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19.06.2019

21:20

US-Notenbank

Fed lässt Leitzinsen unverändert und deutet mögliche Senkung an

Die US-Notenbank Fed lässt die Zinsen vorerst unverändert. Doch das könnte sich ändern, falls die US-Wirtschaft in den kommenden Monaten schlechter läuft.

Die US-Notenbank hatte nach der Nullzinspolitik in der Finanzkrise im Jahr 2015 damit begonnen, den Leitzins allmählich zu normalisieren. dpa

Gebäude der Federal Reserve

Die US-Notenbank hatte nach der Nullzinspolitik in der Finanzkrise im Jahr 2015 damit begonnen, den Leitzins allmählich zu normalisieren.

WashingtonDie US-Notenbank Federal Reserve (Fed) lässt die Zinsen unverändert. Die Notenbanker deuteten am Mittwoch aber eine Senkung der Leitzinsen in den kommenden Monaten an, falls sich der Ausblick für die US-Wirtschaft verschlechtert. An den Märkten wird nun bereits für Juli mit einer Kappung des Leitzinses gerechnet.

Fast die Hälfte der Währungshüter ist der Ansicht, dass in der zweiten Jahreshälfte niedrigere Zinsen angemessen sein dürften. Der Chef des Fed-Bezirks St. Louis, James Bullard, drang auf eine sofortige Senkung, wurde jedoch überstimmt. Im Mittel blieb das Führungspersonal bei der Prognose, dass das Niveau so bleiben könnte. Im Begleittext zu der geldpolitischen Entscheidung strich die Fed allerdings das Schlüsselwort „geduldig“, das bislang eine anhaltende Zinspause signalisiert hatte.

Fed-Chef Jerome Powell hatte jüngst eine „angemessene Reaktion“ auf konjunkturelle Auswirkungen des internationalen Handelsstreits in Aussicht gestellt und damit die Tür für Zinssenkungen aufgestoßen.

Die Finanzmärkte reagierten relativ gelassen auf die Entscheidung. Die Renditen der US-Anleihen gaben nach. An der US-Börse stieg der S&P-500-Index leicht an. Der Goldpreis verteuerte sich leicht.

„Die Fed hat dem Druck widerstanden, die Zinsen zu senken. Damit hält sie sich alle Optionen für das Juli-Treffen offen, und somit weitere Wirtschaftsdaten sowie den Verlauf des G20-Gipfels in Japan abzuwarten“, kommentierte Ökonom Andrew Harman von First State Investments die Entscheidung.

Für die weitere konjunkturelle Entwicklung bleibt die Notenbank trotz zuletzt eher enttäuschender Wirtschaftsdaten positiv gestimmt. Demnach rechnen die Währungshüter in diesem Jahr mit einer Zunahme der Wirtschaftsleistung um 2,1 Prozent. Im kommenden Jahr wird ein Wachstum von 2,0 Prozent erwartet. Das sind 0,1 Prozentpunkte mehr als bisher angenommen.

Investoren hatten für diese Sitzung mehrheitlich noch mit keiner Zinssenkung gerechnet. In den nächsten Monaten kalkulieren sie aber mit bis zu drei Zinssenkungen, um einer möglichen Rezession gar nicht erst eine Chance zu geben.

Basierend auf Daten der CME Group rechneten die Märkte im Juni nur zu 20 Prozent mit einem Zinsschritt, aber zu 85 Prozent mit einer Absenkung um einen Viertel- oder einen halben Prozentpunkt im Juli, schrieb Stefan Gerlach, Chefökonom der EFG Bank in Zürich. Im Dezember sahen sie demnach die Fed-Leitsätze nur noch in einer Spanne zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Zurzeit ist der Leitzins als Spanne zwischen 2,25 und 2,5 Prozent festgelegt.

Wie reagiert Trump?

Fed-Chef Powell sitzt zudem US-Präsident Donald Trump im Nacken, der beharrlich Zinssenkungen forderte. Vor dem wichtigen Zinsentscheid der US-Notenbank war sogar bekannt geworden, dass das Weiße Haus im Februar überprüft hatte, ob es legal wäre, Powell zu degradieren.

Auf die Frage, ob er Powell abzusetzen wolle, sagte der US-Präsident am Dienstagabend vor TV-Reportern: „Lasst uns sehen, was er macht.“ Er erwarte gleiche Wettbewerbsbedingungen von der Fed. Zuvor hatte sich Trump über die Ankündigung von EZB-Präsident Draghi geärgert, wenn nötig die Geldpolitik weiter zu lockern.

„Die Wirtschaftslage der USA ist nicht so schwach, dass eine rasche Zinssenkung notwendig wäre“, kommentierte Bastian Hepperle vom Bankhaus Lampe. „Diese hätte vielmehr den schalen Beigeschmack, die Fed gäbe dem beständigen Poltern von US-Präsident Donald Trump nach“, so der Ökonom. „Powell ist das Gegenteil einer Trump-Marionette: Er handelt wie ein unabhängiger, gestandener, weiser Notenbanker“, konstatierte Otmar Lang von der Targobank. „Nur eine Marionette hätte schon jetzt die Zinsen gesenkt und würde mindestens zwei weitere im späteren Jahresverlauf in Aussicht stellen, so wie es die Finanzmärkte fordern – was die Frage aufwirft, wer hier wirklich die Marionette ist.“

Die Fed hatte nach der Nullzinspolitik in der Finanzkrise im Jahr 2015 damit begonnen, den Leitzins allmählich zu normalisieren. Der derzeit gültige Satz liegt noch immer deutlich unterhalb des historischen Normalniveaus.

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