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19.09.2019

01:00

US-Notenbank

Powell senkt die Zinsen erneut – und kann es Präsident Trump dennoch nicht recht machen

Von: Astrid Dörner

Die US-Wirtschaft sendet uneinheitliche Signale und die Währungshüter wollen lieber proaktiv als zu spät reagieren. Trump geht das dennoch nicht weit genug.

„Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, damit die Wirtschaft weiterhin stark bleibt“, erklärte Powell auf der anschließenden Pressekonferenz. Reuters

Jerome Powell

„Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, damit die Wirtschaft weiterhin stark bleibt“, erklärte Powell auf der anschließenden Pressekonferenz.

New York Der Handelsstreit mit China beeinflusst weiterhin die amerikanische Geldpolitik. Zum zweiten Mal in Folge hat die US-Notenbank Federal Reserve den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Der Leitzins liegt nun in der Spanne von 1,75 bis 2 Prozent, wie die Geldpolitiker am Mittwoch in Washington bekannt gaben.

„Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, damit die Wirtschaft weiterhin stark bleibt“, erklärte Powell auf der anschließenden Pressekonferenz. Der Schritt war von vielen Marktteilnehmern erwartet worden. Für den weiteren Kurs ließ sich Notenbank-Chef Jay Powell jedoch alle Optionen offen. Nicht alle Notenbanker stehen hinter seiner Zinspolitik, was am Mittwoch ebenfalls deutlich wurde.

Die Wirtschaft sei insgesamt zwar weiterhin „moderat“, betonte der Notenbank-Chef. Doch die Lage ist verzwickt. Die US-Verbraucher, die einen überwiegenden Teil der Wirtschaft ausmachen, seien nach wie vor in guter Verfassung. Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,7 Prozent so niedrig wie seit 50 Jahren nicht mehr, auch wenn in den vergangenen Monaten nicht mehr so viele neue Jobs entstanden sind wie noch zum Jahresende. Warnende Signale gibt es dagegen in der Industrie.

Die mit dem Handelsstreit verbundenen Unsicherheiten würden sowohl Exporte als auch die Investitionen der Unternehmen dämpfen. „Eine Schwäche des globalen Wachstums und die Unsicherheit der Handelspolitik haben die Wirtschaft belastet und stellen weiterhin ein Risiko dar“, so Powell. Es sei daher besser, proaktiv zu handeln.

Der Handelsstreit hatte sich im August, kurz nach der vorherigen Zinssenkung erneut zugespitzt. Ob ein Abkommen noch vor der Präsidentschaftswahl im November 2020 erreicht werden kann, ließ US-Präsident Donald Trump am Dienstag offen.

Gleich drei Notenbanker stimmten gegen die Zinssenkung vom Mittwoch, eine ungewöhnlich hohe Anzahl. Esther George, die Präsidentin der regionalen Fed in Kansas City, und Eric Rosengren, Chef der Fed aus Boston, wollten die Zinsen lieber konstant halten. Sie hatten bereits gegen die erste Zinssenkung Ende Juli gestimmt. Neu hinzu kam am Mittwoch James Bullard, Chef der Fed aus St. Louis. Ihm ging der Zinsschritt nicht weit genug. Er hätte lieber eine Zinssenkung von 0,5 Prozentpunkten gesehen.

Dass die hohe Zahl der Abweichler zu Spannungen innerhalb der Fed führen würde, wies Powell zurück. „In diesen Zeiten ist es schwer, ein klares Urteil zu fällen“, räumte er ein. Dass es eine Vielzahl an Meinungen gebe, „ist nur als gesundes Zeichen zu sehen.“

Trump wirft Powell Versagen vor

Uneinigkeit besteht auch über den künftigen Kurs in der Zinspolitik. Sieben der insgesamt 17 Mitglieder im Offenmarktausschuss gehen von einer weiteren Zinssenkung in diesem Jahr aus. Von den verbleibenden zehn will die Hälfte die Zinsen auf dem derzeitigen Niveau belassen. Die andere Hälfte hätte die Zinsen am Mittwoch nicht gesenkt, wie aus den Projektionen der Währungshüter hervorgeht, die ebenfalls veröffentlicht wurden. Allerdings sind nur 12 der 17 Mitglieder stimmberechtigt.

Trump reagierte prompt auf die Entscheidung vom Mittwoch. Auf Twitter schrieb er, Powell und die Fed hätten erneut versagt: „Kein Mut, kein Sinn, keine Vision“, polterte der Republikaner. Powell sei „ein schrecklicher Kommunikator.“

Ebrahim Rahbari, Währungsstratege der Citigroup, erwartet in diesem Jahr noch eine weitere Zinssenkung. „Sie könnte vielleicht schon im Oktober kommen, je nach dem wie die Wirtschaftsdaten aussehen“, schrieb er in einer aktuellen Analyse. Der Notenbankchef versicherte erneut, dass er zu stärkeren Zinssenkungen bereit sei, falls sich die Lage der Wirtschaft deutlich verschlechtere.

Negative Zinsen lehnte Powell jedoch ab. Die Fed habe sich bereits in der Finanzkrise 2008 dagegen entschieden und würde das vermutlich wieder tun und stattdessen eher erneut Anleihekäufe starten. Damit stellte sich der von Trump ernannte Notenbank-Chef erneut gegen den Präsidenten. Trump hatte gefordert, die Fed solle die Zinsen auf null oder noch tiefer senken.

Die Aktienmärkte gaben zunächst nach, erholten sich im Laufe der Pressekonferenz jedoch wieder. Dass der Dollar im Vergleich zum Euro stieg, statt wie üblich nach Zinssenkungen zu fallen, dürfte Trump ebenfalls missfallen. Er hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder darüber beschwert, dass europäische Exporteure aufgrund des starken Dollars einen Vorteil hätten.

