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06.01.2022

14:55

Verbraucherpreise

Stärkster Anstieg seit fast 30 Jahren: Inflation in Deutschland klettert im Dezember auf 5,3 Prozent

Von: Jan Mallien, Frank Wiebe

Entgegen den Erwartungen hat sich der Preisanstieg in Deutschland zum Jahresende 2021 nicht verlangsamt. Im Gegenteil: Die Teuerungsrate legte zum sechsten Mal in Folge zu.

Auch im Euro-Raum ist die Inflation zuletzt deutlich gestiegen. dpa

Euro-Münze

Auch im Euro-Raum ist die Inflation zuletzt deutlich gestiegen.

Frankfurt Die Preise in Deutschland steigen weiter. Im Dezember lag die Inflationsrate hierzulande bei 5,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag auf Basis einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 5,1 Prozent gerechnet. Im November waren die Preise um 5,2 Prozent gestiegen – so stark wie seit 1992 nicht mehr, als der Boom nach der Wiedervereinigung für hohe Teuerungsraten sorgte.

Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen wird die Inflationsrate im Jahresdurchschnitt 2021 voraussichtlich bei 3,1 Prozent liegen. Im Pandemiejahr 2020 waren die Preise nur um 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, 2019 lag die Jahresrate bei 1,4 Prozent.

Auch im Euro-Raum ist die Inflation zuletzt deutlich gestiegen. Die Rate für Dezember veröffentlicht die europäische Statistikbehörde Eurostat am morgigen Freitagvormittag.

Die Inflation sorgt für kontroverse Debatten unter Ökonomen und an den Finanzmärkten. Im Dezember hat die Bundesbank ihre Prognose für Deutschland deutlich angehoben. Sie erwartet nach der europäischen Berechnungsmethode des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für dieses Jahr eine Teuerungsrate von 3,6 Prozent, nachdem sie zuvor noch von 1,8 Prozent ausgegangen war.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte ihre Vorhersage deutlich. Sie führt den Anstieg aber weiter vor allem auf Sondereffekte durch die Pandemie zurück, vor allem auf Lieferengpässe, Nachholeffekte beim Konsum und die Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung aus dem vergangenen Jahr in Deutschland.

Grafik

Weiterhin geht sie davon aus, dass der Preisdruck im Euro-Raum im Laufe des Jahres nachlässt. Einige Ökonomen erwarten hingegen langfristig höhere Preissteigerungen. Auch innerhalb des EZB-Rats warnen einzelne Mitglieder stärker vor Inflationsgefahren.

„Der unterliegende Preisdruck ist im Dezember überraschend hoch geblieben“, kommentierte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer die aktuellen Zahlen für Deutschland. Er geht zwar davon aus, dass die Inflationsrate nach der Jahreswende wegen des Wegfalls von Sonderfaktoren sinken sollte. „Aber die Inflationsrisiken weisen klar nach oben. Es wird Zeit, dass die EZB den Fuß vom Gas nimmt.“

Auch die Chefvolkswirtin der KfW, Fritzi Köhler-Geib, hält es für „entscheidend, dass die EZB die Zinswende im Blick behält, verlässlich kommuniziert und diese unter Berücksichtigung der weiteren Inflationsentwicklung konsequent verfolgt.“

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Zuletzt hatte die EZB im Dezember beschlossen, ihr Pandemie-Kaufprogramm PEPP im März auslaufen zu lassen. Danach will sie aber ihr älteres Kaufprogramm mit dem Kürzel APP aufstocken. Die darüber abgewickelten Käufe sollen ab April auf monatlich 40 Milliarden Euro steigen. Bis Oktober soll das Volumen auf monatlich 20 Milliarden Euro sinken.

Da ein Ende der Anleihekäufe als Voraussetzung für eine Zinserhöhung gilt, ist damit eine baldige Zinswende im Euro-Raum sehr unwahrscheinlich. Das hatte auf der Ratssitzung im Dezember für Debatten gesorgt. Einzelne Ratsmitglieder, darunter auch der damalige Bundesbank-Präsident Jens Weidmann, hatten sich dafür eingesetzt, dass die EZB die Inflationsgefahren stärker betont.

Inflationsprognosen sind mit vielen Unsicherheiten behaftet

Die Inflationswarner verwiesen dabei auf verschiedene Risiken. Zum Beispiel berücksichtigt die EZB in ihren Inflationsprognosen für die kommenden Jahre die Ölpreise am Terminmarkt. Diese deuten auf einen Preisrückgang hin.

Ob der Ölpreis aber wirklich sinken wird, gilt als unsicher. Am Dienstag beschlossen die Ölexportstaaten der Opec, an ihren bisherigen Plänen für die Ausweitung der Ölproduktion festzuhalten. Dennoch stieg der Ölpreis wieder. Zudem könnten auch die Lohnsteigerungen höher ausfallen als zunächst erwartet.

Stärkster Preistreiber in Deutschland waren im Dezember wieder die Energiepreise, die um 18,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten. Allerdings machte sich der Rückgang der Ölpreise im Dezember etwas dämpfend bemerkbar. Im November lag der Anstieg dort noch bei 22,1 Prozent.

Die Preise für Nahrungsmittel stiegen mit 6,0 Prozent hingegen stärker als im Vormonat. Im November hatten sie um 4,5 Prozent zugelegt. „Vor allem Gemüse, aber auch Molkerei- und Backwaren haben sich merklich verteuert“, erklärte der Chefvolkswirt der DZ Bank, Michael Holstein. Auch die Preise für Gas und Pauschalreisen seien stärker gestiegen. Dienstleistungen verteuerten sich um 3,1 Prozent.

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