erklärt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer beim Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine (BVL). Der Empfänger muss seinen Sitz in Deutschland oder der EU haben und darf für die Spende keine Gegenleistung erbringen.

    Gemeinnützige Organisationen fördern Wissenschaft und Forschung, Religion, Jugend- und Altenhilfe oder Kunst und Kultur. Mildtätige Vereine kümmern sich beispielweise um das Tierwohl. Auch Mitgliedsbeiträge können zu den begünstigten Zuwendungen zählen und steuerlich geltend gemacht werden. Für Beiträge an Sportvereine oder andere Institutionen, die in erster Linie auf die private Freizeitgestaltung abzielen, gilt das jedoch nicht.

    „Um eine Spende absetzen zu können, braucht es immer einen entsprechenden Nachweis über den Wert“, weiß Rauhöft. Bei Sachspenden müsse dieser Wert gegebenenfalls geschätzt werden. Wer beispielsweise in der Corona-Pandemie Masken an eine öffentliche Einrichtung wie ein Pflegeheim spendet, sollte sich über deren Anschaffungspreis von dem Empfänger eine Spendenquittung ausstellen lassen. Handelt es sich um gebrauchte Gegenstände – zum Beispiel Kleidung oder Spielzeug -, muss der Spendenempfänger den Marktwert der Waren ermitteln und darüber eine Bescheinigung ausstellen. „Es bietet sich an, den Neupreis, die Nutzungsdauer und den Zustand zum Zeitpunkt der Spende zu dokumentieren, damit Sie den Marktwert der Sachspende nachweisen können“, rät das Verbraucherportal Finanztip.

    Spenden steuerlich absetzen

    Anerkannte Spenden können sich steuerlich richtig lohnen, denn sie zählen zu den Sonderausgaben. Diese mindern das zu versteuernde Einkommen, sobald die Sonderausgaben (ohne Vorsorgeaufwendungen) den Pauschbetrag von 36 Euro für Singles überschreiten.

    Sinkt das zu versteuernde Einkommen, sinkt auch die Steuerlast. Wie stark, hängt vom jeweiligen Einkommen des Steuerzahlers ab. Die Beteiligung des Fiskus ist jedoch gedeckelt auf maximal 20 Prozent des sogenannten Gesamtbetrags der Einkünfte.

    Dahinter verbirgt sich das Bruttojahreseinkommen abzüglich – falls zutreffend – des Altersentlastungsbetrags, des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende oder eines speziellen Betrags für Land- und Forstwirte.

    Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 70.000 Euro, der 9,0 Prozent Kirchensteuer zahlt, spendet im Jahr 2020 insgesamt 1000 Euro. Dadurch ergibt sich eine Steuerersparnis von 481 Euro. De facto hat er 1000 Euro gespendet, ihn hat es aber nur 519 Euro gekostet. Spendet er 6000 Euro, kostet ihn das nur 3015 Euro.

    Auch in anderen Situationen kann die 20-Prozent-Grenze relevant werden. Denn Spenden können sehr geschickt genutzt werden: „Bei Abfindungen, die ermäßigt besteuert werden, können zusätzliche Sonderausgaben zu einer sehr hohen Steuerersparnis führen“, weiß BVL-Experte Rauhöft. Zahlungen, die von der Höhe des zu versteuernden Einkommens abhängen, könnten durch Spenden gezielt optimiert werden, so der Experte.

    Sonderregel für Parteispenden

    Wer so sein zu versteuerndes Einkommen auf unter 25.600 Euro (2021: 35.000 Euro) drückt und einige weitere Kriterien erfüllt, kann zum Beispiel die Wohnungsbauprämie beantragen.

    20 Prozent mag auf den ersten Blick viel sein. Für Rentner, die nur geringe Bezüge, aber ein gutes Vermögen haben und daraus spenden, kann die Schwelle aber schnell erreicht werden. Seit Jahren tauchen die über 70-Jährigen in der GfK-Statistik für den Spendenrat als besonders großzügige Gruppe auf.

    Wer doch mal mehr spendet, als direkt absetzbar ist, für den geht der Steuervorteil nicht verloren. Das Finanzamt trägt den nicht genutzten Betrag aufs nächste Jahr vor. „In der Steuererklärung des Folgejahres setzen Sie in der Anlage Sonstiges in Zeile 6 ein Kreuz, dann berücksichtigt das Finanzamt den verbleibenden Teilbetrag“, erklärt Finanztip.

    Eine Sonderregel gibt es für Parteispenden beziehungsweise -mitgliedsbeiträge. Bis zu einem Betrag von 1650 Euro (für zusammenveranlagte Paare gelten die doppelten Beträge) können diese Aufwendungen eingereicht werden. Die Hälfte davon – also maximal 825 Euro – werden sofort von der Steuerschuld abgezogen. „Der Betrag, der 1650 Euro übersteigt, kann zudem wie normale Spenden als Sonderausgaben geltend gemacht werden“, so Rauhöft.

    Wer besonders viel Geld übrig hat und dieses in den Vermögensstock einer Stiftung steckt, kann Beträge bis zu einer Million Euro über zehn Jahre als Sonderausgaben ansetzen.

