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31.07.2019

17:47

Venture Capital

Wellington sammelt 210 Millionen Euro für neuen Biotech-Fonds an

Von: Robert Landgraf

Großanleger stecken derzeit viel Geld in Fonds für Venture-Capital. Doch Deutschland ist bei Investments in junge Unternehmen Nachzügler. Andere in Europa machen große Schritte.

Wellington Partners setzt auf Biotechnologie. lev dolgachov/ddp images

Forschungslabor

Wellington Partners setzt auf Biotechnologie.

Frankfurt Die anhaltende Niedrigzinsphase treibt die Anleger in alternative Anlageklassen. Dazu gehört der Markt für Venture-Capital, also für Risikokapital für junge Firmen, denen gute Wachstumschancen eingeräumt werden. Wellington Partners als große europäische Wagniskapitalfirma mit deutschen Wurzeln hat angesichts des Booms für seinen fünften Biotechnologiefonds (Life Science) 210 Millionen Euro einsammeln können. Angedacht war ursprünglich nur gut die Hälfe des Volumens.

Neue Topinvestoren wie KfW Capital und Talanx konnten gewonnen werden. Altinvestoren wie der Europäische Investmentfonds bleiben dabei. Das Geld des „Wellington Partners Life Science Fund V“ soll in rund 15 bis 20 Unternehmen investiert werden, die Biotechnologieplattformen aufbauen, neue Therapien und medizinische Hilfsmittel im Blick haben oder sich auf digitale Medizin konzentrieren.

„Mit Blick auf das weltweit führende Eco-System in Europa, besonders in der Deutsch sprechenden Region, kombiniert mit dem Mangel an qualifizierten Finanzinvestoren, die auf dem Gebiet der europäischen Life Science arbeiten, haben wir bereits gute Chancen für den neuen Fonds gefunden“, sagt Regina Hodits, Managing Partner bei Wellington Partners. Insgesamt haben die Fonds der Gesellschaft ein Volumen von zusammen einer Milliarde Euro.

Risikokapital macht großen Sprung

Deutschland ist im weltweiten Vergleich beim Thema Wagniskapital Nachzügler. Das soll sich ändern, auch mithilfe von KfW Capital, der Venture-Capital-Tochter der deutschen Förderbank KfW. Innerhalb von zehn Jahren ist geplant, über ein vom Bund verwaltetes Sondervermögen aus dem European Recovery Program zwei Milliarden Euro in europäische Venture-Capital-Fonds (VC-Fonds) zu investieren. Einzelne Investments sollen dabei 25 Millionen Euro nicht übersteigen.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres gingen nach Berechnungen des Analysehauses Refinitiv insgesamt 5,1 Milliarden Euro an Venture-Capital an europäische Firmen. Das entsprach einem Anstieg von 76 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum. Im vierten Quartal 2018 konnten VC-Fonds laut dem Finanzsoftwareanbieter E-Front weltweit das eingesetzte Kapital auf mehr als das 1,5-Fache erhöhen.

Grafik

Auch in Deutschland läuft es besser. Hier haben deutsche Familienunternehmen ihr Engagement bei der Förderung von Start-ups massiv erhöht. Eventures, eine weltweit agierende Risikokapitalgesellschaft, an der namhafte deutsche Geldgeber wie die Otto Group und Porsche beteiligt sind, hat im Juli einen neuen, 400 Millionen Dollar starken Investmentfonds aufgelegt.

Deutsche Start-ups konnten in der ersten Jahreshälfte nach Berechnungen des Beraters EY so viel frisches Kapital einsammeln wie noch nie. Insgesamt erhielten sie 2,8 Milliarden Euro – ein Plus von 13 Prozent. Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg sogar um 19 Prozent auf 332. Der mit Abstand größte Deal war die Finanzspritze über 428 Millionen Euro für das Reise-Start-up GetYourGuide. Es folgte die Onlinebank N26.

Der Boom bei Venture-Capital geht zwar unvermindert weiter. Aber „der Markt verändert sich spürbar“, wie Peter Lennertz, Partner bei EY, feststellt. Die Schere zwischen sehr großen und kleinen Deals gehe auseinander. Ausländische Investoren konzentrierten sich auf ausgereifte Geschäftsmodelle und seien bereit, hohe Summen zu investieren. Es fehlten die mittelgroßen Deals. Doch für Lennertz werden gerade hier Investitionen benötigt, „um aus vielversprechenden Geschäftsideen erfolgreiche Unternehmen zu machen“.

Trotz jüngster Erfolge wie bei Eventures und Wellington hatte der Branchenverband BVK zuletzt beklagt, dass es zu wenige deutsche Venture-Capital-Fonds gibt, die Wachstumskapital bereitstellen. Es ist daher abzusehen, dass gerade ausländische Wagnisfinanzierer mit ihren Investoren hohe Renditen mit deutschen VC-Investments erzielen.

Mehr: Es gibt eine lebendige Gründerszene in Deutschland. Ob sie sich aber am Weltmarkt durchsetzen kann, ist fraglich – die Bürokratie bremst.

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