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16.03.2020

04:39

US-Notenbank

Fed senkt Leitzins auf fast null Prozent

Von: Astrid Dörner

Die US-Notenbank hat wegen des Coronavirus den Leitzins gesenkt. Zudem kündigt sie ein milliardenschweres Anleihekaufprogramm an.

Powell hatte bereits vor Wochen signalisiert, dass die Notenbank zu drastischen Schritten bereit sei, um die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stützen. AFP

Fed-Chef Jerome Powell

Powell hatte bereits vor Wochen signalisiert, dass die Notenbank zu drastischen Schritten bereit sei, um die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stützen.

New York Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Sonntag erneut außerplanmäßig und deutlich eingegriffen, um das Finanzsystem zu stabilisieren. Sie senkte unter anderem den Leitzins um einen ganzen Prozentpunkt auf die Spanne von null bis 0,25 Prozent. Zudem kündete sie ein neues Programm zum Kauf von Anleihen an, das mindestens 700 Milliarden Dollar schwer sein soll. Der Schritt folgte vor der Markteröffnung in Asien.

Planmäßig hätte die Fed am Dienstag und Mittwoch in Washington tagen sollen, doch Fed-Chef Jay Powell wollte so lange nicht warten, um neue Schritte im Kampf gegen das Coronavirus und die Folgen für die Wirtschaft zu unternehmen.

„Der Ausbruch des Coronavirus gefährdet die Allgemeinheit und stört die wirtschaftlichen Aktivitäten in vielen Ländern, auch in den USA“, stellte Powell in einer Pressekonferenz klar. Die Notenbank „ist bereit, alle unsere Werkzeuge einzusetzen, um den Kreditfluss an Haushalte und Unternehmen zu unterstützen.“ Die neue Spanne werde so lange auf diesem Niveau bleiben, bis die Wirtschaft die jüngsten Entwicklungen überstanden habe und wieder auf Kurs sei, ihre Ziele für Beschäftigung und Preisstabilität zu erreichen.

500 Milliarden Dollar des neuen Aufkaufprogramms für Bonds soll für Staatsanleihen verwendet werden, der Rest für hypothekenbesicherte Anleihen, sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS). Im Markt für MBS hatte es zuletzt ebenfalls Komplikationen gegeben.

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    Die Fed hatte bereits Anfang März den Leitzins außerplanmäßig um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, um angespannte Märkte zu beruhigen. Der Effekt war jedoch schnell verpufft. In der vergangenen Woche griff die Fed mehrmals mit unterschiedlichen Maßnahmen ein, um Liquidität am Geldmarkt und beim Handel mit US-Staatsanleihen zu gewährleisten. So kündete sie an, die Rekordsumme von 1,5 Billionen Dollar als Liquiditätsreserve bereitzustellen, um Engpässe zu vermeiden.

    Turbulenter Handelsstart an den US-Börsen erwartet

    Die Coronakrise hat sich in den USA in den vergangenen Tagen deutlich zugespitzt. Die nationale Gesundheitsbehörde CDC riet am Sonntagabend dazu, Veranstaltungen von mehr als 50 Personen für die kommenden acht Wochen abzusagen. Die Stadt New York erlaubt Restaurants und Bars, nur noch Gerichte auszuliefern oder zum Mitnehmen zuzubereiten, um die Ausbreitung einzudämmen. Auch Schulen bleiben geschlossen.

    Powell geht davon aus, dass die US-Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpfen wird. Darüber hinaus wollte er jedoch noch keine Prognose wagen. „Das kommt ganz darauf an, wie sich das Virus verhält“, gab er zu bedenken. Auch die Inflation werde in diesem Jahr niedrig bleiben, so Powell. Er drängte jedoch deutlich auf finanzpolitische Schritte, da die Geldpolitik in diesem Fall nur begrenze Möglichkeiten habe.

    „Die Fed hat alle ihre Waffen auf einmal abgefeuert“, kommentierte Michael Feroli, Chefökonom der US-Großbank JP Morgan Chase. Die Notenbank „hat zu Recht alles getan, was sie konnte“, nun blieben ihr jedoch nicht mehr viele weitere Optionen.

    Die Währungshüter schafften es am Sonntag jedoch nicht, die Märkte zu besänftigen. Die Futures auf den breit gefassten Aktienindex S&P 500 fielen zur Eröffnung um vier Prozent, auch die Märkte in Asien eröffneten schwach, was auf einen turbulenten Handelsstart am Montag in New York schließen lässt.

    US-Präsident Donald Trump begrüßte den Schritt der Notenbank am Sonntag. „Es macht mich sehr glücklich. Ich möchte der Federal Reserve gratulieren“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Washington. Trump kritisiert die Währungshüter schon lange wegen einer angeblich zu straffen Geldpolitik und hatte erst am Samstag erneut gesagt, er sei nicht glücklich mit dem Zinssatz der US-Notenbank.

    Trump forderte, dass die USA keinen Leitzins haben, der höher als in anderen starken Wirtschaftsnationen sei. „Wenn man sich Deutschland anschaut, liegen sie im Prinzip unter null, sie sind negativ. Es gibt viele Länder, die negativ sind. Japan ist negativ. Deutschland ist negativ. Andere sind negativ. Und wir zahlen höhere Zinssätze.“

    Fed ist bereit für drastische Schritte

    Powell hatte bereits vor Wochen signalisiert, dass die Notenbank zu drastischen Schritten bereit sei, um die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stützen. Schon seit Monaten gibt es immer wieder Probleme am Geldmarkt, weil die Banken, die genügend Liquidität haben, nicht bereit sind, sie zu verleihen. In den Marktturbulenzen zuletzt trat der erschreckende Effekt auf, dass selbst im Markt für längerfristige Staatspapiere hin und wieder die Käufer – und damit Liquidität – fehlten. Laut Analysten von JP Morgan ist der Stress im US-Anleihemarkt so groß wie zuletzt 2008 in der Finanzkrise.

    Negative Zinsen lehnt Powell auch weiterhin, ab. Das sei nicht die richtige Antwort für die USA. Er sei jedoch mit der EZB und anderen Notenbanken regelmäßig in Kontakt, um sich möglichst eng abzustimmen.

    Mit Agenturmaterial.

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