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24.11.2022

16:28

Steuern

Vorbild Frankreich und Schweden – Deutsches Aktieninstitut schlägt steuerfreie Anlagesparkonten vor

Von: Laura de la Motte

Wie könnte Aktiensparen besser gefördert werden? Die Bundesregierung will Anleger durch Steuerfreibeträge von Aktien überzeugen. Das DAI macht nun einen neuen Vorschlag.

Nur rund 17 Prozent der Deutschen hatten 2021 Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt. dpa

Der Bulle an der Börse in Frankfurt Main

Nur rund 17 Prozent der Deutschen hatten 2021 Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt.

Frankfurt Die Inflation frisst das Ersparte der Deutschen auf. Ein Ausweg ist, das Geld am Kapitalmarkt anzulegen. Doch viele scheuen das Risiko: Nur rund 17 Prozent der Deutschen hatten 2021 Geld in Aktien oder Aktienfonds angelegt. Das zeigen die jüngsten Daten des Deutschen Aktieninstituts (DAI). In den USA oder Schweden sind es dagegen über 50 Prozent.

Das Institut stellte am Donnerstag einen Vorschlag vor, wie man den deutschen Anlegern Aktien schmackhafter machen könnte: über sogenannte Anlagesparkonten. Länder wie Großbritannien, Frankreich oder eben Schweden machen es vor und bringen darüber – wenn auch in unterschiedlichem Maße – mehr Bürger zum Aktieninvestment.

Die Idee der Anlagesparkonten: Der Gesetzgeber definiert einen Anlagebetrag, der jährlich oder insgesamt in Aktien und Aktienfonds gespart werden kann. Dividenden und Kursgewinne aus Ersparnissen auf Anlagesparkonten wären dann steuerfrei. Da der Betrag, der auf ein solches Ansparkonto eingezahlt werden kann, gedeckelt ist, können große Vermögen von den Anreizen des Anlagesparkontos nicht profitieren.

Auch die Bundesregierung hat sich vorgenommen, die Aktienkultur in Deutschland zu verbessern. Bereits im Sommer hatte sie Eckpunkte für ein „Zukunftsfinanzierungsgesetz“ vorgestellt. Ende November soll ein entsprechender Referentenentwurf veröffentlicht werden, und bis Sommer 2023 soll das Gesetz verabschiedet werden.

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    Damit soll für Privatanleger ein Steuerfreibetrag speziell für Gewinne aus Geschäften mit Aktien oder Aktienfonds eingeführt werden. Unklar ist, wie hoch dieser sein soll. „Der Vorschlag stellt auf jeden Fall eine Verbesserung des Status quo dar, allerdings muss dieser Freibetrag auch hoch genug sein. 100.000 Euro insgesamt pro Person, wie sie für Altbestände aus Fonds gelten, wären ein guter Wert“, sagte Norbert Kuhn, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Kapitalmärkte beim DAI am Donnerstag.

    Aktien und Anleihen werden ungleich besteuert

    Doch der Freibetrag löst nicht ein Kernproblem, das in den Augen des DAI besteht: die steuerliche Bevorzugung von festverzinslichen Anlagen gegenüber Aktien seit der Einführung der Abgeltungsteuer 2009.

    Seither werden Gewinne von Unternehmen mit 30 Prozent Unternehmensteuern belastet. Der Rest geht an den Aktionär, der wiederum noch 25 Prozent Abgeltungsteuer darauf zahlen muss. So bleiben unterm Strich von 100 Euro nur rund 53 für den Aktionär übrig. Bei festverzinslichen Wertpapieren wird hingegen nur Abgeltungsteuer fällig, sodass von 100 Euro 75 beim Anleger ankommen.

    „Um dem Ziel ,Steuergerechtigkeit für die Aktienanlage‘ näherzukommen, müssten die Rahmenbedingungen von vor 2009 wiederhergestellt werden“, meint Kuhn. Kursgewinne aus Aktien müssten nach einer Haltefrist von einem Jahr wieder komplett steuerfrei sein und Dividenden nur anteilig besteuert werden.

    Doch die Forderung ist aktuell politisch nicht durchsetzbar. Daher schlägt das DAI nun das Anlagesparkonto vor: „Das Anlagesparkonto ist das ideale Instrument, um die steuerliche Diskriminierung der Aktienanlage auf ein Minimum zu reduzieren und sollte daher in Erwägung gezogen werden“, erklärt Kuhn.

    Auch auf EU-Ebene wurde das Konzept im Rahmen der Kapitalmarkunion bereits diskutiert, berichtet er. Aufgrund der Steuerhoheit der einzelnen Länder kann die EU solche Konten jedoch den Mitgliedsstaaten nicht vorschreiben.

    Anlagesparkonten als steuerfreie Aktienanlage

    In Großbritannien können die Sparer mit „Individual Saving Accounts“ jährlich bis zu 20.000 Pfund steuerfrei ansparen. Eine Haltefrist gibt es nicht. In Frankreich gibt es mit dem „Plan d’Epargne en Actions“ und in Italien mit dem „Piani individuali di risparmio a lungo termine“ ebenfalls Möglichkeiten, ein finanzielles Polster anzusparen. Beide fordern eine fünfjährige Haltedauer. In Italien muss zudem ein bestimmter Anteil des Vermögens in italienische Unternehmen angelegt werden.

    Das DAI hält einen Betrag von 5000 Euro, der jährlich steuerfrei angelegt werden darf, für sinnvoll. „Die Auflage, einen bestimmten Anteil in heimische Unternehmen zu investieren, sehen wir aufgrund einer schlechteren Risikostreuung aber eher kritisch“, betont Kuhn.

    Das Konzept der Anlagesparkonten schafft im Vergleich zu der Steuerfreiheit von Kursgewinnen mehr Steuergerechtigkeit. Da für die Gelder auf den Anlagesparkonten keine Steuern anfallen, tragen die Aktionäre nur die Unternehmensteuer von 30 Prozent. Das bedeutet fast eine Steuergerechtigkeit im Vergleich mit festverzinslichen Wertpapieren.

    In Großbritannien nutzen 20 Millionen Menschen das dortige Anlagesparkonto, das sind knapp 30 Prozent der Bevölkerung. In Frankreich sind es nur 6,6 Millionen, was einem Anteil von zehn Prozent der Bevölkerung entspricht. Unklar ist, ob die Deutschen ihr Anlageverhalten aber überhaupt ändern würden. „Die Deutschen sind sicherheitsbewusster und haben eine andere Einstellung zu Aktien“, räumt Kuhn ein.

    Aber das ließe sich seiner Meinung nach durch steuerliche Anreize ändern. „Anlagesparkonten, die einfach zu verstehen sind, sind zudem eine niedrige Einstiegshürde in den Aktienmarkt“, argumentiert der DAI-Experte.

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