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22.06.2022

18:37

US-Zinspolitik

„Keine Größenordnung ist vom Tisch“ – Powell schließt Zinserhöhung um einen Prozentpunkt nicht aus

Der Chef der US-Notenbank erklärt es zum Ziel, die Inflation auf zwei Prozent zu drücken. Beim Umfang möglicher Zinserhöhungen will er sich nicht einschränken lassen.

Die Inflation habe offensichtlich, was die Stärke angehe, überrascht, sagte er und warnte zugleich: Und es könnten weitere Überraschungen anstehen. Reuters

US-Notenbankchef Jerome Powell

Die Inflation habe offensichtlich, was die Stärke angehe, überrascht, sagte er und warnte zugleich: Und es könnten weitere Überraschungen anstehen.

Frankfurt, New York Die US-Notenbank (Fed) wird sich laut ihrem Chef Jerome Powell mit entschlossenem Handeln dafür einsetzen, die hochgeschossene Inflation zu senken. Die Währungshüter gingen zügig vor, um dies zu erreichen, erklärte Powell am Mittwoch in seiner halbjährlichen Anhörung im US-Kongress.

„Es ist wichtig, dass wir die Inflation herunterbringen, wenn wir eine anhaltende Phase starker Arbeitsmarktbedingungen haben wollen, die allen zugutekommt“, sagte er im Bankenausschuss des Senats. Das Ziel sei, die Inflation auf zwei Prozent zu drücken, während der Arbeitsmarkt stark bleibe. Die Notenbank wolle die Inflation senken, ohne eine Rezession auszulösen. „Wir tun, was wir können,“ sagte er.

Dem Fed-Chef zufolge hängt die Geschwindigkeit der weiteren geldpolitischen Schritte von den Konjunkturdaten und von den wirtschaftlichen Aussichten ab. Die Inflation habe offensichtlich, was die Stärke angehe, überrascht und es könnten weitere Überraschungen anstehen.

Die russische Invasion der Ukraine und die Covid-Lockdowns in China erzeugten anhaltenden Inflationsdruck. Die Währungshüter müssten auf die Daten und die sich verändernden Aussichten stets rasch reagieren. Powell sagte in der Anhörung aber auch: „Die amerikanische Wirtschaft ist sehr stark und gut positioniert, um mit einer strafferen Geldpolitik fertig zu werden.“ Das Bankensystem sei sehr stark, gut kapitalisiert und sehr liquide.

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    Die Notenbank werde in den kommenden Monaten danach schauen, ob es überzeugende Beweise dafür gebe, dass der Preisdruck nachlasse, sagte der Fed-Chef. Eine „sanfte Landung“ der Wirtschaft sei das Ziel, was aber herausfordernd sei. „Wir wollen das Wachstum der Nachfrage verlangsamen“, sagte er.

    Bei Zinserhöhungen sei keine Größenordnung „vom Tisch“

    Beim Umfang möglicher Zinserhöhungen will sich Powell nicht einschränken lassen. Keine Größenordnung sei „vom Tisch“, sagte er. Ein Ausschussmitglied hatte den US-Notenbankchef gefragt, ob die Fed in einem Schritt die Zinsen auch um einen ganzen Prozentpunkt erhöhen könnte. Powell entgegnete darauf, er würde niemals etwas vom Tisch nehmen. Die Fed werde die Schritte einleiten, die notwendig seien, um Preisstabilität wiederherzustellen.

    In den USA betreffe die Inflation mehr als in anderen Ländern die Nachfrage. „Ich weiß, höhere Zinsen sind schmerzhaft“, räumte der Notenbankchef ein. Dies sei aber das Werkzeug, um die Nachfrage zu mäßigen und Angebot sowie Nachfrage wieder in eine Balance zu bringen. Noch schmerzhafter sei es, wenn zugelassen werde, dass die hohe Inflation anhalte.

    Die Fed hatte Mitte Juni angesichts der höchsten Inflation seit mehr als 40 Jahren den Leitzins Mitte Juni so kräftig angehoben wie seit 1994 nicht mehr. Sie beschloss eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 1,50 bis 1,75 Prozent. Die Währungshüter signalisierten zudem, dass in diesem Jahr noch weitere Zinsanhebungen folgen werden.

    Reaktionen der Profis

    „Eine derart aggressive Straffung wird eine weiche Landung sehr schwierig machen, und diese Ängste vor einer Rezession oder zumindest einem deutlich langsameren Wachstum beeinträchtigen die Nachfrage nach Aktien“, äußerte sich Fiona Cincotta, leitende Finanzmarktanalystin bei City Index, in einer Notiz skeptisch.

    Die Äußerungen des Fed-Chefs und die jüngsten Finanzmarktturbulenzen verdeutlichten, dass die Aufgabe der Fed nicht einfacher werde, kommentierte auch Elmar Völker, Analyst bei der LBBW. „Relativ aggressive Zinserhöhungen, wie sie die Fed vor Wochenfrist vollzogen hat, dürften vorerst weiter notwendig bleiben, um Wirtschafts- und Finanzmarktakteuren gegenüber Entschlossenheit bei der Inflationsbekämpfung zu demonstrieren“, führte er aus. 

    Powell wird am Donnerstag auch im Finanzdienstleistungsausschuss des Repräsentantenhauses befragt werden.

    Weiche Landung wird schwierig

    Die Inflation in den USA war im Mai überraschend auf 8,6 Prozent geklettert – das ist der höchste Wert seit 1981. Die US-Notenbank Fed strebt laut einem ihrer führenden Währungshüter bis zum Jahresende einen Leitzins von mehr als drei Prozent an.

    Für die anstehende Zinssitzung im Juli habe er allerdings noch nicht entschieden, wie stark eine Zinsanhebung ausfallen sollte, sagte der Chef des Fed-Bezirks Philadelphia, Patrick Harker, am Mittwoch in einem Interview mit Yahoo Finance. „Ich bin noch nicht bereit, dazu eine finanzielle Entscheidung zu fällen, genau wo ich zwischen 50 und 75 (Basispunkten) stehe“, sagte er.

    An den Finanzmärkten wurde zuletzt spekuliert, ob die Fed wie schon im Juni die Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte oder etwas weniger stark um 0,50 Prozentpunkte anheben wird.

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