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22.04.2019

15:14

Studie

Markt der Robo-Advisors beginnt sich zu konsolidieren

Von: Anke Rezmer

Automatisierte Geldanlage liegt im Trend. Doch eine Studie zeigt: Anleger probieren Robo-Advisors aus, menschlicher Kontakt bleibt aber entscheidend.

Ob Roboter erfolgreichere Anlageberater sind als Menschen, muss sich erst noch erweisen. Imago/Westend61

Automatisierte Geldanlage

Ob Roboter erfolgreichere Anlageberater sind als Menschen, muss sich erst noch erweisen.

FrankfurtWerden Anleger ihr Erspartes vollständig Maschinen anvertrauen? Und welche dieser „Robo-Advisors“ werden überzeugen? Eine Analyse der Unternehmensberatung Oliver Wyman, die dem Handelsblatt vorliegt, ergibt: Längst nicht alle der über 40 Anbieter automatisierter Vermögensverwaltung in Deutschland dürften überleben. Außerdem spielt menschlicher Kontakt immer noch eine Schlüsselrolle.

„Die Stunde der Wahrheit steht noch aus“, sagt Matthias Hübner, Partner bei Oliver Wyman. Der Markt beginne, sich zu konsolidieren. Bisher erreichten die Robo-Advisors vor allem digital- und finanzaffine Anleger. Kunden von Banken oder traditionellen Vermögensverwaltern probierten die automatisierte Anlage mit einem Teil ihres Kapitals aus.

Die Anbieter sind junge Unternehmen und bankeigene Robos. Sie setzen bei der Kundenansprache und teils auch bei der Depotsteuerung auf automatisierte Prozesse und nutzen meist günstige Indexfonds (ETFs). Das verwaltete Vermögen hat sich in Deutschland 2018 mehr als verdoppelt auf 2,8 Milliarden Euro. Es dürfte 2019 weiter auf fünf bis sechs Milliarden Euro zulegen, schätzt Hübner. Dennoch wachsen die Bäume in dem jungen Segment nicht in den Himmel. Ursprünglich war Oliver Wyman für 2019 von zehn Milliarden Euro gemanagtem Kapital ausgegangen.

Der Experte sieht mehrere Gründe für eine gewisse Ernüchterung. Viele Anbieter haben die Bedeutung einer bekannten und als vertrauenswürdig empfundenen Marke und die Kosten für die Kundengewinnung unterschätzt. Nach Schätzungen aus der Branche wird nur jeder 40. Interessent tatsächlich Kunde. „Klassische Vermögensverwaltung ist in Deutschland reines Empfehlungsgeschäft“, bestätigt Harald Braml, Analyst beim Berater Fonds Consult. Es gebe „enorme Trägheit“ im System.

Am erfolgversprechendsten gilt für junge Unternehmen, mit einer Bank eine Partnerschaft einzugehen und damit Zugang zu einem starken Vertrieb zu bekommen. Als Vorbild gilt Scalable Capital. Die Firma profitiert von ihrer Kooperation mit der Direktbank ING-Diba und deckt rund die Hälfte des deutschen Marktes ab.

Markt bietet nur Platz für rund ein Dutzend Anbieter

Doch die meisten Banken bieten selbst Robos an. Beispiele sind Robin von der Deutschen Bank, Cominvest von der Commerzbank-Tochter Comdirect, Bevestor von der Deka aus der Sparkassengruppe und Visualvest von der genossenschaftlichen Union Investment. Aber einige Banken pushten ihre Robos aus Angst vor einer Kannibalisierung ihres ertragreicheren traditionellen Geschäfts gar nicht, sagt Hübner. Außerdem haben viele Menschen bekanntlich kein besonderes Interesse am Thema Geldanlage.

Hübner empfiehlt Banken Modelle, bei denen automatisch ein Geldbetrag, der am Monatsende noch auf dem Konto steht, bei einem Robo-Advisor angelegt wird. Voraussetzung ist, dass der Sparer bereits eine eiserne Reserve gebildet hat.

Ein Erfolgsmodell der Zukunft wird seiner Ansicht nach ein hybrides Modell aus automatisiertem Anlageprozess und „menschlicher Interaktion“ wie Telefonaten und Chats sein. Viele Menschen wollten einen Ansprechpartner haben: um technische Hilfe zu bekommen, Meinungen auszutauschen oder Rat einzuholen.

Grafik

Allerdings müssen sich die Robos noch beweisen. Erst wenn die Kapitalmärkte in einen Abschwung geraten, werde sich zeigen, ob Mensch oder Maschine das Kundenkapital besser managt, sagt Hübner. Darüber entscheiden nach Ansicht Bramls von Fonds Consult auch die Gebühren. Sie fallen bei den Robos sehr unterschiedlich aus.

Hübner sieht am Markt Platz für rund ein Dutzend Anbieter, die es schaffen, die Schwelle von 100 Millionen Euro Vermögen zu überwinden. Bisher nennen allerdings, abgesehen von Scalable, nur wenige Anbieter ein deutlich dreistelliges Millionenvermögen. Dazu gehören Cominvest, die HQ Trust-Tochter Liqid und Quirion von der Quirin-Bank.

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