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30.09.2019

15:55

Teuerungsrate

Inflation in Deutschland fällt auf tiefsten Stand seit Anfang 2018

Die Inflation in Deutschland hat sich im September weiter abgeschwächt und liegt aktuell bei 1,2 Prozent. Grund waren vor allem gesunkene Energiepreise.

Die Entwicklung der Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Währungshüter. dpa

Einkaufswagen

Die Entwicklung der Inflationsrate ist ein wichtiger Gradmesser für die Währungshüter.

Wiesbaden Die Verbraucherpreise in Deutschland sind im September wegen fallender Energiekosten so gering gestiegen wie seit anderthalb Jahren nicht mehr. Die Inflationsrate gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI) sank auf 1,2 Prozent nach 1,4 Prozent im August, wie das Statistische Bundesamt am Montag in einer ersten Schätzung mitteilte. Das ist der niedrigste Wert seit Februar 2018.

Befragte Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 1,3 Prozent vorhergesagt. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für die Euro-Zone als Ganzes mittelfristig einen Wert von knapp zwei Prozent an, der als ideal für die Konjunktur gilt. Dieses Ziel wird jedoch seit Jahren verfehlt.

Um die Inflation anzuschieben hat die EZB Mitte September eine weitere Lockerung ihrer Geldpolitik beschlossen. Sie will ihre umstrittenen Anleihezukäufe mit monatlich 20 Milliarden Euro wieder aufnehmen und senkte die Zinsen. Außerdem stellte sie eine noch längere Niedrigzinsphase in Aussicht.

„Die sinkenden Preissteigerungsraten sind erfreulich für Verbraucher und betrüblich für alle Freunde höherer Zinsen“, sagt Sebastian Wanke, Ökonom der KfW. Perspektivisch geht er angesichts der mauen Konjunktur in Deutschland von einer noch niedrigeren Inflation aus.

Commerzbank-Ökonom Marco Wagner sieht die Aussichten etwas positiver. Den Rückgang der Inflation im September führt er vor allem auf niedrigere Energie- und Nahrungsmittelpreise zurück. So fielen die Energiepreise im September um 1,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im August waren sie noch um 0,6 Prozent gestiegen. Nahrungsmittel verteuerten sich mit 1,3 Prozent im September nur noch halb so stark wie im August.

Nach Berechnungen der Commerzbank stieg die so genannte Kerninflation, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel rausgerechnet werden, für Deutschland sogar leicht von 1,4 auf 1,5 Prozent. Die EZB achtet stark auf die Kerninflation, weil sie als guter Indikator dafür gilt, ob die Preissteigerung nachhaltig ist.

Steigende Löhne in Deutschland

Wagner sieht bei der Kerninflation nach wie vor einen leichten Aufwärtstrend. Aus seiner Sicht dürfte sich dieser auf mittlere Sicht fortsetzen. „Trotz der aktuellen konjunkturellen Schwäche befindet sich der Arbeitsmarkt in Deutschland in einer robusten Verfassung“, schreibt er.

Zuletzt sind die Löhne in Deutschland etwas stärker gestiegen. EZB-Präsident Mario Draghi und andere Notenbanker hatten daher die Hoffnung geäußert, dass sich die höheren Löhne auch in steigenden Preisen niederschlagen. Durch die aktuelle Konjunkturschwäche wird das aber immer ungewisser. „Wir sehen, gerade auch in Deutschland, dass die Löhne anziehen“, hatte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane jüngst im Interview mit dem Handelsblatt gesagt.

Eine Zeit lang seien auch die Preise gefolgt. Aber die Unternehmen spürten jetzt große Unsicherheit, vor allem durch den Brexit und den Handelskonflikt. „Deswegen zögern sie, die Steigerung der Lohnkosten an die Kunden weiterzugeben.“

An den Finanzmärkten gibt es zunehmende Zweifel, ob die Inflation im Euro-Raum in absehbarer Zeit auf rund zwei Prozent steigt. Vor allem die sogenannten marktbasierten Inflationserwartungen sind stark gefallen. Ein viel beachtetes Barometer für die Inflationserwartungen für die Zeit ab 2024 lag zuletzt nur bei rund 1,2 Prozent. Investoren gehen somit davon aus, dass die Inflation ab 2024 über einen Zeitraum von fünf Jahren lediglich bei knapp 1,2 Prozent liegt.

Mehr: Die EZB muss sich dringend erneuern, kommentiert Handelsblatt-Redakteur Frank Wiebe.

Kommentare (1)

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Herr Hans A.K. Dr. Edelmann

30.09.2019, 17:33 Uhr

Eine eigentümliche Zahl, die manchem zur Rechtfertigung dient. Wer aber in Deutschland lebt, der merkt, dass manches Lebensnotwendige, insbesondere für alte Bürger, gar nicht erfasst wird. Der damit Hand in Hand gehende Vermögensverlust wird schweigend hingenommen, trifft uns aber alle, die der Krieg zurückgelassen hat.

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