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04.07.2022

09:54

Studie

Digitalisierung und Recht: Regulierung überfordert Unternehmen

Von: Marcus M. Schmitt

Datengetriebene Geschäftsmodelle sind ein entscheidender strategischer Baustein der meisten Firmen. Doch es mangelt an einer praktikablen europäischen Gesetzesgrundlage.

Rechtsabteilungen müssen die regulatorische Nachhaltigkeit von Datenstrategien hinterfragen, die Rechtmäßigkeit der Geschäftsmodelle gewährleisten und die zentrale Ressource, Daten, beschaffen und absichern. Bloomberg

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Rechtsabteilungen müssen die regulatorische Nachhaltigkeit von Datenstrategien hinterfragen, die Rechtmäßigkeit der Geschäftsmodelle gewährleisten und die zentrale Ressource, Daten, beschaffen und absichern.

Brüssel Die komplexe Regulierung datengetriebener Geschäftsmodelle überfordert europäische Unternehmen. Das ergibt sich aus der europaweiten Studie „Data-driven business models – the role of legal teams in delivering success“ der European Company Lawyers Association (ECLA) in Kooperation mit der internationalen Wirtschaftskanzlei Osborne Clarke.

Die Ergebnisse sind aufschlussreich. Datengetriebene Geschäftsmodelle sind ein ganz entscheidender strategischer Baustein der meisten Unternehmen. 61 Prozent der befragten Unternehmen bieten sie bereits an, weitere 26 Prozent befinden sich in der Planungs- beziehungsweise Umsetzungsphase.

Das verwundert in Zeiten von Künstlicher Intelligenz, Smart Data, dem Internet of Things und der allgegenwärtigen Digitalisierung nicht. Umso gravierender ist aber, dass 67 Prozent der befragten Inhouse-Juristen in Europa den regulatorischen Rahmen als größtes Hindernis für die Umsetzung datenbasierter Geschäftsmodelle ansehen. Hier drohen im globalen Vergleich Wettbewerbsnachteile.

Rechtsabteilungen rücken daher zunehmend in die Rolle eines Mitgestalters von Wachstum und Wandel. Sie müssen die regulatorische Nachhaltigkeit von Datenstrategien hinterfragen, die Rechtmäßigkeit der Geschäftsmodelle gewährleisten und die zentrale Ressource, Daten, beschaffen und absichern.

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    Viele Unternehmen (33 Prozent) haben erhebliche Schwierigkeiten beim Zugang zu Daten aus externen Quellen, sogar die Nutzung interner Daten stellt bei 28 Prozent der Unternehmen ein Problem dar.

    „Zugang zu Daten ist eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit. Das sehen wir täglich in unserer Beratungspraxis. Gerade der Zugang zu Daten aus externen Quellen stellt Unternehmen aber vor große Schwierigkeiten. Gleichzeitig bleiben manche Datenquellen möglicherweise ungenutzt. Unternehmen müssen sich damit befassen, wie der Zugang zu Daten notfalls auch durchgesetzt werden kann“, so Elisabeth Macher, Counsel und IP-Expertin von Osborne Clarke.

    Verschwendung von Zeit und Geld

    Aktuell versucht der EU-Gesetzgeber zwar, mit verschiedenen Gesetzgebungsinitiativen wie dem Data Act, dem Data Governance Act, dem Digital Markets Act und dem Artificial Intelligence Act das europäische Datenökosystem umzugestalten und zu öffnen. Doch auch insoweit ergeben sich neue regulatorische Fragestellungen.

    Jens Schefzig, Partner bei Osborne Clarke, Experte für Datenrecht, ordnet die Ergebnisse ein: „Ein sehr gutes Verständnis der Datenregulierung ist erforderlich, um erfolgreich datengetriebene Geschäftsmodelle umzusetzen. Fehlt es, verschwenden Unternehmen im schlimmsten Fall Geld und Zeit. Die bereits geplante weitere Regulierung wird die Situation verschärfen.“

    In verschiedenen Fallstudien und Analysen zeigt die Studie auch Lösungsansätze auf. Rechtsabteilungen müssen gezielt Kompetenzen in der Datenregulierung aufbauen und auch ihre Methoden pragmatisch an die besondere Dynamik datengetriebener Geschäftsmodelle anpassen.

    Statt die Juristen am Ende eines Projektes um eine Freigabe zu bitten, sollte die moderne Rechtsabteilung von der Datenstrategie über die Data Governance hin zu einzelnen Umsetzungsprojekten konsequent eingebunden sein, um die Untiefen der Datenregulierung zu umschiffen.

    Gelegenheiten für die Einbindung der Juristen gibt es genug: Themen wie die Einführung von Connected Devices, das Pooling von Daten über Kundengruppen hinweg oder der Datenaustausch in der Wertschöpfungskette beschäftigen fast alle Unternehmen. Und das Recht spielt immer eine entscheidende Rolle.

    Marcus M. Schmitt ist Rechtsanwalt und General Manager der European Company Lawyers Association (ECLA) in Brüssel. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift „In-house Counsel“.

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