Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

30.11.2021

12:57

Verbraucherpreise

Inflation im Euro-Raum steigt im November deutlich stärker als erwartet auf fast fünf Prozent

Von: Jan Mallien

Im November ist die Teuerungsrate auf den höchsten Stand seit Beginn der Währungsunion gestiegen. Das lag vor allem an höheren Energiepreisen.

Die Verbraucherpreise steigen weiter. Reuters

Supermarkt in Madrid

Die Verbraucherpreise steigen weiter.

Frankfurt Die Inflation im Euro-Raum ist im November weiter gestiegen. Die Verbraucherpreise kletterten um 4,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das europäische Statistikamt Eurostat auf Basis einer ersten Schnellschätzung mitteilte. Ökonomen hatten einen Anstieg auf 4,3 Prozent erwartet.

Der Wert liegt über dem Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Inflation von zwei Prozent für den Währungsraum anstrebt. Schon im Oktober lag die Inflationsrate bei 4,1 Prozent. Am Montag hatte das Statistische Bundesamt bereits für Deutschland eine Inflationsrate von 5,2 Prozent für November vermeldet. Diese berechnet sich etwas anders als das europäische Inflationsmaß.

Stärkster Preistreiber war im November Energie, die sich um 27,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr verteuerte. Die Preise für Dienstleistungen stiegen um 2,7 Prozent. Klammert man Energie und unverarbeitete Lebensmittel aus, lag die sogenannte Kernrate bei 2,6 Prozent.

Einige Experten wie Frederik Ducrozet vom Schweizer Vermögensverwalter Pictet gehen davon aus, dass die Inflation im November auch durch einen statistischen Sondereffekt bei Pauschalreisen höher ausgefallen ist.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Deren Anteil im europäischen Inflationsmaß war zu Jahresbeginn drastisch gesenkt worden, um das veränderte Konsumverhalten in der Pandemie zu berücksichtigen. Normalerweise sinken die Preise für Pauschalreisen im November deutlich, was nun aber weniger zu Buche schlägt.

    Grafik

    Die Europäische Zentralbank (EZB) führt den Preisanstieg vor allem auf vorübergehende Sondereffekte durch die Pandemie zurück. Dazu zählt neben Lieferengpässen und Nachholeffekten beim Konsum auch die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung aus dem vergangenen Jahr in Deutschland. Zudem ist der Ölpreis im vergangenen Jahr wegen der Pandemie stark gefallen. Im Vergleich zu den niedrigen Vorjahreswerten liegt er nun deutlich höher.

    Lagarde bleibt bei ihrer Einschätzung

    Allerdings gibt es auch innerhalb des EZB-Rats Vertreter, die davor warnen, die Inflationsgefahren zu unterschätzen. So warnte der scheidende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in seinem Abschiedsbrief an die Mitarbeiter, „auch perspektivische Inflationsgefahren nicht aus dem Blick zu verlieren“.

    EZB-Chefin Christine Lagarde dagegen bekräftigte jüngst ihre Sicht, dass sie den Inflationsanstieg im Euro-Raum für vorübergehend hält. Auch die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer rechnet mit einem Rückgang der Inflationsrate im kommenden Jahr. Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale sieht sie nicht.

    Der Ökonom der Beratungsgesellschaft Capital Economics, Jack Allen-Reynolds, verweist darauf, dass die Inflationszahlen im November zum wiederholten Male überraschend hoch ausgefallen seien. Er geht davon aus, dass die Inflationsrate noch mindestens bis Ende kommenden Jahres über dem Zielwert der EZB von zwei Prozent liegen wird.

    Mögliche Effekte durch die neue Omikron-Variante des Coronavirus auf die Inflation hält er für gering. Wenn dies die Wirtschaft stärker beeinträchtigen sollte, könnte der Ölpreis sinken. Andererseits wäre aus seiner Sicht damit zu rechnen, dass sich die Probleme bei den globalen Lieferketten dann wieder verstärken.

    EZB legt im Dezember Prognosen vor

    Commerzbank-Analyst Christoph Weil sieht die aktuellen Zahlen ebenfalls als Warnsignal. „Auch wenn die Rate durch Sondereffekte nach oben verzerrt ist, zeigt sie doch, dass der unterliegende Preisauftrieb infolge der Lieferengpässe merklich zugenommen hat“, kommentiert er.

    Mit den heutigen Zahlen sei „das Risiko gestiegen, dass die Teuerungsrate in der ersten Jahreshälfte 2022 deutlich höher ausfallen wird als von der EZB bislang erwartet“. Er geht davon aus, dass die Notenbank ihre Inflationsprognosen für nächstes Jahr deutlich nach oben revidieren muss.

    Die EZB legt die Prognosen auf ihrer nächsten Sitzung am 16. Dezember vor. Sie werden mit Spannung erwartet, weil diese Einfluss auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Notenbank haben dürften. Im Dezember will die EZB entscheiden, wie es mit ihren massiven Anleihekäufen im nächsten Jahr weitergehen soll. Je größer die Inflationsrisiken, desto geringer dürften die Anleihekäufe im nächsten Jahr ausfallen.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×