Zudem hat die US-Notenbank in dieser Woche nach Liquiditätsengpässen erstmals seit der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren wieder Milliarden in den Geldmarkt gepumpt. Insgesamt wurden in zwei Wellen am Dienstag und Mittwoch 128,15 Milliarden Dollar an frischem Geld zur Verfügung gestellt. Dabei wickelte die Fed über ihren New Yorker Ableger sogenannte Overnight-Repo-Geschäfte ab, bei denen sich Banken für kurze Zeit Bargeld von der Fed leihen – via Rückkaufgeschäften von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren.

Komplikationen am Geldmarkt

Am Geldmarkt waren die Kreditkosten für die Banken zu Wochenbeginn aus dem Ruder gelaufen. Auslöser war unter anderem, dass Firmen viel Geld abzogen, um ihre vierteljährliche anfallende Zahlung von Unternehmenssteuern zu leisten. Die Fed sei zwar darauf eingestellt gewesen, habe das Ausmaß jedoch unterschätzt, räumte Powell ein. Er gehe jedoch nicht davon aus, dass die Turbulenzen am Geldmarkt Auswirkungen auf die Wirtschaft hätten.

Überdies fielen die von den Banken bei der Fed geparkten Reserven so niedrig aus wie seit 2011 nicht mehr: Sie summierten sich zuletzt auf 1,47 Billionen Dollar, was etwa 50 Prozent weniger ist als der vor fünf Jahren erreichte Höchstwert. Das alles machte liquide Mittel derzeit knapp, wie Analysten sagten.

Dadurch wiederum explodierten die Zinsen am Geldmarkt, wo sich Banken untereinander Geld leihen. Dort wurden am Dienstag wegen der Engpässe zwischenzeitlich bis zu zehn Prozent verlangt und damit etwa das Vierfache der von der Fed festgelegten US-Leitzinsen. Durch die sogenannten Repo-Operationen der Zentralbank fielen die Zinsen am Geldmarkt wieder.

Experten gehen davon aus, dass die Fed es bei diesem Eingriff nicht belassen wird. Jeffrey Gundlach, Chef des Finanzhauses DoubleLine Capital, rechnet „ziemlich bald“ mit einem „QE lite“, also einer unkonventionellen Lockerung der Geldpolitik, mit der die Geldmenge erhöht sowie Kreditvergabe und Investitionen angekurbelt werden könnten.

Powell zufolge könnte die Fed bei Bedarf erneut mit ähnlichen Repo-Operationen eingreifen, um kurzfristig Liquidität zur Verfügung zu stellen. Eine weitere Intervention ist für Donnerstag geplant. Die Fed trägt ihrerseits selbst zu den Spannungen am Geldmarkt bei. Sie schrumpft seit knapp zwei Jahren ihre Bilanzsumme wieder, indem auslaufende Papiere in mehreren Stufen nicht mehr ersetzt werden.

Powell hatte bereits im Februar angekündigt, den Abbau der Bilanz noch in diesem Jahr beenden zu wollen. Das könnte nun früher passieren als zunächst geplant. „Wir werden uns mit der Frage befassen, wann es angemessen sein wird, die Bilanz wieder organisch wachsen zu lassen“, stellte Powell klar. Ökonomen gehen davon aus, dass es Details dazu bei der kommenden Notenbank-Sitzung Ende Oktober geben werde.

Mit Agenturmaterial.

Kommentare (2)

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Herr Helmut Metz

19.09.2019, 12:01 Uhr

Wenn ein Staat eine Leistungsbilanz (2017) von ca. + $164,900,000,000 hat und ein anderer eine Leistungsbilanz von ca. - $449,100,000,000, dann kann man diese Bilanzen als "übertrieben unausgeglichen"
Wie lassen sich diese Bilanzen ausgleichen?
1. Der Staat mit dem monströsen Leistungsbilanzdefizit verhängt gegen den Staat (und Exporteur) mit dem gewaltigen Leistungsbilanzüberschuss monströse Handelszölle.
2. Der Staat mit dem monströsen Leistungsbilanzdefizit wertet seine Währung monströs ab, sodass sich dessen eigene Exporte verbilligen und Importe verteuern.
Nun "sitzt" der Staat mit dem gigantischen Leistungsbilanzüberschuss jedoch auf einem nicht unerheblichen Teil der Schulden des Staates mit dem Defizit - denn dieser hatte in den letzten Jahrzehnten Waren gegen grüne Scheinchen geliefert und diese in "Triple-A-besicherten" Staatsanleihen des Handelspartners angelegt.
Dummerweise hat "Maestro" Alan Greenspan den Chinesen auch noch klar und deutlich zu verstehen gegeben, wie sich das Problem mit den US-Staatsschulden elegant "lösen" lässt:
"The United States can pay any debt it has, because we can always print money to do that."
Daher haben die Chinesen selbstverständlich etwas dagegen, wenn die Amis ihre WeltleiDwährung starkinflationieren - und deshalb bleiben als "Alternative" für Trump, um die übertrieben unausgeglichenen Leistungsbilanzen auszugleichen, halt nur die Handelszölle.

Herr Helmut Metz

19.09.2019, 12:04 Uhr

- Korrektur -

Da fehlt was:

Wenn ein Staat eine Leistungsbilanz (2017) von ca. + $164,900,000,000 hat und ein anderer eine Leistungsbilanz von ca. - $449,100,000,000, dann kann man diese Bilanzen als "übertrieben unausgeglichen" bezeichnen:
https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/fields/238rank.html

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