    Spendenbescheinigung

    Damit die Spenden vom Finanzamt tatsächlich anerkannt werden, benötigen Verbraucher eine sogenannte Zuwendungsbestätigung, die gewisse amtliche Vorgaben erfüllen muss. Spendenorganisationen erstellen eine solche Bescheinigung häufig automatisch aus.

    Dennoch brauchen sie der Steuererklärung nicht beigefügt werden. „Das Finanzamt glaubt dem Steuerzahler zunächst einmal, dass er die von ihm angegebenen Spenden tatsächlich getätigt hat“, beobachtet Rauhöft. „Für eine etwaige Prüfung, muss der Nachweis aber ein Jahr lang nach Zugang des Steuerbescheids aufgehoben werden“, mahnt er.

    Bei Beträgen bis zu 200 Euro genügt eine Buchungsbestätigung der Bank – etwa der Kontoauszug – oder ein Bareinzahlungsbeleg. Diese vereinfachte Regelung gilt laut Bundesfinanzministerium bis Ende dieses Jahres auch für Spenden in beliebiger Höhe, wenn sie als für Corona-Hilfen gelten.

    Der steuerliche Vorteil ist für die meisten Spender nicht die einzige Motivation. Das Geld soll auf jeden Fall nur Bedürftigen zugutekommen. Speziell für Corona-Betroffene hat das DIZ beispielsweise eine Liste an Organisationen erstellt, die Spenden sammeln und Hilfe leisten.

    Der Bundesverband Verbraucherzentrale empfiehlt grundsätzlich vorsichtig zu sein, wenn die Werbepost – statt Daten und Fakten zu liefern – allein auf Gefühle zielt. Emotionsgeladene Texte und Mitleid erregende Fotos seien Kennzeichen unseriöser Werbung. Glaubwürdig hingegen sind klare, aussagekräftige Informationen und authentische Fotos mit einem erkennbaren Bezug zum jeweiligen Spendenzweck. Wichtig ist zudem eine übersichtliche Darstellung der Mittelverwertung.

    Hilfsorganisationen und Transparenz

    Um Transparenz in die Aktivitäten von Organisationen zu bringen, wurden Siegel, Auszeichnungen und Selbstverpflichtungsrichtlinien geschaffen. Siegel gibt es vom DIZ, Phineo oder der Deutschen Evangelischen Allianz.

    Auch eine Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat, VENRO, oder bei der Initiative Deutsche Zivilgesellschaft sind gute Indikatoren. Weil beispielsweise das DIZ-Siegel Geld kostet, verzichten kleinere oder lokale Einrichtungen aber häufig darauf, das Fehlen ist also nicht per se ein schlechtes Zeichen.

    Das Onlineportal Helpdirect listet für über 1000 Hilfsorganisationen detailliert auf, welche Transparenzvorschriften sie erfüllen, und erstellt daraus ein Ranking. Auch das DIZ hat in seiner Datenbank über 1000 Organisationen, die es hinsichtlich transparenter Mittelverwendung prüft, um Empfehlungen auszusprechen.

    Die allermeisten Organisationen sind seriös. Aber das DIZ führt auch eine Negativliste. Zu den momentan vier schwarzen Schafen zählt zum Beispiel Child Help: Die Organisation verschicke aufwendige Geschenke als Dank für noch nicht geleistete Spenden. Auch von Spenden an das Kinderkrebswerk wird abgeraten, da der Verein keine Hilfsmaßnahmen für betroffene Kinder nachweisen könne.

    Keine Organisation ist dem DZI zu einer Auskunft verpflichtet. Aber bei einigen Spendensammlern moniert das Institut, dass sie selbst auf ihrer Internetpräsenz nur unzureichende Informationen zur Verfügung stellen. Dazu zählen auch bekannte Organisationen wie der Kinderschutzbund Bundesverband oder die Stiftungen von Ex-Eiskunstläuferin Katharina Witt und Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz.

    Besser mehr Geld an wenige Organisationen

    Statt das Geld per Gießkannenprinzip zu verteilen, sollten Spender wenigen Einrichtungen größere Beträge zukommen lassen. „Es ist besser, 100 Euro an eine Organisation zu spenden, als zehn Euro an zehn verschiedene“, empfiehlt Wilke. Denn jede Spende verursache Verwaltungskosten. „Außerdem werden Sie in die Spenderdateien aufgenommen und erhalten künftig umso mehr Werbung“, warnt er.

    Wer statt Hilfsorganisationen gerade jetzt in der Coronakrise lieber betroffene Unternehmer unterstützen will, für den hat Wilke einen Tipp. „Damit Ihre Spende bei den Richtigen ankommt, sollten Sie sich im lokalen Umfeld Empfänger aussuchen, zu denen Sie ein Vertrauensverhältnis haben.“ Das gelte auch für Kleinunternehmen, die zum Beispiel auf Onlineplattformen wie Startnext oder Betterplace.me um Hilfe bitten.

    „Bei Einzelpersonen, die über Dienste wie Gofundme oder Facebook Geld sammeln, empfehlen wir Spenden nur, wenn die Person zum persönlichen Bekanntenkreis gehört. Denn hier gab es schon Betrugsfälle, und die Plattformen lassen die Spendenden bei der Seriositätsprüfung leider allein“, warnt der DZI-Mann.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×