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28.11.2022

13:50

Votum

ESG-Regularien sind Wettbewerbsnachteil für europäische Unternehmen

Von: Marcus Schmitt

Damit sich europäische Unternehmen nicht dem Vorwurf des Neokolonialismus ausgesetzt sehen, müssen Standards zu Umwelt, Sozialem und Unternehmensführung weltweit gelten.

Entlang ihrer gesamten Lieferkette müssen europäische Unternehmen für faire Arbeitsbedingungen sorgen. IMAGO/Joerg Boethling

Textilfabrik im indischen Tiruppur

Entlang ihrer gesamten Lieferkette müssen europäische Unternehmen für faire Arbeitsbedingungen sorgen.

Frankfurt Die Gesetzgeber in Europa schaffen stetig Herausforderungen für Unternehmen hinsichtlich ESG (Environment, Social & Governance), sei es bei der Verschärfung des Umweltstrafrechts, der Prüfung von Lieferketten oder der Schaffung nachhaltiger Finanzen. Hinzu kommen Sanktionen für etwaiges Green-, Blue-, Pink- und Whitewashing.

Mit diesen Vorgaben treten europäische Unternehmen somit gezwungenermaßen als Botschafter des europäischen Rechts auf den internationalen Märkten auf. Nicht immer werden sie dabei mit offenen Armen empfangen. Insbesondere in Entwicklungsländern ist das Unverständnis groß, wenn der eigene Gesetzgeber keine vergleichbar hohen Anforderungen stellt. Einige europäische Unternehmen müssen sich bei Verhandlungen mit Zulieferern im nicht-europäischen Ausland sogar den Vorwurf des Neokolonialismus gefallen lassen.

Unbestritten ist, dass die ESG-Vorgaben ein legitimes Ziel verfolgen. Vergleichbar hohe und gesetzlich formulierte Anforderungen wird es ohne Weiteres jenseits des Atlantiks auch in Zukunft kaum geben. Dort und in Asien befinden sich die Hauptwettbewerber, die weniger bis keine Auflagen erfahren.

Somit scheint Europa hier nicht nur mit gutem Beispiel voranzugehen, sondern einen Alleingang zu vollziehen – mit entsprechenden Wettbewerbsnachteilen für eigene Unternehmen. Daher ist es dringend notwendig, gemeinsame hohe Standards im transatlantischen Kontext zu schaffen.

Marcus M. Schmitt ist Rechtsanwalt und General Manager der European Company Lawyers Association (ECLA) in Brüssel. Dieser Artikel stammt aus der Kooperation zwischen dem Handelsblatt und der Fachzeitschrift „In-house Counsel“.

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