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13.10.2021

11:56

Verbraucherpreise

Energiekosten treiben deutsche Inflationsrate im September auf 4,1 Prozent – Höchster Stand seit 1993

Das Statistische Bundesamt bestätigte am Mittwoch die erste Schätzung. Das Ende der Preisspirale ist noch nicht erreicht.

Energiepreise zogen im September in der Euro-Zone um rund 17 Prozent an. dpa

Spritpreise

Energiepreise zogen im September in der Euro-Zone um rund 17 Prozent an.

Düsseldorf, Frankfurt Teure Energie hat in Deutschland die Inflationsrate im September erstmals seit fast 28 Jahren über die Vier-Prozent-Marke getrieben. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich um durchschnittlich 4,1 Prozent, bestätigte das Statistische Bundesamt am Mittwoch eine frühere Schätzung. Das ist der höchste Stand seit Dezember 1993, als die vom Wiedervereinigungsboom angefachte Inflationsrate sogar auf 4,3 Prozent kletterte. Im August lag sie noch bei 3,9 Prozent, im Juli bei 3,8 Prozent.

In den kommenden Monaten dürfte es weiter in Richtung fünf Prozent gehen, da die Unternehmen den Kostenschub durch gestiegene Preise für Materialien noch nicht vollständig an die Verbraucher weitergegeben haben. Als Konsequenz aus zunehmenden Knappheiten wollen jetzt auch viele Einzelhändler ihre Preise anheben, wie das Ifo-Institut bei seiner Unternehmensumfrage herausfand. „Die Industrie hat Preiserhöhungen angekündigt und dies kommt jetzt zwangsläufig im Einzelhandel an“, sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe.

Für den Anstieg im September verantwortlich ist einmal mehr die Entwicklung bei Energie: Sie kostete 14,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. „Wesentlich dafür waren die Basiseffekte, da wir die aktuellen Preise mit den sehr niedrigen Preisen des Vorjahres vergleichen“, sagte Christoph-Martin Mai vom Statistikamt.

Auch die zu Jahresbeginn eingeführte CO2-Abgabe wirkt erhöhend auf die Teuerungsrate der Energieprodukte. Dabei verteuerte sich Heizöl mit 76,5 Prozent besonders stark, ebenso Kraftstoffe wie Benzin mit 28,4 Prozent. Auch Erdgas (plus 5,7 Prozent) und Strom (plus 2,0) kosteten mehr als vor Jahresfrist.

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    Nahrungsmittel verteuerten sich mit 4,9 Prozent ebenfalls überdurchschnittlich stark. Gemüse kostete sogar 9,2 Prozent mehr, während für Molkereiprodukte und Eier 5,5 Prozent mehr verlangt wurden. Darüber hinaus verteuerten sich auch Gebrauchsgüter wie Fahrzeuge (plus 6,4 Prozent) oder Möbel und Leuchten (plus 4,4 Prozent) deutlich. Dienstleistungen kosteten 2,5 Prozent mehr, wobei sich Wohnungsmieten um 1,4 Prozent erhöhten.

    Die starke Teuerung ist allerdings auch auf temporäre Sondereffekte zurückzuführen. Dazu gehören das extrem niedrige Ausgangsniveau bei den Rohstoffpreisen, Pandemie- und Lockdown-bedingte Nachholeffekte oder die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung im Kampf gegen die Corona-Krise in der zweiten Jahreshälfte 2020. 

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    Ökonomen sind uneins in der Frage, wie wie lange der Preisauftrieb anhalten wird. „Der Inflationsdruck bleibt bis zum Jahresende sehr hoch,“ urteilte etwa Friedrich Heinemann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. Richtig spannend werde es aus seiner Sicht erst ab Januar, wenn viele Sondereffekte auslaufen. „Dass die Inflation dann von ihrem aktuellen Stand wieder abfällt, ist sicher. Völlig unklar ist jedoch, wie rasch wieder ein moderates Niveau bei etwa zwei Prozent erreicht werden kann. Für 2022 ist diese Frage offen.“

    „Die Preise fossiler Energieträger wie Öl und Gas werden auch in Zukunft weiter steigen“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. „Das ist gut so, denn dies gehört zu einer klugen Strategie in Sachen Klimaschutz dazu.“ Die Politik sollte Menschen mit geringen Einkommen gezielt finanziell entlasten, aber nicht Topverdiener oder Unternehmen. „Eine dauerhaft hohe Inflation ist sehr unwahrscheinlich und wäre eher ein Luxus-Problem, denn dies würde eine dauerhaft boomende Wirtschaft erfordern“, sagte Fratzscher. „Es gibt daher keinen Anlass zur Angst und die Politik sollte sich an populistischer Angstmache nicht beteiligen.“

    Die EZB selbst hat ihre Inflationsprognosen im September deutlich angehoben. Für dieses Jahr erwartet sie nun für den Euro-Raum eine Steigerungsrate von 2,2 Prozent. Danach rechnet sie wieder mit niedrigeren Werten von 1,7 Prozent für 2022 und 1,5 Prozent für 2023.

    Ob die Inflation länger höher bleibt, hängt aus Sicht von Ökonomen vor allem davon ab, ob auch die Löhne stärker steigen. Bislang zeigt sich das noch nicht in den Daten.

    Von

    rtr

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