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07.01.2022

12:02

Verbraucherpreise

Allein Energie 26 Prozent teurer als im Vorjahr – Inflation in der Euro-Zone steigt auf Rekordhoch

Von: Jan Mallien

Mit 5,0 Prozent steigt die Teuerungsrate im Dezember auf den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion. Wieder entwickelt sich die Rate anders, als von Ökonomen eingeschätzt.

Die Europäische Zentralbank sieht eine Inflationsrate von zwei Prozent als Idealmarke für den Euro-Raum an. dpa

Euro-Symbol am EZB-Gebäude in Frankfurt

Die Europäische Zentralbank sieht eine Inflationsrate von zwei Prozent als Idealmarke für den Euro-Raum an.

Frankfurt Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone sind im Dezember um 5,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das teilte die europäische Statistikbehörde Eurostat am Freitagvormittag auf Basis einer vorläufigen Schätzung mit. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Währungsunion. Ökonomen hatten einen leichten Rückgang erwartet. Im November lag die Teuerungsrate bei 4,9 Prozent.

Damit liegt der Wert über dem Ziel von zwei Prozent, das die Europäische Zentralbank (EZB) auf mittlere Sicht für den Euro-Raum anstrebt. Die Notenbank hat zuletzt ihre Inflationsprognose für dieses Jahr deutlich angehoben. Sie geht aber weiter davon aus, dass der aktuelle Preisschub ein vorübergehendes Phänomen ist.

Stärkster Preistreiber war im Dezember erneut Energie, auch wenn sie sich am Jahresende mit 26,0 Prozent etwas weniger stark verteuerte als im November mit 27,5 Prozent. Die um besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel bereinigte Kerninflation lag bei 2,6 Prozent. Lebensmittel, Alkohol und Tabak kosteten 3,2 Prozent mehr als im Dezember 2020. Industriegüter (ohne Energie) verteuerten sich um 2,9 Prozent, Dienstleistungen um 2,4 Prozent.

Die EZB führt den Preisanstieg vor allem auf Sonderfaktoren durch die Pandemie zurück. Dazu zählen Basiseffekte wie zum Beispiel beim Ölpreis. Dieser ist zu Beginn der Coronapandemie 2020 eingebrochen, daher liegen die Werte aus dem Jahr 2021 gegenüber den niedrigen Werten aus dem Vorjahr entsprechend höher.

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    Weitere Faktoren sind die aktuellen Lieferengpässe und die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung aus der zweiten Jahreshälfte 2020. Kritiker warnen hingegen vor den Inflationsgefahren und fordern eine schnellere Straffung der Geldpolitik.

    Grafik

    „Der letzte Datenpunkt des vergangenen Jahres brachte nicht die in der Expertenbefragung erwartete Verlangsamung des Preiswachstums“, kommentiert die Chefvolkswirtin der KfW, Fritzi Köhler-Geib, die Zahlen. Sie rechnet damit, dass die Teuerungsrate in diesem Jahr durch den Wegfall von Sondereffekten wieder absinkt. Wie schnell das passiere, hänge aber von der Überwindung der Lieferengpässe und den Energiepreisen ab.

    Aus ihrer Sicht werden durch die Omikron-Variante neue Störungen in den Lieferketten wahrscheinlicher. Falls ein merklicher Abwärtstrend bei der Inflationsrate ausbleibe, steige der Druck auf die Arbeitnehmer, höhere Lohnabschlüsse anzustreben und damit die Gefahr sogenannter Zweitrundeneffekte, bei der sich höhere Preise und Löhne gegenseitig verstärken. „Es ist daher entscheidend, dass die EZB diese Entwicklung genau im Auge behält und die Perspektiven für eine Zinswende im Lichte der weiteren Inflationsentwicklung deutlich und verlässlich kommuniziert,“ sagt Köhler-Geib.

    Warnungen innerhalb des EZB-Rats

    Commerzbank-Ökonom Christoph Weil erwartet, dass es bis Herbst dauern wird, bis die Inflation im Euro-Raum wieder unter zwei Prozent fallen wird. „Die Rufe nach einem Ende der ultra-expansiven Geldpolitik werden also so schnell nicht verstummen.“

    Auch innerhalb des EZB-Rats gab es zuletzt Warnungen vor einer länger anhaltenden hohen Inflation. Das Entscheidungsgremium der Notenbank hatte im Dezember zwar beschlossen, die Anleihezukäufe über das Pandemie-Notprogramm PEPP Ende März zu beenden. Dafür soll aber das ältere Anleihekaufprogramm APP ab April auf monatlich 40 Milliarden Euro aufgestockt werden. Bis Oktober soll das Volumen auf monatlich 20 Milliarden Euro sinken.

    Da ein Ende der Anleihekäufe als Voraussetzung für eine Zinserhöhung gilt, ist damit eine baldige Zinswende im Euro-Raum sehr unwahrscheinlich. Das hatte auf der Ratssitzung im Dezember für Debatten gesorgt. Einzelne Ratsmitglieder, darunter auch der damalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, hatten sich dafür eingesetzt, dass die EZB die Inflationsgefahren stärker betont und sich nicht zu lange auf eine sehr lockere Geldpolitik festlegt.

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